Unbequeme Kissen: Häftlinge im Hungerstreik

Würzburg - Für besseres Essen und weichere Kopfkissen sind 62 Häftlinge des Würzburger Gefängnisses in den Hungerstreik getreten. Was die Inhaftierten außerdem fordern:

Die Männer verweigerten seit einer Woche das Essen, sagte der Direktor der Justizvollzugsanstalt, Robert Hutter, am Montag in Würzburg. Der Hungernden seien am Montag gewogen und soweit nötig auch ärztlich versorgt worden. Die Gefangenen protestieren für bessere Haftbedingungen. Insgesamt haben die Häftlinge 15 Forderungen in einem Brief an die Anstaltsleitung formuliert, darunter Stepp- statt Wolldecken und weiche Kissen statt Keilkissen. Außerdem wünschen sie sich, dass die engmaschigen Fliegengitter vor den Gefängnisfenstern entfernt werden.


“Es gibt ein paar Sachen, wo wir durchaus über Erleichterungen nachdenken können. Aber Frager der Sicherheit oder Ordnung bleiben, wie sie sind. Gitter vor dem Fenster sind schließlich vollkommen zurecht angebracht“, sagte Hutter. Am Dienstag wolle er mit gewählten Gefangenensprechern über die Forderungen sprechen. Zu Beginn der Protestaktion seien es noch 75 Teilnehmer gewesen.

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

In deutschen Gefängnissen kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen oder Misshandlungen unter Häftlingen. Eine Auswahl: © dpa
September 2009 - Im badischen Offenburg misshandeln drei Häftlinge einen Gefangenen und verletzen ihn schwer. Die Verdächtigen bestreiten die Tat und behaupten, der Mann sei aus dem Hochbett gefallen. Dies stellt sich jedoch als Lüge heraus. © dpa
Oktober 2008 - Ein 25-Jähriger wird im Gefängnis von Schwäbisch Hall von drei Mitgefangenen in seiner Zelle gedemütigt. Die drei Männer gestehen im Prozess, ihr Opfer mit einem Kugelschreiber vergewaltigt zu haben. Zudem hatten sie ihm Haare und Augenbrauen abrasiert und mit einem Gürtel gepeitscht. © dpa
Mai 2008 - Im sächsischen Jugendgefängnis Regis-Breitingen nahe Leipzig quälen neun Insassen über Wochen einen 18-jährigen Mitgefangenen und versuchen, ihn in den Selbstmord zu treiben. Schließlich sollen einige von ihnen versucht haben, den 18-Jährigen zu erdrosseln. © dpa
März 2008 - In der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen misshandeln zwei 25 und 26 Jahre alte Häftlinge zwei Mitgefangene körperlich und sexuell. Eines ihrer Opfer sollen sie aufgefordert haben, sich zu erhängen. © dpa
Januar 2008 - In der JVA Celle-Salinenmoor in Niedersachsen wird ein 28 Jahre alter Häftling von zwei 28 und 33 Jahre alten Zellengenossen mit Tritten und Schlägen lebensgefährlich verletzt. Zudem soll der 33-Jährige das Opfer vergewaltigt haben. © dpa
Februar 2007 - Über drei Tage hinweg wird in der Jugendanstalt Schleswig ein 19-Jähriger von Mitgefangenen körperlich misshandelt und gedemütigt. © dpa
Dezember 2006 - Am zweiten Weihnachtstag wird einem Strafgefangenen der JVA Aachen von Mithäftlingen “der Prozess gemacht“, weil er ihnen Tabak schuldet. Infolge von Schlägen und Fußtritten erleidet das Opfer neben Schädel-, Rippen- und Nierenprellungen einen Trommelfellriss. © dpa
November 2006 - In der Justizvollzugsanstalt Siegburg misshandeln und vergewaltigen zwei damals 17 und 20 Jahre alte Gefangene einen 20- jährigen Mithäftling über viele Stunden in der gemeinsamen Zelle. Schließlich erhängen sie ihn an einer Toilettentür, um einen Selbstmord vorzutäuschen. © dpa

Im Sommer 2011 waren Insassen der JVA in einen mehrtägigen Hungerstreik getreten. “Das ist im Strafvollzug nichts neues und kommt immer wieder mal vor“, sagte der Anstaltsleiter. In dem Würzburger Gefängnis sind derzeit etwa 100 Frauen und rund 500 Männer untergebracht. Bayernweit gibt es nach Hutters Angaben etwa 12 500 Häftlinge.

dpa

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