Jeder sieht es anders

Taschengeld: Familien geben unterschiedlich

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Wie läuft es mit dem Taschengeld? Nicht bei allen Familien sitzt das "Extrageld" für die Kinder locker.
  • schließen

Landkreis - Das Thema Taschengeld wird in den Familien der Region ganz unterschiedlich gehandhabt. Während manche Eltern ganz auf diesen Zahltag verzichten, machen andere ein Ritual daraus.

Nicht ganz einfach, die Sache mit dem Taschengeld. Katharina Eser steht vor wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair und erklärt nüchtern: „Taschengeld ist bei uns wichtig, weil meine beiden Kinder so verstehen lernen, dass man manchmal für eigene Wünsche lange sparen muss“, erklärt die 43-Jährige. Sie lebt allein mit ihren beiden Söhnen in Wasserburg, ist nach einem chronischen Rückenleiden arbeitsunfähig und erhält eine Rente. „Das reicht nicht wirklich, um große Sprünge zu machen und den Jungs auch noch Wünsche zu erfüllen“, heißt es von der Mutter der 13 und 15 Jahre alten Schüler.

Für sie komme es nicht infrage, den beiden „zwischendurch“ einfach mal etwas zu kaufen, die Teenager müssen sich von ihrem Taschengeld etwas ansparen, wenn etwas Neues gebraucht werde. „Jeder bekommt zehn Euro im Monat und kann es für sich selbst ausgeben“, so die alleinerziehende Mutter.

Der Vater der beiden zahle zwar Unterhalt für die Jungs, dennoch werde dieses Geld dringend für den täglichen Gebrauch benötigt, viel Anzusparen für „Sonderwünsche“ sei nicht möglich, so Katharina Eser im Gespräch mit wasserburg24.de.

Der 13-Jährige möchte nichts zur familiären Situation sagen, der 15 Jahre alte Tobias erklärt, dass er durchaus merke, dass in anderen Familien das Geld „lockerer sitze“. In einigen Wochen könne er sich selbst etwas hinzuverdienen durch das Austragen von Prospekten, dann sei er etwas freier von der Last des mickrigen Taschengeldes, so der Teenager.

Sein Bruder werde oft von den Mitschülern gehänselt, wenn er beispielsweise nicht in einer Freistunde ebenfalls mit einer Leberkäsesemmel durch die Stadt spazieren könne, weil das Geld von Zuhause eben nicht für Freistundenaktivitäten reiche, berichtet Tobias traurig. „Ich glaube aber, dass wir trotzdem nicht schlecht leben, wir schätzen das, was wir uns kaufen können, sogar bestimmt mehr als andere Teenager“, heißt es von dem 15-Jährigen.

Was er und sein Bruder mit dem monatlichen Geld so machen? „Manchmal kaufen wir uns gemeinsam eine CD oder sparen für Notfälle“, so Tobias. Es komme öfter vor, dass für neue Stifte oder Schokolade und Kaugummi nicht das nötige Geld vorhanden sei oder die Mama hinter dem Kauf von Süßkram eben keinen Sinn sehe, berichtet der 15-Jährige, darum werde für „Luxus- oder Genussartikel“ auch gerne mal das Taschengeld benutzt. „Ich möchte außerdem so gerne mit meinen Freunden einmal ins Kino gehen, da spare ich gerne mal zwei Monate hin um dann mal wieder einen spaßigen Nachmittag mitzuerleben“, schließt Tobias seine Ausführungen.

Die Brüder sehen den Engpass in der Familie unterschiedlich schlimm, meistern die Situation mit dem monatlichen Taschengeld in Höhe von zehn Euro bewusst und äußerst gekonnt.

Kein Taschengeld, dafür alle Wünsche erfüllt

Während bei Tobias und seinem Bruder immer am Monatsanfang die Auszahlung des Taschengelds wie ein Ritual gehalten wird, ist bei einer Familie in Soyen das Thema Taschengeld gar nicht existent. „Unsere Tochter bekommt kein Taschengeld, wir bezahlen ihr alles, was sie braucht und möchte“ erklärt Riccarda Meier.

Die Dozentin an einer Fachhochschule in München ist sich hier mit ihrem Mann völlig einig, der 17-Jährigen Gymnasiastin alles zu bezahlen, worauf die Schülerin „Lust hätte“ und ihr auch Geld in die Schule mitzugeben oder für eine Shoppingfahrt mit den Freundinnen. „Taschengeld bekommt unsere Marie nicht, schließlich erhält sie stets Geld für alle möglichen Einkäufe oder Wünsche“, betont die 50-Jährige.

Marie selbst wirkt tatsächlich etwas verwöhnt, doch keineswegs wie eine Prinzessin. „In meiner Klasse gibt es viele Mitschüler, bei denen das Geld nicht einfach mal so ausgegeben werden kann, viele müssen sparen oder können manchmal nicht mit zum Bummeln in die Stadt fahren“ ist sich Marie bewusst. Das sei für sie zwar kaum vorstellbar, dass es mit finanziellen Einschränkungen auch funktionieren könne, aber sie verachte die Mitschüler deshalb nicht. „Es bleiben meine Freunde“, so die 17-Jährige im Gespräch mit wasserburg24.de.

Ob sie denn Taschengeld erhalten möchte oder mit der aktuellen „Regelung“ zwischen ihr und den Eltern bestens zurechtkomme, wollten wir wissen. „Ich vermisse es nicht, dass ich an einem bestimmten Tag im Monat oder der Woche einen gewissen festen Betrag bekomme, ich bekomm immer dann etwas, wenn ich danach rufe“ so Marie selbstsicher.

