Sexuelle Übergriffe in Trostberg wohl wegen psychischer Krankheit

Angeklagter: „Mich hat eine Technologie ergriffen"

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Trostberg/Traunstein - Trostberg/Traunstein - Ein junger Afrikaner soll im vorigen Jahr reihenweise Frauen begrapscht haben, auch Mädchen auf einem Kinderspielplatz. Der Prozess wurde eröffnet, doch der Angeklagte ist wegen einer Krankheit schuldunfähig. Nun wurden erste Zeugenaussagen vernommen.

Update, 16.15 Uhr- 

Was bewegte den 23-Jährigen aus Trostberg zu diesen Taten? „Mich hat eine Technologie ergriffen, die mich zu diesen sexuellen Taten zwang!“ So hat es der Beschuldigte der Gutachterin erzählt. Diese „Technologie“ befahl ihm zu begrapschen, so als ob sie sich selbst berühren würden.

Die Sachverständige berichtete von ihrer Untersuchungen mit dem Angeklagten. Erste Hinweise für Wahrnehmungsstörungen gab es ihrer Meinung nach bereits vor ein paar Jahren, als der 23-Jährige mit Gesichtslähmungen in eine Klinik eingeliefert worden ist.

Der Eritreer war nach seiner Festnahme bereit, sich behandeln zu lassen. Die Medikamente haben gut angeschlagen. Der Mann zeigte ab diesem Zeitpunkt keinerlei auffälliges Verhalten mehr, lebte sogar eher zurückgezogen. Das weibliche Personal auf der Station hätte keinerlei Andeutungen für sexuelle Übergriffe mitbekommen. Laut seinen Aussagen, hätte der Angeklagte eigentlich ein positives Frauenbild, findet es sogar abscheulich, wenn man Kinder belästigt. Er habe sich geschämt und er wolle in Zukunft nicht mehr so sein.

Die Diagnose der paranoiden Schizophrenie war aufgrund des Erziehungs- und Verfolgungswahn eindeutig und als seelische Störung zu bewerten. Die Tatsache, dass er sich von den Kindern verfolgt gefühlt habe, sei anhand dieses Krankheitsbildes realistisch. Der 23-Jährige ist aufgrund seines Zwangs nicht steuerungsfähig gewesen. Ohne Behandlung seien laut der Gutachterin ähnliche Taten mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu erwarten.

Zudem erkenne man laut der Sachverständigen eine Steigerung der Taten, die Krankheit wurde offenbar immer akuter. Der Mann zeigte parathyme Züge, das heißt eine Störung bei der Äußerung von Gemütserregungen. So erklären sich auch seine unpassenden Reaktionen. „Die Taten beruhen eindeutig auf seine Erkrankung“, so die Gutachterin. Derzeit sei es ratsam ihn weiter stationär zu behandeln.

Alle weiteren Zeugen werden nicht mehr benötigt. Die Beweisaufnahme ist damit geschlossen. Der Prozess mit den Plädoyers und das Urteil wird dann am kommenden Dienstag, den 21. Mai, ab 9 Uhr fortgesetzt. chiemgau24.de wird wieder aktuell aus dem Landgericht berichten.

Update, 14 Uhr, Erste Zeugenaussagen vernommen:

Nun die erste Zeugin. Sie wurde im Trostberger Penny-Markt wohl vom Angeklagten angespuckt. Auslöser des Streits wäre der Preis eines Toastbrotes gewesen. Der Angeklagte hätte sehr aggressiv über den Preis reagiert und habe eine Kollegin geschubst. Danach bedrohte der Angeklagte die Zeugin. Er kam ihr bedrohlich nahe, Nase auf Nase, woraufhin sie ihn weg geschubst habe. Anschließend spuckte er ihr ins Gesicht.

Eine Woche später kam der Angeklagte erneut in den Laden. Dort habe er die Zeugin begrüßt. Er habe im Anschluss die Aufforderungen, den Laden zu verlassen, nicht wahr genommen. Der Angeklagte habe es als lustig empfunden und die Zunge ausgestreckt und auf den Boden gespuckt. Die Zeugin kannte den 23-Jährigen aus dem Supermarkt schon länger: "Er hatte seine fünf komischen Minuten."

