Neubaustrecke im Inntal nach umfangreichem Dialogverfahren

Dobrindt: "Ab 2020 keine lauten Güterzüge mehr!"

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(v.l.) Bürgermeister Stefan Lederwascher, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Mitglied des Bundestages Daniela Ludwig und Dr. Volker Kefer, Vorstand Infrastruktur und Dienstleistungen bei der DB beim Treffen in Flinstbach
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Flintsbach - Verkehrsminister Dobrindt stellte am Freitag zusammen mit der DB die weitere Planung für die Brenner Zulaufstrecke im Inntal vor. Wie es mit dem Lärmschutz weiter gehen soll:

180 Züge bewegen sich aktuell auf der Strecke zwischen Kufstein und Rosenheim durch das Inntal. Im Zuge der Fertigstellung des Brenner Basistunnels bis 2025 rechnet die Deutsche Bahn AG (DB) mit einem Anstieg auf über 300 Züge pro Tag. "Das entspricht ungefähr einem Zug alle fünf Minuten, das gebe ich zu bedenken", folgert Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger beim Treffen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Freitag in Flintsbach. Nur eine von wenigen Herausforderungen, die die Landkreisbürgermeister aktuell in Verbindung mit der Schiene zu beklagen haben und für die Zukunft befürchten. Wie der Minister in Zusammenarbeit mit der DB die Situation in den Griff bekommen will:

Die Achse Berlin - Palermo

Otto Lederer sprach sich deutlich für eine umfassende Bürgerbeteiligung aus

Daniela Ludwig stellte in ihrer kurzen Vorrede die Forderungen der Politik und der Vertreter der Bürger aus der Region deutlich vor: "Hier handelt es sich nicht um eine Regionalstrecke", so die Bundestagsabgeordnete. Man müsse auf der Achse Berlin - Palermo darauf vorbereitet sein, nach der geplanten Fertigstellung des Tunnel in Italien im Jahr 2025, das steigende Verkehrsaufkommen auf der Schiene zu bewältigen. "Daher müssen wir im Inntal aber auch in Rosenheim zweigleisig fahren", postuliert Daniela Ludwig und fordert die Verantwortlichen bei der DB auf, zeitnah in den Planungsdialog zur Ertüchtigung der bestehenden Strecke, aber auch zum Bau einer neuen Trasse einzusteigen.

"Man muss merken, dass unsere Bedenken ernst genommen werden", so Ludwig weiter. Lärmschutz zum Schutz der Anwohner müsse bei den Betrachtungen stets eine zentrale Rolle spielen um auch die Akzeptanz der Bürgerschaft weiter zu festigen und nicht zu verlieren. Neben der Strecke im Inntal müsse aber auch die Strecke zwischen München und Rosenheim weiter entwickelt und selbstverständlich auch in jeglicher Hinsicht im Auge behalten werden.

Vorrangige Investitionen der EU im Nordeuropa/Mittelmeer Korridor

Dr. Volker Kefer, Vorstand Infrastruktur und Dienstleistungen bei der DB, präsentierte den Prozess der Bürgerbeteiligung

"Das Inntal ist für uns eine ganz wesentliche Verkehrsstrecke, eine der Hauptschlagadern in Europa", erklärte Dr. Volker Kefer, der Vorstand Infrastruktur und Dienstleistungen bei der DB. Bereits im Jahr 2012 habe man in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) die Planungen begonnen, um die Lebensqualität im Süden Bayerns zu sichern. Dabei konzertiere sich der Konzern im wesentlichen auf drei Phasen: Den aktuellen Bestand, den Neubau einer zusätzlichen Trasse und den Übergang zwischen den beiden Strecken. Dabei stelle der Lärmschutz bei allen Vorhaben den zentralen Punkt dar. Zusätzlich zu den Infrastrukturmaßnahmen wie Lärmschutzwänden, wolle man sich auch auf das "fahrende Material" konzentrieren. Die sogenannte "Flüsterbremse" habe, entgegen der Vermutungen, auch im laufenden Betrieb der Züge Auswirkungen auf die Lärmemission.

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB für den Freistaat Bayern, stellte die weitere Planung vor. Ab dem 25. März will der Konzern in die Beteiligungsphase eintreten. "Dass es nicht funktioniert, für die Trasse einen Strich auf der Karte zu ziehen, das haben wir bei der B15neu gesehen", so Josel. Daher will die DB in der ersten Phase nicht konkret über die Streckenführung verhandeln. Man wolle vielmehr relevante Daten sammeln, Anforderungen an die Strecke verarbeiten und in einem ständigen Prozess mit der direkten Beteiligung der Bürger und Betroffenen in mehreren Gruppen verschiedene Varianten ins Auge fassen. Nach der technischen und geologischen Analyse der Streckenplaner sollen 2017 erste Trassenvorschläge gemacht werden.

Dobrindt: "Ein wichtiges Instrument die Betroffenen zu beteiligen"

"Wir müssen ein paar Eckpfeiler einschlagen, damit sich ein Dialog überhaupt entwickeln kann", so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. So stellte der Minister unmissverständlich klar, dass neben dem Neubau, der voraussichtlich sieben bis fünfzehn Jahre in Anspruch nehmen werde, auf jeden Fall auch die Ertüchtigung der Bestand-Strecke erfolgen werde. Um den entstehenden Lärm noch effektiver zu reduzieren soll es in Zukunft auch Anreize für die Firmen geben, die "Flüsterbremse" vermehrt einzusetzen: "Ich werde ab 2020 keine lauten Güterzüge mehr zulassen", versprach Dobrindt am Freitag.

Bilder vom Besuch des Ministers in Flintsbach

Bilder vom Treffen in Flintsbach

 Zusätzlich sollen freiwillige Lärmsanierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern erfolgen. Ein sogenannte "Lärmsanierungsgesamtplan", eine Studie über die technischen Möglichkeiten neben der Strecke, soll noch in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden. Der Minister rechnet mit einem Ergebnis der Studie und dem Beginn von Sanierungsmaßnahmen für 2016. Verkehrsminister Dobrindt: "Wer ein Bekenntnis zur Schiene abgibt, muss sich auch zum Lärmschutz bekennen".

Quelle: rosenheim24.de

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