Verhaltensforscher erklärt Situation

SEK-Einsatz auf Balkonien: Mann drohte Arzt

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Polizeibeamte führen den psychisch labilen Mann ab. Er wurde in eine Fachklinik gebracht
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Wasserburg – Nach dem SEK-Einsatz am Marienplatz und dem Inndamm reißen die Diskussionen nicht ab. Ein psychisch labiler Mann stellte sich nach einem Gespräch mit einem Polizisten den Beamten.

Was genau in dem Mann vorging, der am Freitagmittag in einer Wohnung am Marienplatz ausgerastet und in einem Telefonat einen Arzt bedroht haben soll, ist noch unklar.

Nach dem Einsatz erklärten einige Passanten, dass sie im Vorfeld mitbekommen hätten, dass der Mann am Freitag wegen seines unangemeldeten oder falsch geparkten Autos Besuch von der Polizei bekam und deshalb die Situation eskaliert sein könnte. 

Ein klares Nein kam jetzt von der Polizei diesbezüglich. Es sei schlichtweg Zufall gewesen, dass es auch Probleme mit dem Auto des Mannes gegeben hatte. Der SEK-Einsatz sei definitiv die Folge gewesen, dass der Mann andere bedroht hatte und in seiner Wohnung Radau machte.

Angespannte Situation: Ein Mann aus Wasserburg hat sich nach einigen Stunden von der Polizei festnehmen lassen

Zunächst noch in der Wohnung, später auf der hinteren Innseite kam es zu Situationen, die glücklicherweise keine Verletzten zur Folge hatten. Der Mann soll Gegenstände aus der Wohnung geworfen haben und anschließend aus der Wohnung auf Vordächer und Balkone geklettert sein.

Zahlreiche Polizeibeamte haben den Mann zur Vernunft bringen wollen. Einem Beamten gelang ein gut verlaufendes Gespräch, wie Augenzeugen erzählten. „Er hat es geschafft, dass sich der Mann dann gestellt hat und die Aktion zu Ende brachte“, berichtet Edgar Neulinger, der zufällig alles mitbekommen hat und sich für das Geschehen sehr interessierte.

Was geht da vor?

Klares Denken in angespannten Situationen ist oftmals nur bedingt möglich, heißt es von Verhaltensforscher Prof. Dr. Bernhard Widmeier im Gespräch mit wasserburg24.de. „Sie müssen sich das so vorstellen, als würden Sie alles, was um sie herum passiert, einfach ausblenden und ihre eigene Welt erleben“, so Widmeier. Man hätte es als Psychologe oder Polizist dann oft nicht leicht, sich mit dem Betroffenen in Verbindung zu setzen und die verfahrene Situation zu lösen, so der Professor, der im Salzburger Land zahlreiche Untersuchungen zum Verhalten von psychisch labilen Menschen erarbeitet hat. „Wenn die Betroffenen sich immer weiter in eine Situation hineinsteigern und das Empfinden zur Außenwelt unrealistisch ausartet, dann wird es Zeit, mit großer Vorsicht die Situation zu beenden“, so Prof. Dr. Widmeier weiter.

Die Schilderungen des SEK-Einsatzes und der angenommene Verlauf über einige Stunden lasse vermuten, dass derjenige Beamte, der sich dann im Gespräch mit dem Mann wohl sehr einfühlend und dennoch sachlich gezeigt habe, den besonderen Draht gefunden haben muss, an die Vernunft des Mannes zu appellieren.

Alles Erfahrungssache?

„Polizeibeamte lernen während der fundierten Ausbildung zwar, sich auf zahlreiche Situationen einzulassen, doch jeder Einsatz ist anders, da geht nichts aus dem Lehrbuch, da ist Erfahrung und auch viel Verständnis gefragt“, betont der Verhaltensforscher.

Wenn Menschen, wie der 48-jährige Mann aus Wasserburg sich selbst oder andere in Gefahr bringen könnten, sei ruhiges Handeln und zugleich Beobachtung über mögliches Tun erforderlich. „Der Mann ist ja auf Vordächern und Balkone herumspaziert, das erweitert das Ausmaß der Gefahr für alle Beteiligten, weil man ganz und gar nicht weiß, in welchem Radius der Betroffene sich bewegt und was als Nächstes passiert“, erläutert Widmeier auf Nachfrage von wasserburg24.de.

Der Wasserburger hat sich nach einigen Stunden auf ein Gespräch mit einem Polizisten eingelassen und sich schließlich den Beamten gestellt. Er wurde in eine Fachklinik gebracht, gilt als psychisch labil. Der Einsatz kam zustande, weil ein Arzt von dem Mann während eines Telefonats bedroht wurde.

Quelle: rosenheim24.de

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