Doppelmord: Lebenslange Haftstrafe gefordert 

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Traunstein - Im Prozess um den Doppelmord in Aschau wurden nun die Plädoyers gehalten, nachdem alle Ablehnungsanträge des Angeklagten zurückgewiesen wurden.

UPDATE, 18.30 Uhr:

Auch der neuerliche Ablehnungsantrag gegen seinen Anwalt wurde zurückgewiesen. Es gebe keine rechtfertigende Begründung, dass Baumgärtl ihn falsch beraten hätte. Somit ist die Beweisaufnahme nun abgeschlossen.

Die Plädoyers: Oberstaatsanwalt Jürgen Branz machte den Anfang. Er begann mit zwei Zitaten des Angeklagten: "Ich habe mich mit Dr. R. (dem getöteten Opfer) sehr gut verstanden" und "ich war jahrzehntelang Patient bei Dr. R.".

Anschließend erklärte Branz, dass er keinen Zweifel daran habe, dass die Taten so geschehen seien, wie in der Anklageschrift beschrieben. Aus Geldnot habe er den überfall in Brannenburg begangen. "Geld, Geld, Geld - es geht bei ihm immer nur um Geld."

Auch für seinen Einbruch in Aschau sei Geld das Hauptmotiv gewesen. Grund für den Mord an den Eheleuten sei der Versuch gewesen, seine Straftaten zu verdecken. "Wenn er nicht gleich auffliegen will, muss er handeln. Deshalb hat er das Ehepaar umgebracht."

Zudem sei er auch von der Habgier zu den Morden getrieben worden. Er fordert daher eine lebenslange Haftstrafe, mit besonderer Schwere der Schuld. Die Nebenklagevertreterin schloss sich den Ausführungen des Oberstaatsanwalts an.

Verteidiger Harald Baumgärtl hingegen sehe das Motiv für die Taten nicht im Geld und der Habgier des Angeklagten begründet. "Er hat mir immer wieder berichtet, dass ihm das Betreuungsentzugsverfahren so zugesetzt hat, dass er sich zu den Taten getrieben fühlte." Er sehe daher nicht Habgier als tatbestimmendes Motiv für die Ereignisse in Aschau.

Auch ein Verdeckungsmord komme für ihn nicht in Frage: "Er hat die Kamera am Hauseingang gesehen und musste davon ausgehen, dass er gefilmt wurde - auch wenn die Kamera nicht lief."

Er beantragte eine Freiheitsstrafe, "deren höhe ich ins Ermessen des Gerichts lege". Einen Ausspruch der besonderen Schwere der Schuld könne man, seiner Ansicht nach, nicht aussprechen.

Das Urteilt wird am Donnerstag fallen.

UPDATE, 16.50 Uhr:

Auch den nächsten Beweisantrag des Angeklagten hat das Gericht zurückgewiesen. Die Aussage des Zeugen sei nicht relevant für das vorliegende Strafverfahren. Da erneut ein Antrag zurückgewiesen wurde, beantragte er nun wieder, seinen Anwalt abzulehnen. "Wenn ich richtig beraten worden wäre, dann hätte ich die Anträge auch besser stellen können - gerade den Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter", behauptet der Angeklagte.

UPDATE, 15.20 Uhr:

Das Gericht hat sowohl den Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter Erich Fuchs, als auch den Ablehnungsantrag gegen Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, zurückgewiesen. Den Antrag, dass Fuchs befangen sei, habe der Angeklagte zu spät gestellt. Er hätte sofort nach den jeweiligen Vorkommnissen den Antrag einreichen müssen. Die Vorwürfe gegen seinen Verteidiger seien nicht eindeutig und zu pauschal formuliert.

Doch Josef O. bleibt trotzig und formuliert jetzt einen weiteren Antrag, um den Richter im damaligen Betreuungsentzugsverfahren als Zeugen zu laden.

UPDATE, 14.20 Uhr:

Der Angeklagte hat jetzt einen Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter Erich Fuchs gestellt. Er sei mehrfach von ihm angeschrien worden. "Sie haben gar keine Ausbildung und dürfen mich nicht anschreien", so der Angeklagte. Zudem habe der Richter Vorurteile gegen seine Person.

Auch seinen Pflichtverteidiger Harald Baumgärtl will der Angeklagte jetzt loswerden. Er lehne ihn ab, weil das Verhältnis zerrüttet sei, "außerdem werde ich juristisch nicht von ihm unterstützt."

Die Sitzung wurde unterbrochen, damit das Gericht über die Anträge beraten kann.

UPDATE, 12.50 Uhr:

Dr. Mirela Pascu stellte am Mittag ihr psychiatrisches Gutachten des Angeklagten vor. Zuerst ging sie dabei auf die Befunde seiner früheren Ärzte ein. Darin wurde Josef O. als depressiv und antriebslos beschrieben. Das ergab auch das Gutachten von Dr. Pascu. Er zeige Symptome für eine "mittelgradige, depressive Episode". Eine formale Denkstörung - wie für schizophrene Persönlichkeiten üblich - sei allerdings nicht zu erkennen. "Es liegen keine der vier Symptome vor, die für eine Schizophrenie sprechen würden." Er wirke allerdings egozentrisch und sei wenig emphatisch.

Eine hirnorganische Beeinträchtigung konnte ausgeschlossen werden. Allerdings musste die MRT-Untersuchung abgebrochen werden, weil er über Platzangst geklagt habe. Der Angeschuldigte zeige darüber hinaus narzisstische Persönlichkeitsakzentuierungen. Eine Psychopathie könne ausgeschlossen werden. Auch seien die Taten geplant gewesen: "Das spricht dafür, dass es keine paranoide Verkennung der Situation gab." Heißt im Klartext: Josef O. zeigt Anzeichen einer depressiven Störung, leidet aber nicht an einer Persönlichkeitsstörung. Dr. Pascu sehe daher keinen Anlass für eine Sicherungsverwahrung oder eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung.

UDPATE, 11.05 Uhr:

Die Ex-Verlobte, mit der Josef O. in den 80er-Jahren eine Beziehung hatte, machte am Vormittag ebenfalls ihre aussage. Sie beschrieb den Angeklagten als "sehr intelligenten und vorausplanenden Menschen." Im gleichen Atemzug meinte sie aber auch, dass er aggressiv und wenig emphatisch gewesen sei - zudem getrieben von einem äußerlichen Makel. "Er war ein richtiger Narzist und war nie mit sich zufrieden. Er hat viel Geld für sein äußerliches Problem ausgegeben."

Der vorsitzende Richter Erich Fuchs setzte dem Rätselraten ein Ende: "Waren es seine Haare?" Die Zeugin bejahte und ergänzte: "Seine Geheimratsecken." Sie beschrieb auch, dass der Angeklagte sie gezwungen habe, ihren Vater um 30.000 Euro zu erpressen. "Da habe ich seinen Rachedurst erlebt." Nachdem sie ihre Beziehung beendet hatte, habe sie alles dafür getan, ihm nicht mehr zu begegnen. "Ich wusste, dass er eine tickende Zeitbombe war. Zum Glück ist er nicht bei mir hochgegangen."

UPDATE, 10.25 Uhr:

Am Vormittag machte der Sachverständige des vorangegangenen Betreuungsverfahrens seine Aussage. Sein Gutachten war damals ausschlaggebend dafür, dass Josef O. die Betreuung seiner Mutter entzogen worden war. Vor Gericht sagte der 60-Jährige aus, dass der Angeklagte mit der Betreuungssituation überfordert gewesen wäre. Zudem sei seine Mutter in einem "schwerst pflegebedürftigen Zustand" gewesen. "Eine häusliche Pflege hätte nicht ausgereicht." Zudem habe Josef O. seine Mutter in Anwesenheit des Gutachters am Fuß gezogen: "Er hat ein nicht-adäquates und rüpelhaftes Verhalten an den Tag gelegt", so der Zeuge.

Josef O. wollte dies allerdings nicht wahr haben und nahm den Zeugen aggressiv ins Kreuzverhör. Doch der vorsitzende Richter Erich Fuchs unterbrach die Diskussion mit den Worten: "Das hat nichts mit dem hier vorliegenden Strafverfahren zu tun. Sie haben zwei Menschen umgebracht und zwei Frauen überfallen. Das hat mit dem Betreuungsverfahren nichts zu tun."

Der Vorbericht:

Der Prozess gegen den 58-jährigen Josef O. geht weiter: Ihm wird vorgeworfen, im Juni 2014 ein Ehepaar in Aschau ermordet zu haben. Zuerst sei er in das Ferienhaus der Eheleute eingebrochen, um Geld und Wertgegenstände zu stehlen. Als die Besitzer überraschend nach Hause kamen, soll er die Frau mit einem Dachgepäcktrager erschlagen und ihren Mann mit einem Küchenmesser erstochen haben.

Der ehemalige Justizvollzugsbeamte muss sich aber noch wegen einem anderen Verbrechen vor Gericht verantworten: Im November 2013 soll er zwei Frauen in Brannenburg überfallen und beraubt haben. Mit einem Küchenmesser bewaffnet soll er eine 58-jährige Frau und ihre 87-jährige Mutter zur Herausgabe der EC-Karte samt PIN gezwungen haben. Insgesamt soll der vermummte Täter so 1200 Euro erbeutet haben.

Josef O. machte am ersten Verhandlungstag Angaben zu beiden Taten. Auch mehrere Ermittlungsbeamte beschrieben ihre Ergebnisse der Untersuchungen. Der 58-Jährige zeigte sich allerdings wenig einsichtig und meinte am Ende des Verhandlungstages: "Das in Aschau war für mich keine Straftat".

Lesen Sie dazu:

Mehrere Zeugen machten am zweiten Prozesstag Angaben zu dem Verbrechen in Brannenburg. Unter anderembeschrieb das 58-jährige Opfer den Überfall detailliert. Außerdem wurde die finanzielle Vorgeschichte des Angeklagten beleuchtet. Dabei stellte sich heraus, dass der Angeklagte einen Großteil seines Vermögens bei Börsengeschäften verspielt hatte.

Der dritte Verhandlungstag war geprägt von den Aussagen der Sachverständigen. Zuerst präsentierte der Rechtsmediziner, Doktor Randolph Penning, sein Gutachten. Anschließend kam der Biomechaniker Dr. Jiri Adamec, mit seiner Blutspurenanalyse an die Reihe.

Am vierten Prozesstag sollen noch weitere Zeugen gehört werden. Zudem wird Dr. Mirela Pascu ihr psychiatrisches Gutachten präsentieren.

Rosenheim24.de ist vor Ort und berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

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Leichenfund am Samerberg

Der Tatort in Aschau

Rentner-Ehepaar umgebracht 

Quelle: chiemgau24.de

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