Vor dem Amtsgericht Traunstein

Prozess um Krawalle in Waldkraiburg - Urteil verkündet 

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von links: Die Verteidigerin, die Angeklagte und eine Übersetzerin.
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Waldkraiburg - Nach den Krawallen in der Asylunterkunft an der Aussiger Straße wird sich nun eine aus Nigeria stammende Frau am Donnerstag, den 29. November vor dem Amtsgericht Traunstein verantworten müssen. 

Update, 11.15 Uhr: Plädoyers und Urteil

Die Staatsanwältin beantragt einen Schuldspruch nach Anklage. "Zu ihren Gunsten spricht, dass sie bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist und sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft befindet." Man müsse die Umstände mit den Kühlschränken bedenken. "Dass man darüber, dass plötzlich alle Kühlschränke weggenommen werden und es gar keine Kühlmöglichkeiten mehr gibt zum Kühlen verärgert ist, ist verständlich."

Allerdings sei die Angeklagte laut der Aussage des Anstaldsleiters die Erste gewesen, die für Unruhe gesorgt habe. Sie habe sich dabei besonders hartnäckig gezeigt und auch den Unterkunftsleiter bedroht. Deshalb halte sie eine Haftstrafe von 11 Monaten für angemessen. Bedeutend sei, dass die Angeklagte der Agressor bei den Tumulten in Waldkraiburg gewesen sei. Sie glaube, dass eine Aussetzung zur Bewährung angemessen sei, da davon auszugehen sei, dass die Angeklagte nicht zuvor straffällig geworden sei, das Unrecht ihrer Tat eingesehen habe und nicht erneut straffällig würde.

"Man kann meiner Mandantin ansehen, dass sie ihre Taten bereut", erklärt die Verteidigerin. Sie bittet das umfassende Geständnis zu berücksichtigen. "Es ist davon auszugehen, dass das Verfahren heute und die Untersuchungshaft ausreichend waren, zu einer Einsicht bei meiner Mandantin zu führen."

"Es tut mir leid was geschehen ist und ich bitte um Vergebung. Es wird nicht wieder passieren", versichert die Angeklagte durch ihre Übersetzerin.

Das Gericht spricht die Angeklagte in allen Angeklagepunkten schuldig. Es verhängt eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Angeklagte zahlt die Kosten des Verfahrens. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Der Richter geht noch einmal die Geschehnisse des 6. Juni durch. "Ob die Entfernung des Kühlschranks sinnvoll war oder nicht, darüber kann man streiten. Das Gericht ist der Ansicht, dass es nicht sinnvoll ist, sondern sie natürlich die Möglichkeit haben müssen, Lebensmittel zu kühlen." Sie hätte sich aber auf dem üblichen Weg dagegen beschweren und eventuell den Rechtsweg beschreiten müssen. "Es steht ihnen nicht zu, mit Gewalt vorzugehen und schon gar nicht, den Leiter der Unterkunft mit einer Waffe zu bedrohen, der nur die Weisungen der Regierung von Oberbayern ausführte und eigentlich sogar auf ihrer Seite stand. Da haben sie den Falschen erwischt."

Die Maßnahme sei vorher angekündigt gewesen. Sie habe daher den Verlust ihrer Lebensmittel verhindern können. Überall sonst sei die Maßnahme problemlos von Statten gegangen, nur nicht bei ihr. "Daher geht das Gericht davon aus, dass sie von Anfang an auf Konfrontation und Randale aus waren."

Die Polizei habe mit der Ingewahrsamnahme eine rechtmäßige Diensthandlung vorgenommen, was auch für die Angeklagte hätte ersichtlich sein müssen. Das Entgegenkommen, dass ihr zunächst keine Handschellen angelegt worden seien, habe sie nicht genutzt. "Stattdessen haben sie die Menge aufgestachelt, indem sie versuchten, den Polizeikorridor zu durchbrechen, Personen zu ergreifen und die Menge anzustacheln." Aus ihrem ganzen Verhalten sei ersichtlich, dass es darauf ankam, die Agression der Personen zu steigern und gegen die Polizisten loszugehen, was dann auch passiert sei. "Allerdings wird man ihnen diese einzelnen Aktionen nicht unmittelbar zuweisen können, da nicht nachweisbar ist, dass diese Personen sie wahrgenommen haben." Trotzdem seien ihre Taten strafbar, sie habe sich des aufwieglerischen Landfriedensbruches schuldig gemacht. "Ihr Wille, dass es zu Aktionen kommen sollte und die Masse aufstehen sollte, ist aus ihrem Verhalten klar ersichtlich." Sie habe ein Riesenglück gehabt, dass keiner der Beamten ernsthaft verletzt worden sei. "Es hätte zu Toten und Verletzten kommen können!"