„Falsche Einstellung“ findet Manuela Aichstetter vom Jugendamt. Die Sozialpädagogin befürwortet eine feste Pauschale als Taschengeld für die Kinder und Jugendlichen. „So lernt der Nachwuchs, gezielt mit Geld umzugehen“, so Aichstetter weiter.

 Es gebe Empfehlungen für einzelne Altersstufen und auch die Regel, dem Kind nicht vorzuschreiben, was es mit dem Taschengeld erstehen dürfe. „Das Taschengeld steht zur freien Verfügung, die Eltern sollten sich zurückhalten, auch wenn das Kind eventuell einen Fehlkauf tätigt“, heißt es von der Expertin. Taschengeld sei eine Art Erziehungsinstrument, so Manuela Aichstetter. Die Kinder und Jugendlichen würden so an Selbständigkeit gewinnen und einen sicheren Umgang mit dem eigenen Besitz und dem Verfügbaren erlernen. Kein Taschengeld – dafür aber eine Art „Erfüllung wie durch einen Flaschengeist“ – könne für Jugendliche realitätsfremd wirken. „Wenn Kindern und Jugendlichen alles bezahlt wird, was sie möchten, dann wird es später schwer, das eigene Gehalt besser einzuteilen und sich eventuellen Alltagsschwierigkeiten zu stellen“, glaubt die Sozialpädagogin.

Die Empfehlungen

Taschengeld-Empfehlungen durch Experten

4-5 Jahre - 0,50 Euro pro Woche

6-7 Jahre – 1,50 bis 2 Euro pro Woche

8-9 Jahre – 2-3 Euro pro Woche

10-11 Jahre – 13-16 Euro pro Monat

12-13 Jahre – 18-22 Euro pro Monat

14-15 Jahre – 25-30 Euro pro Monat

16-17 Jahre – 35-40 Euro pro Monat

18 Jahre – 70 Euro pro Monat

Es gibt für einzelne Altersstufen Empfehlungen, wie viel Taschengeld „angebracht“ sei.

Dennoch gilt: Jede Familie dürfe das Thema Taschengeld für sich selbst überdenken und sich von den Anhaltspunkten zwar leiten lassen, müsse dies jedoch keineswegs festgefahren so umsetzen, zeigen sich Sozialpädagogen überzeugt. „Jede Familie hat eine andere Ausgangssituation, viele können nicht mehr an die Kinder weitergeben, viele wollen es aus Überzeugung nicht und manche versuchen penibel, den Nachwuchs mit dem ersten „eigenen“ Geld an den Alltag als Erwachsenen heranführen.

So versuchen es auch Heike und Matthias Buller. Die Eltern eines 4-jährigen Buben und einer 13-jährigen Tochter finden es wichtig, dass die eigenen Kinder schon recht früh mit dem Thema Geld umgehen können. „Durch Oma und Opa bekommen die Kinder monatlich auf einen Bausparvertrag etwas eingezahlt, das können sie später einmal gut gebrauchen“, so Matthias Buller im Gespräch mit der Redaktion.

Er selbst habe einen Dauerauftrag eingerichtet, es wandern monatlich je 25 Euro auf die beiden Girokonten der Kinder. „Ich finde, dass unsere Tochter in einem Alter ist, in dem sie bereits gut selbst entscheiden kann und auch soll, wann sie wieviel Geld, das ihr zur Verfügung steht, ausgeben möchte“, heißt es von dem 48-jährigen Familienvater aus Rott.

Die 13-Jährige dürfe von ihrem Konto abheben, wenn sie sich etwas spontan kaufen möchte, ohne die Eltern anbetteln zu müssen. „Und dann gibt es aber jede Woche für unsere Große auch noch mal 7 Euro, die sie zum Beispiel für den Pausenverkauf oder für Süßigkeiten oder ähnliches ausgeben darf“ erzählt Heike Buller erfreut. Dies sei ihr besonders wichtig, weil sie der Meinung sei, dass Kinder Geld „zum Anfassen“ brauchen. Bislang funktioniere es gut, finden beide. „Nur der Kleine hebt jetzt auch schon immer die Hand auf, weil er Bargeld haben möchte“ witzelt Heike Buller.

Dem 4-Jährigen sei es schlichtweg egal, dass da was auf dem Konto liege, das er später einmal verwenden dürfe, er möchte zukünftig auch jede Woche etwas in den Geldbeutel bekommen und so hätten sich die Eltern darauf verständigt, dass auch der Sohn ab sofort sieben Euro pro Woche ausgeben dürfe. „Da machen wir aber vom Betrag, der bar an unsere beiden Kinder ausgegeben wird, keinen Unterschied, auch wenn unsere Tochter etliche Jahre älter ist“ so Heike Buller. „Jedes Kind hat seine Bedürfnisse und wenn man früh genug schon damit anfängt, zu sagen, einiges musst Du dir selbst kaufen, dafür geb ich dir nicht noch zusätzlich Geld, kann dies die Kinder stärken“, heißt es von der Rotter Familie. „Wir haben klar abgesprochen, dass unsere Kinder für Schulartikel, Kleidung, Hygieneartikel und Hobbys nichts selbst zahlen müssen vom Taschengeld“, so die beiden Erwachsenen.

Für besondere Wünsche, Spielsachen außerhalb der Geschenkezeit oder für Zeitschriften jedoch sollte das Taschengeld benutzt oder auch mal gespart werden, erläutern die Eltern abschließend.

Unterschiedliche Ansichten zum Thema Taschengeld in der Region. Und unterschiedliche Handhabung dieses Rituals.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser