Zwei junge Samerbergerinnen starben bei Horror-Crash

Kurz vor Prozessbeginn: Anwalt erklärt Mandanten für unschuldig

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Rosenheim - In zwei Wochen beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft schuld am Tod von zwei jungen Samerbergerinnen sein sollen. Nun wendet sich die Verteidigung eines Angeklagten mit klaren Worten an die Öffentlichkeit:

Knapp ein dreiviertel Jahr ist es nun her, dass zwei junge Frauen vom Samerberg bei einem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim aus dem Leben gerissen wurden. Die Staatsanwaltschaft erhob Ende Mai eine gleichlautende Anklage gegen zwei Männer. Ihnen wird vorgeworfen, sich jeweils in zwei Fällen einer fahrlässigen Tötung und einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht zu haben. Außerdem müssen sie sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten.

Bereits kurz nach dem schweren Unfall gab es Spekulationen, ob die beiden jungen Frauen Opfer eines illegalen Autorennens wurden. Auch ein "Überholfehler" wurde für möglich gehalten.

Rechtsanwalt: "Es war kein illegales Autorennen"

Nun wendet sich Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, Verteidiger des Angeklagten Maximilian K. (Anmerkung der Redaktion: Name wurde geändert) mit klaren Worten an die Öffentlichkeit. Maximilian K. fuhr das Fahrzeug, das sich am 20. November 2016 unmittelbar neben der Frontalkollision befunden hatte.

Die Presseerklärung des Verteidigers Harald Baron von Koskull im Wortlaut:

"Allem anderen vorausgeschickt lässt mein Mandant die Angehörigen der beiden getöteten Mädchen seiner tief empfundenen Anteilnahme versichern.

Wie jedes Gerichtsverfahren wird auch dieser Strafprozess am Ende ein Ergebnis bringen, welches die Überzeugung des erkennenden Gerichts wiedergibt. Der Wunsch der Angehörigen der beiden getöteten Mädchen, zu erfahren, was wirklich geschehen ist, wird auch dann unerfüllt bleiben, wenn in einem Urteil nachgelesen werden kann, zu welcher Überzeugung das Gericht gelangt ist.

Das Strafurteil gibt die Überzeugung des Gerichts wieder. Es ist die Aufgabe der Verteidigung, dafür Sorge zu tragen, dass diese Überzeugung auf dem Weg eines rechtsstaatlichen Verfahrens gewonnen wird.

Meiner Empfehlung folgend wird mein Mandant in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim - Schöffengericht - schweigen.

Die schrecklichen Folgen des Verkehrsunfalls vom 20.11.2016 waren Ursache für zahllose Veröffentlichungen in den Medien. Gibt man die Stichworte: "unfall miesbacher straße rosenheim" bei google ein, so erhält man etwa 40.000 Treffer.

Diese Veröffentlichungen dürfen keinen Einfluss auf das Ergebnis des Strafverfahrens haben. Die hier geäußerten Spekulationen, Verdächtigungen und Vermutungen haben aber tatsächlich Einfluss auf das Verfahren:

Alle Prozessbeteiligten - Richter, Schöffen, Staatsanwälte, Zeugen, Sachverständige und auch die Angeklagten selbst - sind diesen unbewusst wirkenden Einflüssen ausgesetzt und werden also davon beeinflusst, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Der fürchterliche Unfall geschah, ohne dass meinen Mandanten dafür irgendeine Verantwortlichkeit trifft:

  • Es war kein "illegales Autorennen"
  • Mein Mandant hat den verhängnisvollen Überholvorgang des VW-Golf weder durch Beschleunigen, noch durch Abbremsen seines eigenen Fahrzeugs behindert.
  • Mein Mandant hätte die verhängnisvolle Kollision des VW-Golf mit dem entgegenkommenden Pkw weder durch Beschleunigen, noch durch Abbremsen seines eigenen Fahrzeugs oder auf irgendeine andere Weise verhindern können.

Mein Mandant wird sich nicht an Spekulationen über die Unfallursache beteiligen, etwa

  • ob der Lenker des VW-Golf - nach Aktenlage ein zum Unfallzeitpunkt in eine "GTI-Jacke" gekleideter Freund schnellen Autofahrens, der auch auf seinem Mobiltelefon eine Vielzahl von Aufzeichnungen riskanter Autofahrten gespeichert hatte - einfach nur "stur" war und nicht nach rechts einscheren wollte, wie in einer Whatsapp-Nachricht am Tag nach dem Unfall vermutet wird oder
  • ob der ortsunkundige Lenker des VW-Golf irrtümlich annahm, dass es sich bei der befahrenen Strecke um eine autobahnähnliche zweispurige Fahrbahn ohne Gegenverkehr, ähnlich der unmittelbar zuvor von ihm bis zur "Panorama"-Kreuzung befahrenen B 15, handelte oder
  • ob der verheiratete, ortsfremde Lenker des VW-Golf, der sich in Rosenheim mit einer in Österreich lebenden Frau getroffen hatte, aus sonstigen Gründen vom Verkehrsgeschehen auf der Straße abgelenkt gewesen ist.

Dass mein Mandant Freude an Fahrzeugtechnik hat und diese Freude mit anderen teilt, die diese Interessen haben, war für die Medien (und wohl auch die dadurch beeinflussten Ermittlungsbehörden) Anlass genug, meinen Mandanten zu bezichtigen, in verantwortungsloser Art und Weise Menschenleben gefährdet und geopfert zu haben. Dieser unerhörte Vorwurf belastet meinen Mandanten zutiefst.

Die Entscheidung, ihm mehr als einen Monat nach dem Unfall vorläufig die Fahrerlaubnis zu entziehen, hat mein Mandant auf meine Empfehlung hin nicht durch ein übergeordnetes Gericht prüfen lassen, welches ohne mündliche Hauptverhandlung entschieden hätte.

Mein Mandant weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück und erwartet sich von der bevorstehenden Hauptverhandlung, dass das Gericht seine Entscheidung ungeachtet aller medial beeinflussten Vorverurteilungen treffen wird."

Verhandlungstermine

Wie uns Stefan Tillmann, Pressesprecher und Richter am Amtsgericht Rosenheim mitteilte, wurden für die Hauptverhandlung zwei Termine angesetzt:

  • Dienstag, 12.09.2017, 9 Uhr
  • Donnerstag, 28.09.2017, 9 Uhr (Fortsetzung) 

Quelle: rosenheim24.de

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