Weil sie bisher nicht vorbestraft sei, sei eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 10 Euro angemessen. Der Anlass für den Widerstand sei nachvollziehbar, aber das Verhalten nicht hinnehmbar. Es sei durch sie kein allzu großer Sachschaden entstanden. Auch hierfür sei eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 10 Euro angemessen. Massiv sei der Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

"Sie haben ihr Heimatland auf der Suche nach einem besseren Leben verlassen, haben zunächst in Italien gelebt und dann illegal nach Deutschland eingereist." Asylgründe seien nicht ersichtlich, sie habe es zudem erst nach Ablehnung ihrer Arbeitserlaubnis beantragt. "Wenn jemand das Gastrecht bei uns beansprucht, dann ist zu erwarten, dass so jemand auch die Gesetze und Vorschriften dort würdigt. Gegen das Gastrecht haben sie massiv verstoßen. Es ist absolut nicht hinnehmbar, das sie deutsche Vollzugsbeamte attackieren und eine Menschenmasse gegen sie aufstacheln und gegen den deutschen Staat aufzustehen." Die unsicheren Bedienungen in ihrer Heimat mögen ein Grund gewesen sein, ihre Heimat zu verlassen. "Das dort Gangs und Warlords herrschen und der Staat von Korruption beherrscht wird." Doch genau solche Zustände wolle man in Deutschland nicht, weshalb man sich hier an die Gesetze halte. "Wenn sie das nicht tun, dann müssen sie sehen, dass der Staat Reaktionsmöglichkeiten hat und notfalls hart gegen Rechtsbrecher vorgeht." Ein erste Stufe davon habe sie schon gesehen, da sie sich seit fünf Monaten und 21 Tagen in Untersuchungshaft befand.

Insgesamt werde eine Freiheitsstrafe von elf Monaten verhängt, die Bewährung erfolge "unter großen Bedenken". Dies geschehe, da davon ausgegangen werde, dass sie das Urteil zur Warnung nehme. "Diese Prognose ist mit großen Fragezeichen zu sehen." Sie verfüge über keine nennenswerten sozialen Kontakte. Dies sei natürlich als Flüchtling schwierig. "Aber offensichtlich verhalten sie sich hier, wie in Italien sehr behäbig und erwarten, dass der Staat alles an sie heranträgt." Sie sei beispielsweise zum Erlernen der Sprache nur bereit, wenn dies an sie herangetragen werde und zeige wenig Eigeninitiative. Auch der illegale Eintritt nach Deutschland spräche gegen eine günstige Sozialprognose. "Sie hatten Aufenthaltsrecht in Italien und sind trotzdem hier eingereist. Wenn das schon so ist, hätten sie sich wenigstens an unsere Gesetze halten können."

Für die Bewährung spräche, dass nicht die gesamte Strafe zur Bewährung ausgesetzt würde, da sie bereits fast ein halbes Jahr in Untersuchungshaft befunden habe. "Weil auch die Staatsanwaltschaft meint, man sollte ihnen nochmal eine Chance bekommen, sollen sie die erhalten." Doch im Fall einer erneuten Straffälligkeit müsste sie auch diese Strafe verbüßen.

Update, 10.50 Uhr: Polizist: "Dann ist die Lage explodiert"

Nun sagt ein Polizeibeamter aus. Er sei wegen Problemen mit einem Bewohner zu der Asylunterkunft gerufen worden. Da es schon zuvor an diesem Tag dort Probleme gegeben habe, seien sie mit Unterstützungskräften angerückt. Vor Ort sei ihnen erklärt worden, dass die Angeklagte randaliert habe und auch andere Asylsuchende animiert habe, sich erbost zu zeigen. "Aufgrund dieser Taten und weil sie als Aufwieglerin erschien, entschlossen wir uns, sie auf die Inspektion zu bringen." Er bestätigt die Angaben der Anklage zum weiteren Geschehen. "Als wir dann die Angeklagte wegbringen wollten, ist die Situation explodiert." Obwohl schon fünf Polizeistreifen vor Ort gewesen seien, seien sie massiv angegangen worden, indem beispielsweise Gegenstände auf sie geworfen und sie auch sonst angegangen worden seien. Auch aus dem gesamten Gebäude seien Gegenstände geworfen worden.

