Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen

Kettenaufgabe zum Frühstück

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Elias und Johannes (rechts) sind zwei Buben mit besonderen Fähigkeiten. In der neuen Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal werden sie individuell gefördert.

Oberaudorf - Wieviel ist 18 plus 53 minus 17 plus 12 minus 2 minus 63? Es kann gut sein, dass Johannes schon beim Frühstück seine Mama mit einer langen Kettenaufgabe auf die Probe stellt.

Der Erstklässler hat eine Leidenschaft: Rechnen. Das kann er so gut, dass er inzwischen Aufgaben der dritten Grundschulklasse mühelos löst. Auch der neunjährige Elias ist ein überdurchschnittlich intelligentes Kind, nachgewiesenermaßen hochbegabt. Für beide Buben stellt die Private Grundschule Oberaudorf-Inntal durch ihr jahrgangsgemischtes Konzept eine Alternative zum Regelschulsystem dar. Denn: Außergewöhnliche Fähigkeiten können faszinieren - und schockieren.

Hochbegabte ebenso wie überdurchschnittlich intelligente Kinder sind eher selten an hervorragenden Schulnoten zu erkennen. So war es auch bei Elias: Schon eine Woche nach Schulstart ist zu erkennen, dass es mit seiner Motivation steil bergab geht. Auch seine Lehrerin versucht alles, um Elias für das Lernen zu begeistern. Doch der Bub verweigert zusehends die Teilnahme am Unterricht, gibt bei Proben schon mal leere Blätter ab. Die Noten rauschen in den Keller. Schule wird zum Albtraum, vor allem die Hausaufgaben. Eltern wie Lehrer geraten an manchen Tagen an ihre Belastungsgrenze. "Unsere Kinderärztin hat uns empfohlen, Elias testen zu lassen", erinnert sich seine Mama. Der wissenschaftlich anerkannte Intelligenztest beweist: Elias ist hochbegabt. Die Eltern sind zunächst fassungslos, heißt dies doch, dass ihr Sohn "anders" ist und sich möglicherweise schwer im deutschen Bildungswesen zurechtfinden wird.

Sie wenden sich in ihrer Not an den Verein "Hochbegabtenförderung" aus München und lassen sich dort beraten, gleichzeitig nimmt die Private Grundschule Oberaudorf-Inntal, der die Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" der OVB-Heimatzeitungen gewidmet ist, immer mehr Konturen an.

Die deutschlandweit einzigartige Schule in Niederaudorf (Gemeinde Oberaudorf) ist im September 2013 eröffnet worden. Sie geht auf eine nachhaltige Elterninitiative zurück. Kinder mit Behinderungen oder Förderbedarf werden dort zusammen mit Schülern ohne Förderbedarf in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet. Die volle Förderung gibt es für die Schule aber erst im dritten Jahr - die Lücke soll durch die OVB-Aktion geschlossen werden.

Doch der Wechsel von der dörflichen Grundschule hin zur neuen Inklusionsschule nach Niederaudorf bedeutet für Elias auch Abschied nehmen von den lieb gewonnenen Freunden, vom vertrauten Umfeld. Dennoch entschließen sich die Eltern zu diesem Schritt - und haben es bisher nicht bereut. Elias gehe mit Begeisterung in die Schule, ausführliche Elterngespräche mit dem Lehrerteam hätten gezeigt, dass er sich bisher rege am Unterricht beteilige und eigenverantwortlich und motiviert ist. Was aus ihrem Sohn wohl werden wird, darüber zerbrechen sich die Eltern momentan nicht mehr den Kopf. Mama Susanne: "Elias soll glücklich sein - und das ist er in dieser neuen Schule!" Erst vor kurzem äußerte Elias, dass "sein Leben toll ist!"

Als "glückliche Fügung" bezeichnet auch Kathrin Weiß den Umstand, dass die neue Inklusionsschule ausgerechnet zum Zeitpunkt der Einschulung ihres Sohnes Johannes eröffnet worden sei. "Das war wie ein Angebot auf dem Präsentierteller", erinnert sie sich. Johannes, der immer als der Kleine belächelt worden sei, blühe in Niederaudorf "total auf" - und das nach einem Acht-Stunden-Tag in Niederaudorf. Der Stundenplan sei so attraktiv gestaltet, dass Johannes genug Zeit zum Lernen, Spielen, Sport treiben, genug Zeit für sich und seine neuen Freundschaften hat. Entspannt und fröhlich komme der Bub aus der Schule nach Hause. Johannes' außerordentliche Fähigkeiten im Rechnen will Kathrin Weiß "nicht überbewerten", meint sie bescheiden. Für sie zählt vor allem die soziale Prägung, die in der Privaten Grundschule Oberaudorf-Inntal durch das Miteinander von behinderten und nicht-behinderten Schülern so faszinierend ist. Zusammen mit ihrem Mann habe sie sich entschlossen, ihrem Sohn noch vier notenfreie Jahre und diese außergewöhnliche Gemeinschaft mit diesem anderen Schwerpunkt zu gönnen. Und so löst sie die Kettenaufgaben am frühen Morgen gerne. Zum Abschied ruft Johannes pfiffig: "Das Ergebnis der Rechenaufgabe ist übrigens eins!"

Eva-Maria Gruber (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

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