Verhandlungsbeginn vor der Jugendkammer am Montag

"16-Jähriger bagatellisiert Geschehnisse"

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Traunstein/Rosenheim - Im Prozess gegen einen Jugendlichen, der mehrfach in Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie aufgefallen ist, haben ein Arzt und ein Betreuer ausgesagt.

UPDATE 16 Uhr

Der 49-jährige Betreuer des Angeklagten meinte am Nachmittag ebenfalls, dass der 16-Jährige die Geschehnisse bagatellisiere. Der Angeschuldigte sei auf ihn das erste Mal zugekommen und habe ihm auf dem PC die kinderpornografischen Bilder gezeigt. Der Betreuer habe daraufhin den Computer zur Polizei gebracht. Danach habe er alles versucht, adäquate Hilfe für ihn zu finden - allerdings ohne Erfolg.

Anschließend wurde die Verhandlung für diesen Tag beendet. Am Mittwoch geht es weiter mit der Vernehmung der Kinder, den Gutachtern und den Plädoyers. Möglicherweise könnte dann auch schon ein Urteil fallen.

UPDATE 15.15 Uhr

Oberarzt Rainer Gerth, in dessen Klinikum der Angeklagte seit Oktober 2014 behandelt wird, machte am Nachmittag seine Aussage. Der 16-Jährige sei zu ihnen gekommen, weil er eine Lehrkraft bedroht habe. "Er hat sich aber schnell in die Abläufe des Klinikums eingefunden." Auffällig sei allerdings gewesen, dass "seine erste Frage war, wer der jüngste Patient auf der Station sei". Beim internen Schulunterricht sei er ruhig und zurückhaltend gewesen.

In der Gesprächstherapie habe er sich aber immer wieder ausgiebig über seine Wünsche und Vorstellungen im Bezug auf sexuelle Handlungen mit Minderjährigen geäußert. "Einigen Mitpatienten war das unangenehm." Er bagatellisiere seine sexuelle Neigung zu Kindern. "Er versuchte, sie auf seine homosexuelle Vorlieben herunter zu brechen." Der 16-Jährige zeige aber Therapiebereitschaft.

UPDATE 13.05 Uhr

Die Eltern und der Bruder des Angeklagten machten mittags ihre Aussagen. Die Mutter schilderte dabei ihre "totale Überforderung" mit ihrem Sohn. "Ich habe alles getan und versucht. Aber es hat alles nichts geholfen." Von Kindesbeinen an sei ihr Sohn anders und schwierig gewesen. Mittlerweile habe sie aber ein gutes Verhältnis zu ihm. "Wir hatten ja nur eine halbe Stunde in der Klinik. Da ist keine Zeit, sich zu streiten", so die Mutter.

UPDATE 11.35 Uhr:

Der Angeklagte machte am Vormittag auch Angaben zu den Vorwürfen gegen ihn. Er bestritt dabei nicht, kinderpornografische Bilder besessen und teilweise auch verschickt zu haben. Allerdings seien es nicht 358 Bilder gewesen, wie in der Anklageschrift angegeben: "Einiges davon war nur ein Backup von meinen Computern. Insgesamt waren es weniger als 80 illegale Bilder." Zudem seien nicht alle Bilder Pornografie. "Einige waren nur Nacktbilder, ohne Handlungen oder Posing."

Dem vorsitzenden Richter Dr. Klaus Weidmann widerstrebte diese Unterscheidung: "Müssen wir uns jetzt mit dem Edathy-Syndrom beschäftigen und bei jedem Bild entscheiden, was Posing ist und was nicht?"

Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs in vier Fällen räumte der Angeklagte weitgehend ein. Allerdings sei dabei nicht immer die Initiative von ihm ausgegangen. "Aus pubertärer Neugier wollte der Zwölfjährige etwas ausprobieren." So sei es zu dem Oralverkehr gekommen: "Er wollte das auch."

Der Fall mit dem neunjährigen Jungen, dem er drei Euro gegeben haben soll, um dann sein Glied anzufassen, stimme nicht. "Ich habe ihm das Geld gegeben, um ein Foto von seinem Intimbereich machen zu dürfen. Ich habe ihn nicht angefasst."

UPDATE 10.30 Uhr:

Der 16 Jahre alte Angeklagte machte am Vormittag freiwillig ausführliche Angaben zu seiner Vorgeschichte: Er habe eine "normale" Kindheit verlebt. Mit acht Jahren sei er allerdings in ein Kinderheim gekommen. "Wegen meinem Autismus und meinen schulischen Problemen."

Nach fünf Jahren sei er wieder rausgekommen und auf die Volksschule gegangen. Während er die achte Klasse besuchte, sei "das mit dem Zwölfjährigen bekannt geworden." Es folgten mehrere Klinikaufenthalte bis er dann auf der Berufsschule landete: "Gleich zu Beginn gab es da eine Klassenfahrt, auf die ich aber nicht mit durfte, weil auch Grundschüler dabei waren. Ich habe auch angeboten, mich den Kindern nicht zu nähern." Aber die Lehrerin habe ihn nicht mitnehmen wollen. "Ich habe zu ihr gesagt, dass wegen Lehrern wie ihr an anderen Schulen Amok-Alarm ausgelöst wird."

Die Lehrerin rief daraufhin die Polizei und er landete wieder in der Klinik. Auch dort wurde er bereits von einem Mitpatienten wegen sexueller Belästigung angezeigt: "Da ist aber nichts dran. Er wollte damit nur erreichen, dass ich länger in der Klinik bleiben muss."

rosenheim24.de ist vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess.

Vorbericht:

In insgesamt acht Fällen soll der Angeschuldigte, der sich ab Dienstag auf der Anklagebank vor dem Landgericht in Traunstein verantworten muss, kinderpornografische Bilder besessen oder sogar weitergegeben haben. Hinzu kommt noch, dass er sich in zwei weiteren Fällen an Kindern sexuell vergangen haben soll. Das Heikle an der ganzen Sache: Der Angeschuldigte selbst war zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Vergehen noch minderjährig.

Über 300 Bilder auf verschiedenen Rechnern gespeichert

Bereits im Alter von 14 Jahren soll der Angeschuldigte aus dem Landkreis Rosenheim auffällig geworden sein. In insgesamt acht Fällen konnten die Beamten der Kriminalpolizei den Besitz von kinderpornografischen Schriften nachweisen. Über 300 Bilder sollen sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre im Besitz des heute 16-Jährigen befunden haben. Einige davon habe der Jugendliche auch an andere Personen weitergeleitet.

Sexueller Missbrauch von Kindern in zwei Fällen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit muss sich der Angeschuldigte zudem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. 2012 soll er sich gleich mehrfach an einem damals 12-Jährigen vergangen haben. In einem Feuerwehrhaus, einem Waldstück und in der elterlichen Wohnung habe er sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen.

Knapp zwei Jahre später soll sich der Angeschuldigte dann ein weiteres Mal einem Minderjährigen sexuell genähert haben. Im elterlichen Anwesen im Landkreis Rosenheim soll es auch dann wieder zu einem Missbrauchsfall gekommen sein. Neben den Handlungen an dem zweiten Kind, einen Neunjährigen, soll der Angeschuldigte diesem während des Vorgangs auch kinderpornografische Video-Aufnahmen gezeigt haben.

Zwei Prozesstage angesetzt

Aus Jugendschutzgründen findet der Prozess gegen den heute 16-jährigen Angeschuldigten hinter verschlossenen Türen vor der Jugendkammer des Traunsteiner Landgerichts statt. Der Angeschuldigte ist seit seiner Verhaftung im Oktober in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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