Sie hätten sich zurückgezogen, da sie keine Schutzausrüstung dabeigehabt hätten. "Wir können von Glück reden, dass alle gesund herausgekommen sind." Der Richter will wissen, ob es nach diesem Vorfall auch Konsequenzen für das Vorgehen der Polizei in solchen Fällen gäbe. "Natürlich ist das nun in unsere Einsatzpläne eingegangen. Allerdings kann sowas auch ganz normal laufen, ohne Probleme. Darin, dass das an diesem Tag so explodiert ist, lag möglicherweise an verschiedenen Dingen, wie beispielsweise dem Konflikt mit den Kühlschränken und der enormen Hitze." Er könnte sich auch vorstellen, dass die massive Polizeipräsenz ein Grund gewesen war. Die Zahl de eingesetzten Beamten sei in jedem Fall mehr als ausreichend gewesen. Es sei auch Pfefferspray zum Einsatz gekommen.

Auf Nachfrage der Staatsanwältin bestätigt der Beamte, dass die Lage friedlich gewesen sei, bis sich die Angeklagte losriss und zu den anderen Bewohnern stürzte.

Danach sagt der Leiter der Unterkunft aus. Er berichtet davon, wie an diesem Tag die Kühlschränke entfernt wurden. Bis sie zu dem Zimmer der Angeklagten kamen, sei die Entfernung der Kühlschränke "absolut geräuschlos" abgelaufen. Er sei verständigt worden, dass sie sich massiv dagegen gewehrt habe. Bei der Konfrontation in ihrem Zimmer habe sie sich wiederholt bedrohlich verhalten. Er habe keine ausholende Bewegung mit der Schere wahrgenommen, habe sich aber aus dem möglichen Bereich eines Scherenstichs entfernen müssen.

Schließlich habe der Kühlschrank entfernt werden können. Dabei sei auch ihr Freund dabei gewesen, der beruhigend auf sie eingeredet habe. Danach habe die Angeklagte ihn weiter verfolgt und immer wieder an seinem Hemd gezogen und versucht, ihn festzuhalten. Er habe sie wiederholt aufgefordert, ihn loszulassen. Dieser Aufforderung sei sie nicht gefolgt. Sie habe ihn schließlich losgelassen, woraufhin er sich in sein Büro begeben habe. Sie habe danach noch wiederholt um ein Gespräch gebeten.

Er könne nicht mehr nachvollziehen, wer dann die Polizei geholt habe. Die Angeklagte habe sich dann beruhigt, nachdem die Polizei am Vormittag eintraf. Daraufhin sei die Entfernung der Kühlschränke weiter durchgeführt worden. Gegen Mittag sei, in Rücksprache mit Zuständigen der Regierung von Oberbayern, die Möglichkeit entstanden, dass die Angeklagte am nächsten Tag mit einem Transfer die Einrichtung verlassen könnte. Deshalb sei sie dann auf die Liste aufgenommen worden.

Er habe dann die Einrichtung verlassen. Am Nachmittag habe er dann von den Vorfällen telefonisch erfahren.

Auf Nachfrage des Richters erklärt der Unterkunftsleiter, die Kühlschränke seien von Anfang an in den Zimmern der Einrichtung vorhanden gewesen. Es habe etwa 300 Kühlschränke gegeben. "Sie sollten weggebracht werden, weil die Regierung nach einer Erwähnung in einem Dienstbericht des Sicherheitsdienstes der Ansicht war, dass diese Kühlschränke dort nichts zu suchen hätten."

Früher hätten in den Zimmern Umschüler des BFZ Peters gewohnt. "Warum sollten die Asylbewerber dann keine Kühlschränke mehr kriegen, wenn die Umschüler davor haben durften?" Der Leiter erklärt, es seien brandschutztechnische Gründe dafür angegeben worden. Auf Nachfrage des Richters erklärt er, es habe keine Brandereignisse durch die Kühlschränke gegeben. "Der Stromverbrauch war auch nicht erheblich."

