Interview mit "Homeless Kings" aus dem Chiemgau/Salzburger Land

Vom Punkrock-Newcomer zum Headliner heimischer Festivals 

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Die "Homeless Kings", von links: Andi Loipfinger, Josch Gappmaier, Dominik Dell, Erich Winkler. 
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Siegsdorf/Waging/Salzburger Land - Musik wie diese findet sich in den Charts so gut wie nicht - dass man sich dank Gespür und Hingabe aber auch als Punkrock-Band einen Namen in der Region machen kann, beweisen die "Homeless Kings". Wir haben vor ihrem Festival-Auftritt in Tüßling und vor der nächsten Single mit ihnen gesprochen. 

Die einen nennen's Punkrock, die anderen Heavy Metal - man könnte aber auch sagen: ein Sound, der einfach live gespielt und gehört werden muss. Von einem kleinen, grenzüberschreitenden Bandprojekt haben sich die "Homeless Kings" inzwischen zu einer Gruppe gemausert, die abseits des Mainstreams einen Namen hat. Beiderseits der Grenze wohlgemerkt, denn die Bandmitglieder kommen aus Siegsdorf, Waging, Abtenau und St. Martin/Tennengebirge im Salzburger Land. 

Das erste Album ("Broken Queen") 2017, nur ein Jahr nach Bandgründung, die jüngste Single "Hometown" im Mai (siehe Video am Artikelende) und die nächste noch heuer im Spätsommer: Vieles dreht sich bei den "Homeless Kings" derzeit um ein neues Album. Dass man "nebenbei" dann auch noch als Headliner für das Rock-im-Moos-Festival in Tüßling am Samstag, den 13. Juli, gebucht wurde - umso besser. Wir haben Dominik Dell (Lead-Vocals & Guitar, Siegsdorf), Andi Loipfinger (Lead-Guitar, Waging), Josch Gappmaier (Bass & Backing Vocals, St. Martin am Tennengebirge) und Erich Winkler (Drums, Abtenau) zum Interview getroffen. 

Also, nochmal zur Frage, wie würdet Ihr Euren Musikstil beschreiben?

Andi: Ich beschreibe uns immer als Punkrock. Dominik: Man muss nur mit dem Begriff aufpassen, weil man schnell in einer falschen Schublade landet. Andi: Klar, mit dem 80er-Jahre-Straßenpunkrock mit grünem Iro haben wir nichts zu tun. Und auch Hardrock-Einflüsse wurden uns schon zugeschrieben. Verglichen werden wir oft mit Volbeat, aber auch schon mal mit Nickelback.

Welche waren bisher Eure größten Konzerte - und welches war das beste?

Josch: Sicherlich "Im Grünen" in Kirchanschöring oder "Seewärts" in Chieming, wo ungefähr 2000 Leute waren. Aber eins der besten Konzerte, auch wenn nur 350 Leute da waren, war sicher der Support für die "Dead Daisies" im Juni 2017 im Salzburger Rockhouse. Das war auch unser größter Erfolg. Bei einem Festival kommen die Leute ja wegen allen möglichen Bands. 

Und heuer dann erstmals die Headliner beim "Rock im Moos" in Tüßling. Wie kam das zustande? 

Andi: Das war eigentlich reine Mundpropaganda, weil das Rock-im-Moos-Festival heuer neu aufgestellt wird und dann wurde überlegt, wer Headliner werden könnte. Josch: Wir kannten den Veranstalter eigentlich nicht, bis er uns einfach auf Facebook angeschrieben hat. Andi: Wir waren uns dann recht schnell einig. Das wird ein tolles Festival - bunt gemischte Rockmusik auf einem Bauernhof mit gratis Campen.

Die "Homeless Kings" bei einem Auftritt im Baamhakke. 

Dann ist es inzwischen schon nicht mehr so, dass Ihr Euch um die Auftritte selbst kümmern müsst, sondern dass an Euch herangetreten wird? 

Erich: Ja, zumindest dann, wenn es nicht um einen Support für große Bands geht. Josch: Oder wenn wir dabei sind, uns eine Tour zusammenzustellen.

Würdet Ihr sagen, dass Ihr Erfolg habt? 

Dominik: Ja, langsam sind wir ein Begriff. Andi: Finanziell eh nicht, aber wir sind so weit, dass wir angefragt werden, Sachen zu spielen. Oder wir bekommen Videos zugeschickt, in denen die Leute irgendwas Witziges machen und im Hintergrund läuft ein Lied von uns. Dominik: Auch über 12.000 Views bei Youtube auf unsere letzte Single "Hometown" heißt schon bissl was. Zumindest auch in Relation zu unseren älteren Sachen. 

Wie entwickelt sich sowas? Was muss man als lokale Band machen? 

