Abschiebung: Mary durfte nur einen Koffer packen

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Die Polizei hat am Donnerstagmorgen eine 34-jährige Asylbewerberin aus Nigeria von der Unterkunft in Wasserburg abgeholt und tschechischen Behörden übergeben. Es war die erste Abschiebung aus dem Stadtgebiet Wasserburg.
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Wasserburg – Erst seit Oktober 2014 wohnte Mary in Wasserburg. Am Donnerstag wurde sie von der Polizei geholt und nach Tschechien abgeschoben. Jetzt erzählt eine Ehrenamtliche darüber.

Die 34-jährige Mary wurde abgeschoben. Sie war in einem Haus in der Äußeren Lohe in Wasserburg untergebracht. Erstmals, seitdem Asylbewerber im Stadtgebiet Wasserburg sind, kam es dazu.

Karin Friedrich kümmert sich ehrenamtlich um die aus Nigeria stammenden Menschen in der Unterkunft. „Ich bin so was wie die Hausmama geworden“ lächelt Friedrich. Es mache große Freude, zu sehen, wie engagiert die Asylbewerber sich integrieren wollen, Deutsch lernen und die Umgebung kennenlernen. Insgesamt 31 Menschen wohnten in dem Gebäude, darunter acht Kinder. Jetzt sind es nur noch 30 Personen.

Die Abschiebung hat die Hausgemeinschaft verunsichert, weitere Personen haben, wie auch die abgeschobene Mary, eine Mitteilung bekommen. Während die anderen betroffenen Menschen einen Anwalt zu Rate gezogen hatten, hat Mary diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen, die Ankündigung der Abschiebung vor den anderen scheinbar verheimlicht. Auch vor den Helfern. 

Ablauf der Abschiebung 

Mary habe schnell Deutsch gelernt und sich sehr bemüht, sich in den Alltag in Wasserburg zu integrieren, zeigte großes Interesse an einer Arbeitsmöglichkeit in nächster Zukunft. Doch diese Pläne sind jetzt vom Tisch. Die Polizei kam am Donnerstagmorgen ins Haus. Karin Friedrich hatte gerade zwei Kinder von dortigen Familien in den Kindergarten gebracht, als sie darüber informiert wurde, dass die Polizei Mary mitgenommen hat. „Sie durfte nur einen Koffer mitnehmen, viele ihrer Sachen sind noch da“, erzählt Friedrich im Gespräch mit wasserburg24.de. 

Die Ehrenamtliche erklärt, dass Mary viele Kleidungsstücke und Utensilien, die sie selbst erstanden habe, zurücklassen musste, sich auf den Inhalt einen Koffers beschränken musste.

„Zunächst wussten wir auch gar nicht, wo sie hinkommen wird“, so Friedrich. Die anderen Bewohner im Haus erzählten ihr, dass die Polizei ihr nur kurz Zeit gelassen habe, um einige Sachen zu packen. Dann kam es zu der knappen Information, Mary werde an die Tschechische Grenze gebracht, dort Bundespolizisten übergeben. „Ich habe mich mittlerweile bei der Polizei erkundigen können, mir wurde erklärt, dass Mary wohl zunächst in die Nähe von Bad Gottleuba gebracht wurde, am Freitagnachmittag wurde sie dann den tschechischen Behörden übergeben“. Mehr wisse man jetzt nicht, auch nicht, wo in Tschechien sie jetzt untergebracht werde. 

Zu wenig Menschenwürde? 

Karin Friedrich hat das Ereignis sehr bewegt. „Es heißt immer, die Würde des Menschen ist unantastbar, aber dass Mary jetzt nicht einmal ihre ohnehin wenigen Utensilien und Kleidungsstücke komplett mitnehmen durfte und sich auf das Minimum an Gepäck beschränken musste, ist für mich nicht verständlich“, so Friedrich. 

„Wie soll Mary so in Tschechien zurechtkommen?“. Es sei eine Reise ins Ungewisse für die junge Frau, emotional sicher sehr schwierig. Ihre Mitbewohner, die Ehrenamtlichen, ihr Freund, keiner weiß genau, was aus Mary wird, wie es ihr momentan ergeht und wo sie letztendlich hinkommen werde. Weiterer Kontakt zu Mary werde sich schwierig gestalten, heißt es von Karin Friedrich weiter. 

Polizei und Landratsamt geben keine Auskunft 

Wie läuft die Durchführung einer Abschiebung ab? Wie ergeht es den Polizisten, die dann mit einer Person hunderte Kilometer bis zur nächsten Übergabe an weitere Polizisten oder die Behörden fahren? All das hätten wir gerne erfahren. „Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben“ erklärte jedoch Jürgen Thalmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd gegenüber wasserburg24.de. Thalmeier verwies auf das Landratsamt. Nachgefragt bei Pressesprecher Michael Fischer hieß: „Im zuständigen Ausländeramt hier bei uns im Landratsamt ist momentan niemand im Haus, die Entscheidung über eine Abschiebung trifft jedoch nicht der Landkreis, sondern das Bundesamt für Migration“. Fischer bittet um Verständnis, dass sich der Verantwortliche des Ausländeramtes erst Anfang bis Mitte nächster Woche dazu äußern könne. 

Die 34-jährige Mary ist scheinbar in Tschechien angekommen, gilt vermutlich dort nun als Asylbewerberin. Der Ablauf, die Durchführung der Abschiebung von Mary war der erste Fall im Stadtgebiet Wasserburg. Die ehrenamtlichen Helfer haben zu den Asylbewerbern oft emotionale Verbindungen aufgebaut, für die Mitbewohner und die Ehrenamtlichen ist dieser zügige „Abschied für immer“ nicht leicht.  Doch er könnte auch weiterhin den Alltag bestimmen, sind sich auch die Helfer im Klaren.

Quelle: rosenheim24.de

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