Eine andere Möglichkeit zur Kühlung von Lebensmitteln habe es nicht gegeben, erklärt der Leiter auf Nachfrage des Richters. "Die Regierung von Oberbayern stellt sich auf die Position, dass eine Kühlung von Lebensmitteln für Asylbewerbern nicht notwendig ist, da sie eine Vollverpflegung erhalten. Und da die Regierung von Oberbayern in ihrer Hausordnung festgelegt hat, dass leicht verderbliche Lebensmittel nicht zulässig sind."

Auf den Einwand, dass es Kühlmöglichkeiten für Medikamente, Milch für Kinder und Ähnliches brauchen könnte, sei die Regierung nicht eingegangen. Der Leiter erklärt, es habe Mütter mit Kind gegeben, diese hätten somit keine Möglichkeit mehr, Milch für ihre Kinder zu kühlen.

Weitere Zeugen werden nicht gehört. Es folgen die Plädoyers.

Update, 10.35 Uhr: Angeklagte gesteht nach Widersprüchen

Sie habe gerade ihre Haare gemacht, als die Sicherheitsmitarbeiter kamen und habe deshalb eine Schere in der Hand gehalten. Als ihr mitgeteilt worden sei, dass der Kühlschrank geholt werden sollte, habe sie sich dem verweigert. Sie gesteht, dass sie den Kühlschrank umgeworfen und sich darauf gesetzt habe. Sie habe aber den Unterkunftsleiter nicht bedroht, sondern nur die Schere in der Hand behalten. Sie gesteht aber, den Leiter festgehalten und auch beschimpft zu haben.

Beim Versuch den Kühlschrank zu entfernen, sei ihr Essen heruntergefallen, worüber sie sich beschwert habe. Als sie die Transferliste gesehen habe, hätte sie das geärgert, da sich auf einer früheren Liste ihr Name noch nicht befunden habe. Daher habe sie nur diese verbrannt.

Am Nachmittag sei dann die Polizei gerufen worden und sie sei den Beamten in das Büro gebracht worden. Sie sei mit der Verbringung auf das Revier einverstanden gewesen. Sie habe versucht den anderen Bewohnern zu sagen, dass diese ihren Freund anrufen sollten, da sie nicht gewusst habe, was als nächstes geschehen würde. Ihr Freund habe sie dann festgehalten und an ihr gezerrt, damit sie nicht mit den Beamten mitginge. Es sei ein gegenseitiges Zerren entstanden, woraufhin die Polizei ihr Handschellen angelegt habe.

Der Richter stellt fest, dass dies kein Geständnis im Sinne der Anklage darstelle. Damit sei eine Verständigung nicht möglich. "Die wesentlichen Teile werden bestritten." Der Richter schlägt vor, dass sich die Verteidigerin noch einmal mit ihrer Mandantin berät. Dafür ziehen sich diese noch einmal zurück.

Nach nochmaliger Rücksprache gibt sie ein umfassendes Geständnis durch ihre Verteidigerin ab. Es tue ihr Leid, was an diesem Tag geschehen sei und sie bereue es sehr. Sie sitzt im Folgenden mit gefalteten Händen da, den Blick auf den Boden gerichtet.

Der Richter geht daraufhin mit ihr nochmal alle Anklagepunkte durch, sie gesteht, immer wieder leise schluchzend, alle. Auch die Staatsanwältin lässt sich noch einmal versichern, dass die Angeklagte allen Anklagepunkten zustimmt.

Die Staatsanwältin bittet, noch Zeugen zu hören.

Update, 9.55 Uhr: Angeklagte erklärt Einreise nach Deutschland

Sie habe Nigeria verlassen, erklärt die Frau, die Frisörin gelernt hat, nachdem ihre Eltern gestorben seien. Sie berichtet weiter, sie habe ein Kind gehabt, das jedoch vor vier Jahren verstorben sei. Sie habe zunächst drei Jahre in Italien bei einer Freundin gelebt, habe dort aber keine Arbeit und keine Schulausbildung gefunden und sei daher nach Deutschland gegangen. Sie spreche zwar nur Englisch, habe aber vorgehabt in Deutschland Deutsch zu erlernen. Auf Nachfrage des Richters erklärt sie, sie habe mangels Angeboten dort kein Italienisch gelernt. "Das hätten sie auch auf andere Weise, beispielsweise auch über Apps auf ihrem Smartphone lernen können", bemerkt der Richter dazu.

