Wendelstein-Wetterstation: Trübe Aussichten

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Eingefrorene Wasserleitungen und Stromausfälle: Im Winter mussten die MItarbeiter die Wetterstation verlassen.

Brannenburg/Wendelstein - Setzt der Deutsche Wetterdienst bei der Wendelstein-Wetterstation den Rotstift an? Auch die Effektivität der Lawinenwarnung würde leiden.

Das war kein guter Winter für die Wetterwarte auf dem Wendelstein: Erst froren die Wasserleitungen ein, dann wurden die Mitarbeiter abgezogen. Deshalb liefert die Station seit drei Wochen keine aktuellen Angaben zu Schneehöhen, Sichtverhältnissen oder Wolkenfelndern mehr. Nur Temperaturen und Niederschlagsmengen werden noch im vollautomatischen Betrieb erfasst. Aber die richtig schlechte Nachricht kommt erst noch: Vielleicht war es nicht nur ein schlechter Winter, sondern der letzte überhaupt für die Wetterstation.

Hier finden Sie die

Online-Petition

Ist das Ende der Einrichtung schon beschlossene Sache? "Die Wetterwarte soll bis zum Herbst des Jahres komplett geschlossen werden. Auch an eine Automatisierung ist nicht gedacht", heißt es in einer Petition gegen die Schließung, die seit wenigen Tagen im Internet um Unterstützer wirbt. Die Mitarbeiter der Wetterwarte und der Wendelsteinbahn GmbH wissen indessen nicht, woher der Wind weht. Eine klare Aussage zur Zukunft der Station blieb ihnen die Münchner Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag schuldig: Über die längerfristige Besetzung der Wetterwarte können man derzeit keine Angaben machen, da die Beratungen in den zuständigen Gremeine noch einige Zeit in Anspruch nähmen, so die unbefriedigende Antwort.

Die rund 170 Wetterstationen, die der DWD zwischen Flensburg und Wendelstein betreibt, stehen derzeit auf dem Prüfstand. Hintergrund: Die staatliche Einrichtung unter dem Dach des Bundesverkehrsministeriums will Geld sparen. Bei dem Überlegungen spielen auch neue Techniken eine Rolle. Wetterstationen in Mühldorf, Kempten und Weiden sind bereits auf automatischen Betrieb umgestellt worden.

Ob der Standort Wendelstein erhalten bleibt, ebenfalls automatisiert wird oder ganz von der DWD-Landkarte verschwindet, ist nach Angaben von Volker Wünsche, Leiter der DWD-Bayernzentrale in München, noch offen. Diese Entscheidung würde letztlich der Vorstand im DWD-Hauptsitz in Offenbach treffen. Dass die fünf DWD-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz auf dem 1839 Meter hohen Berg schon jetzt räumen mussten, habe jedoch nichts mit dem Offenbacher Gedankenspielen zu tun, betonte Wünsche gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Frost habe zu Rohrbüchen in der Wasserleitung geführt. Dann sei auch noch der Strom ausgefallen. Sobald die Schäden behoben sind, werde die Station wieder mit Mitarbeitern besetzt.

Nicht betroffen von einer Schließung wäre die Sternwarte neben der Wetterstation. Sie wird nicht vom DWD, sondern von der Universität in München betrieben.

Schon seit 1883 werden auf dem Wendelstein Wetterdaten erfasst. Dass diese über fast 130 Jahre hinweg lückelnlosen Studien- und Messreihen ausgerechnet in Zeiten des Klimawandels enden sollen, können Forscher und Betroffene nicht verstehen. Neben automatischen Messdaten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit oder Luftdruck werden halbstündlich Kategorien wie Wetterlage, Sichtweite, Bewölkerungszustand, Schneehöhe und Schneebeschaffenheit bestimmt. Bleiben Daten hierzu aus, könnte der Tourismus am Wendelstein extrem einbrechen. So wäre dort eine genaue Einschätzung der Lawinengefahr nicht mehr möglich. Auch die Effektivität der Hagelabwehr und der Lawinenwarndienste könnte leiden.

Auch Wünsche würde die Schließung bedauern: "Das wäre ein schmerzlicher Verlust. Als einzige Einrichtung, die Daten in einer Höhe von knapp 2000 Metern liefert, spielt die Wendelstein-Station eine große Rolle."

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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