Andi: Am Anfang haben wir alles gespielt, was nur ging. Im Rockhouse haben wir auch mal einen Poetry Slam musikalisch begleitet. Aber dadurch haben wir im Rockhouse Fuß gefasst. Oder auch auf einer Kramperllauf-Aftershow-Party haben wir gespielt. Am Anfang haben wir einfach geschaut, auf die Bühne zu kommen. Rock-Musik passiert einfach live. Zuerst hatten wir am Anfang noch gar nicht genug Lieder, haben aber einfach so viel geprobt, dass wir das hinbekommen haben. Wir versuchen einfach, bodenständig und unkompliziert zu sein.

Euer Programm kommt fast ohne Cover-Songs aus. "Blitzkrieg Bop" oder "We're Not Gonna Take It" wären Beispiele. Eigene Lieder zu spielen, war das immer schon der Plan? 

Dominik: Ja, das war von Anfang an klar. Erich: Mit Covern trägt man kein eigenes Gedankengut weiter, man spielt nur was anderes nach. Andi: Es fühlt sich einfach viel geiler an, wenn man ein ehrliches, positives Feedback auf einen eigenen Song bekommt, wenn das dann gefeiert wird. Auch wenn man ein Lied zum ersten Mal live spielt und schon die Reaktionen merkt. Das vergisst man nicht. 

Ist es kein Nachteil, dass Ihr räumlich so weit auseinander seid, fürs Proben zum Beispiel? Es liegt ja ungefähr eine Autostunde dazwischen.

Andi: Wir haben einen Proberaum in Siegsdorf und einen in Abtenau, treffen uns einmal in der Woche, immer abwechselnd. Vieles von dem, was ausdiskutiert werden muss, läuft dann einfach über Whatsapp oder Telefonkonferenzen. Und wenn wir uns zum Proben treffen, wird das auch ernst genommen. Josch: Das alles geht nur, wenn man auf dem selben Level ist. Aber wir haben dadurch natürlich eine größere Fanbase und ein größeres Einzugsgebiet. 

Spielt Ihr mehr in Österreich oder in Bayern? 

Dominik: Inzwischen ist das ausgeglichen. Durch die Tour waren wir aber zum Beispiel auch schon in Wien, Graz oder in Innsbruck. Und im Salzburger Rockhouse hatten wir schon einige Auftritte, genauso wie wir schon in der Tiki-Bar in Bergen oder in der Festung in Traunstein waren. Aber durch eine Bekannte sind wir auch schon zu einigen Auftritten in der Oberpfalz gekommen. 

Wann kommt Eure nächste Single heraus und um was geht's? 

Josch: Das Lied heißt "Out of Control" und kommt wahrscheinlich im Spätsommer heraus. Der Grundgedanke ist, dass jeder schon mal mit null Motivation daheim saß und sich dann doch aufgerafft hat, auf eine Feier zu gehen und später ist es dann doch noch komplett eskaliert. Lieder in eine solche Richtung hatten wir eigentlich noch nicht. Es soll ein Vorgeschmack aufs Album werden. Das ist eh schon die zweite Single fürs neue Album. Die erste, "Hometown", gibt es ja schon. 

Abgesehen von Proben, Konzerte, Texte schreiben - welche Rolle spielt inzwischen Social Media? 

Dominik: Bei Social Media muss man wirklich präsent sein. In Zeit kann man's nicht rechnen. Josch: Auch ein Facebook- oder Instagram-Post braucht ein Konzept. Man muss sich neue Sachen einfallen lassen, Gewinnspiele, Videos, Texte, Fotos... Erich: In der Summe nimmt Social Media wahrscheinlich so viel Zeit in Anspruch wie das Proben.

Inwieweit verdient man mit so einer Band schon Geld? 

Erich: Die AKM (österreichisches Pendent zur Gema, Anm.) ist ein großer Punkt, über Live-Auftritte und Gagen von Auftritten. Dominik: Mittlerweile kommen wir, im Gegensatz zu früher, bei Null raus. Alles was wir einnehmen, können wir wieder in die Musik investieren - aber wir müssen nichts mehr an eigenem Geld hineinstecken. 

Wie wird man Vorband einer größeren Band, wie von den "Dead Daisies", wie kommt das? 

Erich: Das geht rein übers Management oder über Kontakte, wer wen kennt. Andi: Wir hätten eigentlich gute Kontakte zum Rockhouse und können dort anfragen. Aber meistens können die nicht viel mitreden, sondern das Management der Band macht das alleine. Einen Local Support wollen viele größere Bands auch gar nicht, die haben ihre eigene Vorband dabei. Bei den Dead Daisies konnte das Rockhouse drei Bands im Voraus aussuchen und das Band-Management hat sich dann für eine Vorband entschieden - wir hatten Glück und wurden genommen. 

Für welche Band würdet ihr gerne den Support machen? 

Andi: Gluecifer! Josch: Oder vor den Beatstakes, als die im Rockhouse waren. Andi: Natürlich sind so große Gigs toll, aber auf kleinen Konzerten ist trotzdem oft die Stimmung besser, zum Beispiel damals im Weinmüller in Siegsdorf. 

Danke für das Gespräch.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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