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Kulturerbe

Wässerwiesen in Franken sollen in weltweite Unesco-Liste

Wasserschöpfrad an der Regnitz
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Ein Wasserschöpfrad steht an der Regnitz.

Schon im Mittelalter gab es in Franken ausgeklügelte Bewässerungssysteme. Das Wissen wurde Generation für Generation weitergetragen und soll jetzt weltweit gewürdigt werden. In Zeiten des Klimawandels ist die Technik besonders gefragt.

Nürnberg/Forchheim - Das über Jahrhunderte weitergegebene Wissen über traditionelle Wiesenbewässerung in Franken soll in eine Unesco-Liste aufgenommen werden und so weltweite Würdigung erfahren. Gemeinsam mit sechs weiteren europäischen Ländern mit Bewässerungskultur soll demnächst die Aufnahme in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ beantragt werden, wie die Stadt Nürnberg und das Landratsamt Forchheim mitteilten. Bislang gibt es darauf erst vier Einträge mit deutscher Beteiligung.

Die Wässerwiesen liegen in der Nähe der Flüsse Rednitz, Regnitz und Wiesent in Franken. Schon im Mittelalter behalfen sich Landwirte dort mit Wasserschöpfrädern, ausgeklügelten Grabensystemen und Wehren, um den sandigen, wasserdurchlässigen und nährstoffarmen Boden zu nutzen.

Bereits im vergangenen März nahm die deutsche Unesco-Kommission die „Traditionelle Bewässerung der Wässerwiesen in Franken“ in das bundesweite Verzeichnis zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland auf. Auf einer solchen nationalen Liste zu stehen ist Voraussetzung für eine Aufnahme ins weltweite Verzeichnis.

„Wir sind zuversichtlich, dass alles klappt“, sagte Johannes Mohr vom Landratsamt Forchheim, der das Thema jahrelang mit vorantrieb. Unabhängig davon sei es eine schöne, vier Jahre dauernde Arbeit gewesen, sagte er mit Blick auf die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der anderen Länder. „Wir haben uns kennen und mögen gelernt auf europäischer Ebene“, sagte er. „Das ist doch eigentlich Friedenspolitik, wenn man persönliche Beziehungen aufbaut.“

Mit den Queichwiesen in Rheinland-Pfalz ist eine weitere Bewässerungstradition in Deutschland in dem Antrag vertreten, außerdem beteiligen sich Bewässerungskulturen in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Schweiz, Italien und Österreich. Der Antrag soll bis Ende März bei der Unesco-Zentrale in Paris eingereicht werden. Ob er Erfolg hat, soll Ende 2023 entschieden werden. Über die Aufnahme entscheidet ein Ausschuss der Unesco.

Zwar verschwanden viele Wässerwiesen nach der Industrialisierung und dem Wandel in der Landwirtschaft, als Flächen vergrößert und für Traktoren passierbar gemacht wurden. Doch bewässern etwa bei Forchheim und im Rednitztal bei Nürnberg Landwirte noch heute auf traditionelle Weise ihre Wiesen, um ihre Kühe mit frischem Gras und Heu füttern zu können. Dafür stauen sie in Gräben Wasser auf und lassen das umliegende Gelände gezielt überfluten.

Mehrere Wässergenossenschaften bewahren das Wissen. Diese gingen zum Teil bis ins 14. Jahrhundert zurück, erklärte Mohr. In den Satzungen stehe genau, wer welche Wiese wie lange wässern dürfe.

Im Grunde sei es auch eine ökologische Tradition, sagte er. Wässerwiesen wirken sich laut deutscher Unesco-Kommission positiv auf die Artenvielfalt aus, wie etwa die erfolgreiche Ansiedlung von Störchen zeige. Sie speicherten große Mengen Kohlenstoff, erläuterte Mohr. Außerdem lassen sie die Temperatur in der Umgebung messbar sinken. „Tatsächlich kühlen die Wiesen die im Sommer zunehmend überhitzte Stadt“, sagte Nürnbergs Umweltreferentin Britta Walthelm.

Auf der weltweiten Unesco-Liste werden nicht etwa physische Objekte wie Baudenkmäler gewürdigt, es geht vielmehr um menschliches Wissen, Traditionen, Bräuche oder Techniken. Eine direkte finanzielle Unterstützung ist mit der Aufnahme zwar nicht verbunden, es wird aber die öffentliche Wahrnehmung gefördert. Die Unesco setzt sich zudem dafür ein, dass die Kultur am Leben bleibt und nicht etwa folklorisiert oder museal konserviert wird.

Auf der Liste gibt es rund 530 Einträge. Nur vier davon haben eine deutsche Beteiligung: Idee und Praxis von Genossenschaften, Orgelbau und -musik sowie - gemeinsam mit weiteren Staaten - Falknerei und Blaudruck. Rein nationale Bewerbungen dürfen nur alle zwei Jahre eingereicht werden, multinationale Bewerbungen sind öfter möglich. Neben der traditionellen Bewässerung beteiligt sich Deutschland laut deutscher Unesco-Kommission mit „Glasfertigung“ und „Hebammenwesen“ 2022 voraussichtlich an zwei weiteren internationalen Bewerbungen. dpa

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