Unterstützung für Volksbegehren

Interview mit Aktivistin: So will Bettina Sedlmair die Bienen retten

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Die „Ideengeberin“ Bettina Sedlmair, mit dem „Spatzenreihenhaus“, dass nun bis zur Verteilung mit regionalen Produkten gefüllt wird

Vagen - Manchmal braucht es eine gute Idee, um Menschen fürs Mitmachen zu begeistern - Eine Aktion der besonderen Art soll die Unterschriftensammlung zum Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ unterstützen – Knapp 1 Million Unterschriften der Wählerinnen und Wähler Bayerns werden ab 31. Januar gebraucht

Vagen – Das Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt in Bayern ist bereits in aller Munde. Um darauf aufmerksam zu machen, haben sich zahlreiche lokale Bündnisse gegründet, um die Bevölkerung über die Wichtigkeit dieses Themas aufzuklären und um auf die bevorstehende Unterschriftensammlung vom 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern und anderen Eintragungsstätten hinzuweisen. 

„In Bayern verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten, das ist wissenschaftlich belegt. Wir sind Zeuge des größten Artensterbens seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Diese Entwicklung müssen wir stoppen. Es geht dabei auch um unser Überleben: Wenn es keine Bienen und Hummeln mehr gibt, wer bestäubt dann unser Obst und Gemüse?“, fasst das Aktionsbündnis für Bayern die Situation in seiner Informationsbroschüre zusammen. Auch in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham gibt es solch ein Aktionsbündnis, mit Sissi Spielmann als Ansprechpartnerin vor Ort. 

Ziel ist es, dass sich 10% der Wählerinnen und Wähler durch Unterschrift in ihrer Gemeinde für die Durchführung eines Volksbegehrens aussprechen. Um die Unterschriftensammlung besonders publik zu machen, hat Bettina Sedlmair, Regionalbetreuerin für Jugendarbeit im Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) und Jugendleiterin im Obst- und Gartenbauverein (OGV) Vagen-Mittenkirchen, eine besondere Idee für das Aktionsbündnis des Landkreises Rosenheim ausgelobt. 

"Die Gemeinde, die als erste die 10-Prozent-Hürde durch die Zahl an Unterschriften erreicht, bekommt für die gemeindlichen Kindergärten je einen Nistkasten- das „Spatzenreihenhaus“- gefüllt mit regionalen Produkten, die mir von Firmen und Geschäften unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden, geschenkt“, so die Initiatorin gegenüber unserem Portal. 

Interview mit Bettina Sedlmair 

Warum ist Ihnen persönlich die Teilnahme am Volksbegehren wichtig? 

Bettina Sedlmair: Weil wir dafür verantwortlich sind, die Erde auch für unsere Kinder und Enkelkinder zu schützen. Ich will keine Verhältnisse wie in China, wo die Bäume von Menschen mit Entenfedern bestäubt werden müssen, weil es keine Insekten mehr gibt. Die Bienen sind aber nur ein kleiner Teil der Insektenwelt. Viele andere Insektenarten gehen ebenfalls stark zurück oder sind schon ausgestorben. Und damit sind viele Tiere und Pflanzen, die von ihnen abhängig sind, ebenfalls bedroht. 

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Nistkasten, gefüllt mit regionalen Produkten, für die Kindergärten der „Siegergemeinde“ im gesamten Landkreis Rosenheim auszuloben? 

Bettina Sedlmair: Auf einer Sondersitzung des LBV erzählte ein Besucher, dass bei ihnen im Landkreis die Kindergärten der Gemeinde, die als Erste die Zehnprozenthürde knackt, ein Geschenk der Imker erhält. Die Idee nahm mich sofort gefangen. Ich habe das Geschenk lediglich ganz allgemein auf lokale Erzeugnisse ausgeweitet. 

Wie fanden Sie Unterstützung im Landkreis Rosenheim und bei den Sponsoren, um ihre Idee zu verwirklichen?

Bettina Sedlmair: Ich habe den Spendern von unserem Engagement erzählt und warum es mir persönlich wichtig ist. Die meisten, bei denen ich angefragt habe, waren dann sehr offen für diese Idee und haben gerne etwas gespendet. 

Warum liegen Ihnen die Bienen besonders am Herzen? 

Bettina Sedlmair: Mir liegt die ganze Natur und deren Erhalt für uns und die kommenden Generationen sehr am Herzen. Seit Jahren versuche ich, den Kindern in verschiedenen Kindergruppen, mit denen ich arbeite, die Natur in ihrer Vielfalt und Schönheit nahe zu bringen, denn nur was man kennt, das schützt man auch. 

Welche Aktionen planen Sie im laufenden Jahr mit den Kindern im LBV und im OGV passend zum Thema? 

Bettina Sedlmair: Wir planen ganz verschiedene Aktionen, wie etwa das Bauen von Nisthilfen für Insekten und Vögel, Vorlesestunden veranstalten, gemeinsam basteln, die Imker besuchen und mehrere Familienwanderungen durchführen, um den Kindern in unseren Kindergruppen die Einzigartigkeit der Natur zu zeigen. Bei meinen Aktionen im OGV Vagen–Mittenkirchen dürfen die Kinder, deren Eltern schon unterschrieben haben, im Aktionszeitraum kostenlos am Programm teilnehmen. 

Wie kann jeder Einzelne die Bienenrettung im privaten Umfeld unterstützen?

Bettina Sedlmair: Saisonale Bioprodukte aus der Region kaufen, kein Gift im eigenen Garten ausbringen, bienenfreundliche Nektarpflanzen säen. Daneben gibt es viele Maßnahmen, die nicht direkt mit den Bienen in Beziehung stehen, aber sehr viel für unsere gesamte Umwelt bringen, zum Beispiel weniger Auto fahren oder im Haushalt darauf zu achten, weniger Plastik zu verbrauchen. 

Was erhoffen Sie sich für das Volksbegehren?

Bettina Sedlmair: Ich erhoffe mir, dass wir nicht nur die 10 Prozent erreichen, sondern noch viel mehr. Je größer die Unterstützung, desto eher wird die Politik auf unsere Forderungen eingehen. Nicht nur in Bezug auf das Volksbegehren, sondern auch darüber hinaus. 

woj

Quelle: mangfall24.de

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