Ein weiterer Zeuge ist ein beteiligter Polizist im Fall der belästigten Frauen im Rosengarten. Die Frauen, die bei ihm ausgesagt haben, waren sich einig. „Er braucht Hilfe!“. Während dem Verhör mit dem Beschuldigten, hatte der Polizist den Eindruck, der Angeklagte empfand alles als lustig.

Das Gericht verzichtet darauf, auch die belästigten Mädchen als Zeuginnen zu laden. Jedoch wird verlesen, was die beiden bei der Polizei aussagten - denn der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe nach wie vor.

„Ich träume manchmal von diesem Tag und habe Angst rauszugehen“, so die Zwölfjährige damals gegenüber dem Polizeibeamten. Sie kannte den Eritreer aus dem Jugendzentrum, habe zuvor auch schon mal mit ihm gesprochen. Doch sie habe bemerkt, dass der Mann sie des öfteren verfolgt habe. In ihren Angaben gegenüber der Polizei bestätigt sie die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Nun wird die psychiatrische Gutachterin über den Angeklagten aussagen.

Update, 12.02 Uhr - "Wenn ich sauer bin, spucke ich"

Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen selbst - und ist zumindest bei einigen Fällen geständig: Die Übergriffe im Rosengarten, das Onanieren vor den Augen einer Frau an der Alz, die Schläge gegen den Jogger. Er sei davon ausgegangen, dass die Frauen mit seinen Taten jeweils einverstanden gewesen wären. Trotz einiger deutlicher Zurückweisungen, ginge er nicht davon aus, dass es ein Fehler war. Das Motiv war sexuelle Lust.

Manche der Taten relativiert der Eritreer: Die Berührung in der Arztpraxis sei nur versehentlich passiert, als er an der Frau vorbeiging. Die Vorwürfe, vor anderen Frauen ausgespuckt zu haben - die Staatsanwaltschaft wertet dies als Beleidigung - sieht er weniger schlimm. Ihm sei nicht klar gewesen, dass das in Deutschland ein Ausdruck der Missachtung sei: "Wenn ich sauer bin, spucke ich."

Den Vorwurf ein zwölfjähriges Mädchen von hinten an die Brüste gefasst zu haben, leugnet der 23-Jährige. Gegen das Mädchen, dass er an der Schulter anfasste, wollte er sich angeblich nur wehren, er habe sich verfolgt gefühlt. Dass der Angeklagte den elfjährigen Buben auf dem Kinderspielplatz schlug, gibt er auch zu - der Bub habe ihn bedroht. Wenn ein Kind frech ist, sei so eine Handlung in seinem Heimatland eine Erziehungsmaßnahme.

Und die Gegenwehr gegen die Polizeibeamten? Er habe sie im dunklen Treppenhaus nicht erkennen können, deshalb habe er sich gewehrt. An eine mögliche Verletzung eines Polizisten nach seiner Festnahme, könne er sich nicht mehr erinnern. Nun geht es an die Vernehmung von Zeugen.

UPDATE, 10.35 Uhr - Schlimme Taten, aber offenbar schuldunfähig

Es ist eine lange Liste von Anklagepunkten, die die Staatsanwältin vor dem Traunsteiner Landgericht verliest. Der Täter soll ein 23-jähriger Eritreer sein, geboren in Äthiopien. Mit einer Dolmetscherin und zwei Anwälten ist er am Freitagmorgen vor Gericht erschienen. Allen voran traf es acht Frauen und Mädchen, die der junge Mann 2018 in Trostberg begrapscht haben soll.

Im Rosengarten soll er am 7. April 2018 drei Frauen an die Brüste und ans Gesäß gefasst haben. Eine vierte wollte er wohl küssen. Alle machten ihm aber klar, dass sie das nicht wollten. Am 23. Juli fasste er laut Staatsanwaltschaft dann einer weiteren Frau in einer Trostberger Arztpraxis ans Gesäß.

