Zollitsch gegen Leiharbeit in katholischer Kirche

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Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, predigt beim Eröffnungsgottesdienst zur Bischofskonferenz im Dom St. Peter Regensburg.

Regensburg - Erzbischof Robert Zollitsch hat sich bei der Deutschen Bischofskonferenz gegen Leiharbeit in der katholischen Kirche ausgesprochen. Nur unter einer Bedingung sei diese denkbar.

Die Bischöfe wollen stärker gegen Lohndumping in Einrichtungen der katholischen Kirche vorgehen und lehnen den breiten Einsatz von Leiharbeitern ab. Das unterstrich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Dienstag bei der Frühjahrs-Vollversammlung in Regensburg. Gleichzeitig machte er deutlich, dass seine Kirche an ihrem speziellen Tarifsystem, dem sogenannten Dritten Weg, festhält - und ein Streikrecht für die Beschäftigten damit weiter ablehnt.

Vor allem Pflege- und Seniorenheime sowie Krankenhäuser hätten aufgrund verschärften Wettbewerbsdrucks Firmen ausgegründet, um Tarifvereinbarungen zu umgehen, räumte Zollitsch ein. Den Abweichlern, nach Angaben der katholischen Kirche etwa ein Fünftel der kirchlichen Einrichtungen, werde eine Frist bis Ende 2013 gesetzt. Sollten sie ihre Praxis bis dahin nicht ändern, müssen sie die kirchliche Gemeinschaft verlassen und das weltliche Arbeitsrecht - inklusive Streikrecht für die Mitarbeiter - übernehmen.

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Bundesweit beschäftigt die katholische Kirche nach eigenen Angaben etwa 700.000 Mitarbeiter - vor allem im karitativen Bereich. Neben der katholischen geht auch die evangelische Kirche beim Arbeitsrecht einen Sonderweg.

Zollitsch verteidigte das Kirchentarifsystem, bei dem von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzte Kommissionen einvernehmlich über die Gehälter entscheiden, gegen Kritik von Gewerkschaften. “Die ausgehandelte Vergütung über den Dritten Weg liegt im Wesentlichen auf dem Niveau der Tarifverträge im öffentlichen Dienst“, sagte er. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht das anders und fordert von den Kirchen neben klassischen Tarifverhandlungen höhere Löhne - in die gleiche Richtung zielen auch Forderungen der Linkspartei.

“Dabei werden die zahlreichen Sondervergütungen der Kirche, wie Weihnachtsgeld, Zuschläge und betriebliche Altersversorgung nicht beachtet“, erläuterte der Experte für Arbeitsrecht in der katholischen Kirche, Martin Fuhrmann. Untermauern will er diese Position bei einer Anhörung im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales am 26. März.

Zollitsch unterstrich die Ablehnung von Leiharbeit in der katholischen Kirche. “In Notsituationen ist Leiharbeit als Überbrückung denkbar. Einen Ersatz für die Regelbeschäftigung stellt sie aber nicht dar“, sagte er. Die Kirche habe deshalb ein Zustimmungsverweigerungsrecht der Mitarbeitervertretung bei der Einstellung von Leiharbeitern verankert, wenn diese länger als sechs Monate eingesetzt werden sollen.

In Regensburg beraten die 67 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz bis Donnerstag über drängende Fragen in ihrer Kirche. Schwerpunkt am Mittwoch soll die Entwicklung der katholisch-theologischen Fakultäten sein.

dpa

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