Sie erklärt weiterhin, sie hätte auch mit Sprachkenntnissen keine Aussicht auf einen Beruf in Italien gehabt. Daher habe sie sich zur Auswanderung nach Deutschland entschlossen. "Sie wissen schon, wie viele arbeitslose Frisörinnen es in Deutschland gibt?", bemerkt der Richter dazu. Sie erklärt, sie habe gehofft nach dem Erlernen der Sprache einen Beruf zu erlernen. Nach Deutschland sei sie dann illegal eingereist.

In Deutschland habe sie keine Arbeitserlaubnis erhalten und daraufhin Asyl beantragt. Ein Termin für die Entscheidung für ihren Asylantrag sei ihr nicht bekannt.

Das Gericht unterbreitet vor dem Hintergrund dessen, dass drei Zeugen nicht erscheinen können und ein Fortsetzungstermin unausweichlich erscheint, sich andererseits die Angeklagte aber schon seit fast sechs Monaten in Untersuchungshaft befindet, folgenden Verständigungsvorschlag: Im Fall eines uneingeschränkten Geständnisses kann eine Gesamtfreiheitsstrafe zwischen neun Monaten und einem Jahr in Betracht kommen und die Vollstreckung der Freiheitsstrafe sollte in Anbetracht der verbüßten Untersuchungshaft zur Bewährung ausgesetzt werden. Beschwerende Auflagen oder Weisungen im Bewährungsbeschluss außer der Festsetzung und der dreijährigen Bewährungszeit sollten nicht erteilt werden.

Die Staatsanwaltschaft stimmt dem zu. Die Angeklagte und ihre Verteidigerin stimmen dem ebenfalls grundsätzlich zu, ziehen sich aber zur Beratung zurück.

Update, 9.20 Uhr: Anklageschrift verlesen

Die Anklageschrift wird verlesen. Laut der Staatsanwaltschaft sollte am 6. Juni gegen 9 Uhr auf Anweisung der Regierug von Oberbayern alle Kühlschränke aus den Zimmern der Asylbewerberunterkunft entfernt werden. Zu diesem Zweck hätten sich Mitarbeiter der Unterkunft und des Sicherheitsdienstes von Zimmer zu Zimmer begeben und die Kühlschränke mitgenommen. 

Der Leiter der Unterkunft sei schließlich von Mitarbeitern in das Zimmer der Beschuldigten gerufen worden, da sich diese lautstark gegen die Entfernung des Kühlschranks wehrte. Sie habe die Anwesenden beschimpft, den Kühlschrank umgeworfen und sich darauf gesetzt. Sie habe daraufhin das Zimmer verlassen und sei mit einer Schere zurückgekehrt, mit der sie auf den Unterkunfts-Leiter zugegangen sei um ihn zu bedrohen , um die Entfernung des Kühlschranks zu verhindern. Die Schere konnte ihr jedoch wieder abgenommen werden, bevor sie den Leiter erreichte. Sie habe daraufhin versucht ihn festzuhalten, um so die Entfernung des Kühlschranks zu verhindern. 

Gegen Mittag sei dann auf einer aktuellen Transferliste, die im Eingangsbereich ausgehängt worden war, ihr Name gestanden. Darufhin habe sie sämtliche Zettel von der Infowand gerissen, in einen Mülleimer geworfen und diese vor dem Eingang der Unterkunft entzündet. Am Nachmittag sei dann die Polizei verständigt worden, da sich die Angeklagte nicht beruhigen ließ. Zu diesem Zeitpunkt hätte sich, um die im Eingangsbereich befindliche Beschuldigte, eine Menschenmenge von etwa 50 Unterkunftsbewohnern versammelt. Sie wurde daher in ein Büro verbracht. 