Einen Tag später soll der Eritreer auf einer Bank an der Alzvor den Augen einer Frau onaniert haben - bis ein Jogger zufällig vorbeikam und sich der Angeklagte aus dem Staub machte. Am 27. Juli hat der Mann laut Anklage eine Frau in der Nähe der Mittelschule begrapscht. Nur einen Tag später soll er am selben Ort dann einer Frau ins Gesicht geschlagen haben und auch einen Jogger gegen den Oberkörper geboxt haben.

Am 5. August dann die vielleicht schockierendsten Taten, die dem Eritreer zur Last gelegt werden: Auf einem Kinderspielplatz an der Jahnstraße soll er zwei Mädchen, zwölf und 15 Jahre alt, ebenfalls in sexueller Absicht berührt haben, wie es die Staatsanwältin ausdrückt. Auch sie machten dem Mann eigentlich klar, dass sie nicht damit einverstanden waren. Ein drittes Kind auf dem Spielplatz, einen elfjährigen Buben, soll der Angeklagte danach geschlagen und getreten haben.

Tags darauf konnte der 23-Jährige in seiner Trostberger Wohnung festgenommen werden, doch hier soll er erheblichen Widerstand geleistet haben. Er soll sogar versucht haben, dem Polizeibeamten die Dienstwaffe zu entreißen. Später habe sich der Angeklagte im Haftraum der Trostberger Polizei dann gegen eine Durchsuchung gewehrt, ein Polizist sei dabei leicht verletzt worden.

Dazu kommt ein Fall aus dem März 2018, bei dem er einer Frau im Trostberger Penny-Markt ins Gesicht gespuckt haben soll. Der 23-Jährige ist angeklagt wegen Beleidigung, sexueller Belästigung, exhibitionistischen Handlungen, Sachbeschädigung, vorsätzlicher Körperverletzung, sexuellem Missbrauch von Kindern, einem sexuellen Übergriff unter Gewaltanwendung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Der Angeklagte leidet unter einer paranoiden Schizophrenie, die sich wohl voll entfaltet hat. Er war daher nicht in der Lage, das Unrecht seiner Taten einzusehen. Rechtlich gesehen ist er nicht schuldfähig, deshalb war er seit Oktober auch nicht mehr in einer gewöhnlichen Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft, sondern im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum.

Nun soll der Angeklagte vom Gericht unter Vorsitz von Klaus Weidmann vernommen werden. Wird er sich selbst äußern? Und ist er geständig?

Der Vorbericht:

Es sind üble Spuren, die ein 23-jähriger gebürtiger Äthiopier in Trostberg vermutlich hinterlassen hat:Acht Frauen und Mädchen soll der junge Mann im Laufe des vorigen Jahres begrapscht haben. Laut Staatsanwaltschaft passierte es im Trostberger Rosengarten, in einer Arztpraxis, auf einer Bank an der Alz und nahe der Mittelschule. Der Prozess beginnt am Freitag um 9 Uhr vor dem Traunsteiner Landgericht.

Angeklagt sind auch die Fälle vom 5. August 2018, als der Angeklagte sich drei Kindern und Jugendlichen auf dem Spielplatz an der Jahnstraße näherte.Eine Zwölfjährige und eine 15-Jährige soll er in sexueller Absicht berührt haben, einen elfährigen Buben soll der Mann geschlagen haben. Dazu kommen weitere Fälle, in denen der Angeklagte angeblich einer Frau ins Gesicht spuckte, vor einer Frau an der Alz onanierte, einer Frau ins Gesicht schlug und sich gegen seine Festnahme durch die Polizei am 6. August 2018 mit Kräften wehrte. 

Die Liste der angeklagten Straftatbestände ist lang: Beleidigung, sexuelle Belästigung, exhibitionistische Handlungen, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung, sexueller Missbrauch von Kindern, ein sexueller Übergriff unter Gewaltanwendung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Für den Prozess ist am Dienstag ein weiterer Verhandlungstag angesetzt.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Gerichtssaal berichten. 

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Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Jens Kalaene/

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