Vorurteile und Fakten

Wieso haben so viele Asylbewerber ein Smartphone?

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Viele User wundern sich: Fast jeder Asylbewerber läuft mit einem modernen Smartphone durch die Gegend. Dabei gelten die Flüchtlinge doch als hilfsbedürftig. Wie passt das zusammen?

Immer wieder lesen wir Kommentare von unseren Usern, die darauf aufmerksam machen, dass die Flüchtlinge unter anderem auch deshalb gar nicht so hilfsbedürftig und arm sein können, weil sie moderne Smartphones besitzen. Schnell steht dann der Vorwurf im Raum, dass es sich tatsächlich um Sozialschmarotzer handelt, die den deutschen Steuerzahler ausnehmen wollen.

Faktencheck: Flüchtlinge und Smartphones

Wir machen den Faktencheck - was steckt wirklich hinter dem Vorurteil, wie können sich die Asylbewerber die Telefonkosten eigentlich leisten und warum scheinen alle Flüchtlinge ein Smartphone zu besitzen.

1. Wieso hat das Smartphone so eine große Bedeutung für die Flüchtlinge?

Das Smartphone ist der einzige Luxusgegenstand, den die Asylbewerber bei sich tragen - aber keineswegs ein Statussymbol. Nur über die Smartphones können sie Kontakt halten zur Familie, es ist die einzige Verbindung zu den Verwandten in der Heimat.

Auch bei der Flucht aus den Krisengebieten nach Europa spielen die Geräte eine entscheidende Rolle, da sie mit GPS ausgestattet sind und sich die Flüchtlinge so in den fremden Ländern orientieren. Sie können über die Smartphones mit den Schleppern in Kontakt bleiben und Treffpunkte für die nächsten Stationen der beschwerlichen Reise ausmachen. Apps wie Übersetzungsprogramme helfen zudem dabei, im Ausland zurechtzukommen.

2. Wie können sich die Flüchtlinge die Luxusgeräte leisten?

Wie der österreichische Standard recherchieren konnte, haben Unternehmen wie Samsung, HTC oder LG den Markt in Afrika und den Nahen Osten in den letzten Jahren mit abgespeckten Billig-Geräten geflutet. Die Firmen bauen Smartphones nach, die aussehen wie unsere westlichen "Premiummodelle", in Wirklichkeit aber weniger Leistung bieten.

Die Entwicklungsländer sind ein riesiger Absatzmarkt für die Mobilfunkindustrie geworden. Beispiel Ghana: Im Jahr 2002 hatten nur acht Prozent der Menschen dort ein Mobiltelefon, im Jahr 2014 waren es schon 83 Prozent, so die Süddeutsche Zeitung.

Die Firma Apple wählte eine andere Strategie: Sie verkauft massenhaft gebrauchte und reparierte Altgeräte im Nahen Osten und den Länder Afrikas.

3. Wer bezahlt die Telefonkosten und Roaming-Gebühren?

Teure Roaming-Gebühren für Gespräche ins Ausland zahlen Asylbewerber nicht. Der Grund: Sie telefonieren über Skype, Whatsapp oder Viber. Dazu nutzen sie kostenfreie WLAN-Hotspots in Bahnhöfen oder vor Cafés. Deswegen sitzen viele Asylbewerber auch gehäuft an solchen öffentlichen Plätzen mit ihren Smartphones. Teure Auslandsgespräche, zum Beispiel in Telefonzellen in Internetcafés, wären für sie viel teurer.

Überlebenswichtig für Flüchtlinge 

Für Asylbewerber sind Smartphones überlebenswichtig. Sie sorgen dafür, dass die oftmals traumatisierten Menschen auch psychisch die Strapazen der Flucht, sowie die Einsamkeit und Unsicherheit im neuen Land verkraften können.

mg 

Quelle: rosenheim24.de

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