Gewalt in Laufener Jugendgefängnis vor Gericht

"Sex-Straftäter werden in Haft zur Zielscheibe": Mitgefangene verurteilt

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Laufen - Sie fanden heraus, dass ein Mithäftling wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger einsaß - dann setzte es Faustschläge ins Gesicht: Fünf Gefangene der Laufener Jugend-JVA wurden nun erneut verurteilt.

"Es macht einen Unterschied, wenn man wegen einer Sexualstraftat im Gefängnis sitzt", rechtfertigte sich der Hauptangeklagte gegenüber der Polizei - am Donnerstag stand er mit vier weiteren Insassen des Laufener Jugendgefängnisses vor dem Amtsgericht. Einer wurde von den Vorwürfen freigesprochen, die bestehenden Haftstrafen der vier anderen jungen Männer wurden verlängert. Sechs Monate mehr muss der Hauptangeklagte nun im Gefängnis bleiben. Er prügelte auf den Geschädigten mit der Faust ein.

Richter: "Ziel war die Stigmatisierung des Mitgefangenen"

Was war passiert? In der JVA Laufen kursierten Gerüchte, einer der Häftlinge sei wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt worden. Ausgerechnet die Cousine eines Laufener Häftlings soll das Opfer gewesen sein. Also klaute man am 18. Dezember 2018 Unterlagen, die den Verdacht bestätigten. "Ziel war die Stigmatisierung des Mitgefangenen", so Richter Winfried Köpnick. Kurz darauf begann das Mobbing und dem Geschädigten wurde ins Gesicht gespuckt

Als "Höhepunkt" wurde der Mithäftling vom Hauptangeklagten durch Faustschläge ins Gesicht traktiert. Dem Gericht lag ein Überwachungsvideo aus dem Gefängnis vor, das das Geschehen genau zeigt. "Der Geschädigte wirkt danach richtig damisch", so Richter Köpnick. Er litt später an Kopfschmerzen, hatte Probleme beim Essen und Hämatome an den Wangen. Zu Brüchen kam es nicht. "Die Rolle in Haft als Sexualstraftäter ist unangenehm. Man wird zur Zielscheibe", schätzte es der Richter ein.

Jüngster Angeklagter war erst 16 Jahre alt

Alle Angeklagten waren im Wesentlichen geständig. Der jüngste von ihnen, verurteilt wegen Anstiftung, war zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt. Alle waren früher mit Trennungen im Elternhaus und Drogen konfrontiert. Der Hauptangeklagte sitzt eigentlich ein, weil er einen Laden überfiel. Zu zweieinhalb Jahren Haft wurde er dafür verurteilt. Das Laufener Amtsgericht legte jetzt sechs Monate drauf - im aktuellen Fall wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und Beleidigung

Die Haftstrafen der drei anderen Verurteilten Insassen verlängern sich um zwei Monate wegen Beihilfe, um vier Monate wegen gefährlicher Körperverletzung und um fünf Monate wegen Anstiftung. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Auch durch das Video wurde nicht deutlich, dass er den Mithäftling festhielt, damit ihn der Hauptangeklagte verprügeln konnte. 

xe

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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