Visionen für eine neue Kirche entwickeln

Chiemsee - Außergewöhnliche Premiere: Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, Dekanate und Bildungswerke feiern am Pfingstmontag den ersten "Ökumenischen Inseltag".

Die malerische Fraueninsel im Chiemsee ist der Ort einer außergewöhnlichen Premiere: Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, Dekanate und Bildungswerke rund um den Chiemsee feiern dort am Pfingstmontag, 28. Mai, den ersten "Ökumenischen Inseltag".

Der Tag mit seinem breit gefächerten Angebot von 10 bis 18 Uhr steht unter dem Bibelwort "Seht, ich schaffe Neues - merkt ihr es nicht?" und soll in erster Linie dem Brückenbau zwischen den Konfessionen dienen.

"Ökumene heißt nicht bloß eine Zusammenarbeit der Kirchen, sondern gemeinsam gelebter christlicher Glaube", sagt die evangelische Dekanin Hanna Wirth aus Rosenheim. "Gemeinsam wollen wir deshalb Pfingsten feiern - geistreich, bewegend und mit Leib und Seele." Zusammen mit dem katholischen Dekan Bruno Fink aus Prien ist Wirth verantwortlich für den Inseltag.

Seit mehr als einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die ökumenische Premiere auf der Insel. Herausgekommen ist ein höchst abwechslungsreiches und hochkarätiges Acht-Stunden-Programm. Umrahmt sind alle Einzelveranstaltungen von zwei Gottesdiensten. Der Eröffnungsgottesdienst um 10.30 Uhr wird von den beiden Verantwortungsträgern Wirth und Fink im Freien zelebriert, bei Regenwetter im Münster. Die Schluss-Vesper um 17 Uhr halten Inselpfarrer Konrad Kronast und der evangelische Dekan Gottfried Stritar aus Traunstein ab.

Einer der Höhepunkte des Tages dürfte die Podiumsdiskussion mit dem Titel "Visionen für eine neue Kirche" sein. Gastredner sind Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, und Professor Dr. Eckard Nagel, Ethiker und Transplantationsmediziner. Die Moderation übernimmt Pfarrer Volker Toth, Professor für evangelische Religionspädagogik aus Salzburg. Die beiden Gastredner wollen nach einem kurzen Einführungsvortrag vor allem mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Das Thema "Visionen für eine neue Kirche" ist angelehnt an das Tagesmotto "Seht, ich schaffe Neues - merkt Ihr es nicht?"

Nicht verstaubt

Während des ganzen Tages wird ein vielfältiges Programm mit rund 20 verschiedenen Aktionen und Aktivitäten angeboten, das für jeden etwas bietet. Es soll zeigen, dass es trotz der konfessionellen Verschiedenheiten viel Gemeinsames gibt und die christliche Kirche nicht so "verstaubt" ist, wie viele denken.

So werden für Wissensdurstige von den Klosterschwestern ganz besondere Führungen unter den Aspekten "Bayernherzogin Luitpirc und die Torhalle" und "Ökumene im Äbtissinnengang" sowie eine erläuterte Bilderausstellung über das Leben hinter Klostermauern geboten.

Wer aktiv sein möchte, kann beim Reformationsrätsel das Zeitgeschehen von vor 500 Jahren aufarbeiten, an einem erlebnisorientierten Bibelgespräch teilnehmen, oder sich im Gospel-Workshop "Futter für die Seele" holen. Im Bildungs-Workshop für Behinderte erfahren auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, welche kreativen und konstruktiven Möglichkeiten sie haben.

Musikalische Leckerbissen werden den Besuchern des Inseltages mit Orgelkonzerten und einem Gospel-Bläserkonzert serviert. Die Dekanatskantorin Ulrike Ruf aus Traunstein präsentiert mit ihrem Orgelkonzert Musikstile durch sechs Jahrhunderte, der renommierte Organist Max Pöllner spielt eigene Improvisationen, die tiefe emotionale Bereiche des Bewusstseins ansprechen. Mitreißenden Schwung versprechen die 30 Bläser beim Gospel-Konzert. Mit Swing-Melodien und klassischen Gospel-Songs wollen die Musiker den traditionellen Kirchenliedern entgegen steuern.

Meditativer Tanz und "Sich-Versenken"

Neuen Wegen widmen sich auch die Programmpunkte des lithurgischen, spirituellen und meditativen Tanzes. Die Besucher können mitmachen und in der Geborgenheit der Gruppe neue Lebensfreude entwickeln.

Mehr Lebensqualität verspricht auch die christliche Schweigemeditation des katholischen Bildungswerks in Rosenheim. Im "Sich-Versenken" sollen mehr Gelassenheit, Tiefe, aber auch heilung, Kraft und Nächstenliebe spürbar werden. Basierend auf den Regeln des Heiligen Benedikts will Äbtissin Johanna ebenfalls Lebenshilfen anbieten.

Für Einzelgespräche über Fragen des Glaubens und der Lebensführung stehen jeweils vier Seelsorger der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche zur Verfügung. Auch die altkatholische Kirche und die evangelische Freikirche ist mit jeweils einem Seelsorger eingeladen.

Während des ganzen Tages ist für eine kreative Kinderbetreuung gesorgt. Langeweile dürfte auch bei größeren Kindern und Jugendlichen nicht aufkommen. An sieben "Mitmach-Stationen" werden sie die Welt mit neuen Augen sehen.

Zum Anliegen des Inseltages meinte Dekanin Wirth: "Wir wünschen uns, dass die Besucher am Ende sagen: 'Das war ein fröhlicher und aufbauender Tag. So offen habe ich mir Kirche gar nicht vorgestellt.'"

vd/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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