Studienarzt schweigt / Es fehlen 200 Unterschriften

Wiesn-Bluttests: Hat das BRK geschlampt?

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Oktoberfest mit Blut-Test? Das Rote Kreuz kann die Zweifel immer noch nicht ausräumen (Symbolfoto)

München - Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) kann die Blut-Tests an Wiesn-Besuchern immer noch nicht aufklären. Hunderte Unterschriften fehlen derzeit, keiner kann die Studien-Genehmigung auftreiben.

Der Projektleiter schweigt, er will die Studie nicht mal geschrieben haben: Es geht drunter und drüber beim BRK. Die Sache wird zum Skandal!

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Seit vergangener Woche herrscht beim Roten Kreuz Alarm-Stimmung: Die tz hatte enthüllt, dass BRK-Ärzte bei der Wiesn 2004 bei hunderten Betrunkenen Blut abgenommen haben – womöglich ohne deren Zustimmung. Nun tauchten die Daten in einer Studie auf. Zwei Fragen stellten sich bisher: Durften die Ärzte die teils bewusstlosen Gäste anzapfen, weil dies deren Behandlung diente? Und konnten die Patienten hinterher wirklich der Teilnahme an der Studie einwilligen, weil sie wieder nüchtern genug waren?

Jetzt kommt eine dritte Frage dazu: Haben überhaupt alle Patienten eine Zustimmung gegeben? Das Rote Kreuz bestätigte der tz am Dienstag, dass bislang 178 Unterschriften von Patienten vorliegen. Die Teilnehmerzahl der Studie beträgt aber 405!

Wo sind die anderen Einwilligungen? Gibt es sie überhaupt? Oder machten die Ärzte über 200 Wiesn-Gäste heimlich zu Medizin-Probanden, deren Blut die Forscher durch die Republik schickten und auf Zeichen von Alkoholsucht und Drogen testeten? Das BRK verweist auf den Studienleiter vor Ort.

Der Leipziger Chirurg B. organisierte in der Wiesn-Wache die Abzapf-Aktion. Für heuer gab ihm die Stadt Wiesn-Verbot. Er habe an der Uni die Dokumente archiviert und die 178 Unterschriften jetzt dem BRK übergeben. Nur er könne sicher sagen, ob wirklich alle 405 Patienten zugestimmt hatten. Die tz erreichte B. am Telefon: Kein Kommentar. Der Mediziner schweigt und schickt Anwalt Hans-Jörg Kreyes vor. Der sagt der tz: „Alle sind am Suchen.“ Er hoffe, dass die Unterschriften gefunden werden. Der Anwalt verfüge selbst nur über eine Muster-Einwilligung, die er der tz nicht zeigen will. Die Sache sei „relativ explodiert“.

Die Münchner Fachanwältin für Medizinrecht, Beate Steldinger, wundert sich: „Ich habe den Eindruck, dass es da schlampig zuging. Wenn ein Arzt eine saubere Studie machen will, muss er alles ordentlich dokumentieren.“ Eine Blutuntersuchung ohne Einwilligung sei ein nicht hinnehmbarer Eingriff ins Selbstbestimmungsrecht der Patienten. „Man darf einem Menschen ja auch nicht einfach Blut abnehmen und etwa auf Geschlechtskrankheiten testen.“

Das gleiche Bild bei der Genehmigung der Studie: Alle beteuern, es gäbe eine Entscheidung der Leipziger Ethik-Kommission. Aber keiner hat sie gesehen – das Münchner BRK nicht, der Anwalt B.s auch nicht, die Uni Leipzig so wenig wie der Münchner Staatsanwalt!

Immerhin sagt der Chef der Ethik-Kommission, Prof. Rainer Preiß der tz: „Damals hat es Auflagen gegeben!“

Das BRK ist total bestürzt. Vorsitzende Hildegard Kronawitter gesteht ein, dass die Organisation kein „schlüssiges und stimmiges Bild“ gibt – trotz „tagelanger und intensiver Recherchen“. Das BRK versichert, die vorhandenen Unterschriften der Justiz vorzulegen. Das war bis gestern nicht geschehen. Oberstaatsanwalt Wolfgang Beckstein hat mehrere Personen vernommen. Er will bis zur Wiesn entscheiden, ob und gegen wen er ermitteln will.

David Costanzo

Quelle: Oktoberfest live

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