Aufgrund der immer aggressiveren Stimmung und der allgemeinen Unruhe der versammelten Menge, hätten die Polizeibeamten beschlossen, sie in Gewahrsam zu nehmen und in die Polizeiinspektion zu bringen. Zu diesem Zweck sei eine Polizeikette gebildet worden, um sie gefahrlos aus der Unterkunft zu bringen. Die Beamten seien dabei von etwa 20 bis 30 Bewohnern begleitet worden. 

Die Angeklagte war dabei nicht gefesselt, da sie einen friedlichen Eindruck gemacht habe. Als sie das Gebäude verließen, sei sie losgerannt und habe versucht, die anderen Bewohner zu mobilisieren. Sie habe daraufhin mit Gewalt von den anderen Bewohnern getrennt und zwangsweise zum bereitstehenden Dienstfahrzeug gebracht werden müssen. Dagegen habe sie sich gewehrt und versucht, die anderen Bewohner dazu zu bringen, die Beamten aufzuhalten. 

Auch im Polizeiauto habe sie fixiert werden müssen, da sie wild um sich geschlagen habe. Es sei dabei keiner der Polizisten verletzt worden. Unterdessen hätte sich die Menschenmenge noch weiter vergrößert und teils mit Gegenständen wie Mülleimern und Bänken bewaffnet. Wie von der Angeschuldigten beabsichtigt, hätten einzelne Personen versucht, sie zu befreien. Dies sei jedoch misslungen.Nach massivem Einsatz von Gewalt und Pfefferspray gegen die Menge habe die Angeschuldigte abtransportiert werden können.

Der Vorbericht:

Die Staatsanwaltschaft wirft der 24-Jährigen versuchte Nötigung in Tatmehrheit mit Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruch vor.  Anfang Juni hatte die Regierung von Oberbayern verordnet, Kühlschränke aus den Zimmern der Asylbewerber zu entfernen. Die 24-Jährige wehrte sich dagegen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sie habe, unter anderem, einen Mitarbeiter der Unterkunft mit einer Schere bedroht, die ihr aber abgenommen werden konnte. 

Als sie als Folge davon verlegt werden sollte, habe sie erneut randaliert und eine Menschenmenge um sich gesammelt. Als die daraufhin hinzugerufene Polizei sie zur Polizeiinspektion verlegen wollte, habe sie beim Verlassen des Gebäudes versucht, andere Bewohner dazu zu bringen, sie zu befreien. Es kam daraufhin zu gewaltsamen Versuchen, sie wieder zu befreien, die aber von der Polizei hätten verhindert werden können. 

Anderer Beteiligter der Randalen kürzlich vor Gericht

Erst vor kurzem musste sich auch ein junger Mann wegen der Vorfälle vor Gericht verantworten. Er hatte einen Mülleimer geworfen, woraufhin die Situation vollkommen eskaliert war. Vor Gericht gab er an, dass ihm die Tat Leid tue. Ihm sei bewusst gewesen, dass die Frau, die seine wichtigste Bezugsperson gewesen sein soll, umziehen müsse. Er habe den Eimer aus Frust und Verzweiflung genommen und geworfen. 

Polizeieinsatz an der Asylunterkunft Waldkraiburg

Staatsanwalt und Verteidigung waren sich einig, dass bei dem Mann aufgrund seiner Familiengeschichte das Jugendstrafrecht angewendet werden sollte. Dem stimmte auch der Richter zu. Der junge Mann wurde zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt.

Verantwortliche versprechen Verbesserungen

Der massive Polizeieinsatz im Juni sorgte für einige Aufmerksamkeit, auch Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Herrmann kamen in der Folge zu Besuch, um sich ein Bild der Lage vor Ort zu machen. Die Stadt Waldkraiburg, die Regierung von Oberbayern und die Polizei betonen, sie seien seitdem in ständigem Austausch, um die Lage in der Unterkunft zu bessern.Erst kürzlich wurden im Waldkraiburger Stadtrat eine Reihe von Maßnahmen dazu vorgestellt. 

Trotzdem kommt es immer wieder zu Polizeieinsätzen in der umstrittenen Einrichtung. Mitte Oktober bedrohte ein Bewohner einen Security-Mitarbeiter mit einem Buttermesser und Mitte November verursachte ein massiver Streit zweier Bewohner einen Großeinsatz der Polizei. 

Quelle: chiemgau24.de

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