Tropische Hitze durchzieht Bayern

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Temperaturen bis knapp unter die 40 Grad gab es an diesem Wochenende.

Nürnberg - Mancherorts wurde bereits an Temperatur-Rekorden gekratzt - afrikanische Warmluft hat Bayern “Hundstage“ beschert. Für Viele gab es daher am Wochenende nur eine Alternative: Ab ins Freibad.

Die einen suchten Abkühlung im Wasser, andere dösten lieber regungslos unter schattigen Bäumen: Die tropische Hitze mit Temperaturen von bis zu 36 Grad hat am Sonntag in Bayern für einen Ansturm auf Frei- und Strandbäder gesorgt. Die Strände am Brombachsee in Franken waren nach Angaben eines örtlichen Bootsverleihers am Samstag und Sonntag so gut gefüllt wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. “Einen solchen Andrang sieht man hier selten“, berichtete er. Auch in den Freibädern und an den Baggerseen im Freistaat herrschte vielerorts drangvolle Enge.

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Bis zum späten Nachmittag rechnete der Deutsche Wetterdienst in Unterfranken und der Region Nürnberg mit Höchsttemperaturen von bis zu 36 Grad. Sie lägen damit nur noch knapp unter den Rekordmarken des Jahrhundertsommers 2003, berichtete der Meteorologe vom Dienst, Jens Winninghoff, am Sonntag. Damals war in Würzburg ein Spitzenwert von 37,7 gemessen worden. In Nürnberg war die Quecksilbersäule damals auf 37,6 geklettert. Auch wenn der Rekord wohl nicht geknackt werde - ungewöhnlich sei die derzeitige Wetterlage dennoch: “So eine August-Hitze hatten wir in den letzten 20 Jahren nur zwei- oder dreimal“, berichtet der Meteorologe.

Verantwortlich für die Hundstage in Bayern ist nach Winninghoffs Angaben ein stabiles Hochdruckgebiet über Osteuropa. Auf der Vorderseite gelange über Spanien und Frankreich tropische Luft nach Deutschland. Dadurch erlebe derzeit vor allem der Westen Bayerns eine richtiges Afrika-Klima. Das werde dann am Montag weiterziehen und auch Süd- und Ostbayern Spitzentemperaturen von 36 Grad bescheren. Am Sonntag war es in Oberbayern aber auch schon 33 Grad heiß gewesen.

Mit den Hundstagen herrscht auch bei der Wasserwacht Hochkonjunktur. Dabei waren es bei der Wasserwacht in Berchtesgaden kurioserweise Bergwanderer, die die Wasseretter auf Trab hielten. Innerhalb einer Woche hatten die Retter am Königsee sechsmal ausrücken müssen, um Bergwanderer mit ihren Booten zu bergen, informiert die Wasserwacht auf ihrer Internetseite. Einige hatten sich verstiegen und warteten an unzugänglichen Uferbereichen auf Hilfe.

Jede Hilfe zu spät kam hingegen am Samstag für einen 86 Jahre alten Mann, der beim Baden im Tegernsee ertrunken war. Passanten hatten den leblosen Körper des Rentners in Höhe von Rottach-Egern im See treiben sehen. Wiederbelebungsversuche der alarmierten Hilfskräfte blieben erfolglos.

Während sich Urlauber und Wasserratten über das Badewetter freuen, trüben sich die Minen vieler Binnenschiffer ein. Die längere Trockenperiode hat vor allem auf der Donau für Niedrigwasser gesorgt. Auf dem Nadelöhr zwischen Straubing und Vilshofen zwingt der extrem niedrige Wasserstand Binnenschiffer zu Zwangspausen. Auch einige der immer beliebteren Kreuzfahrtschiffe sind nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Regensburg an der Weiterfahrt gehindert.

Auch Wasserkraftwerke bringen wegen der niedrigeren Wasserstände inzwischen nicht mehr die volle Leistung. Wegen der erhöhten Waldbrandgefahr haben die Behörden teilweise zudem Beobachtungsflüge angeordnet, damit aus der Luft Wald- und Flächenbrände frühzeitig entdeckt werden.

Bei unterfränkischen Winzern wächst unterdessen die Sorge, die bereits weit entwickelten Trauben könnten bei der Hitze einen Sonnenbrand bekommen. Bei Temperaturen von bis zu 60 Grad auf steilen Südhängen dellten die Trauben zunächst ein; zugleich werde die Gerbstoffbildung angeregt, die Trauben würden bitter, berichtete ein Weinexperte der Regierung von Unterfranken. Die Folge: Die Trauben müssten entweder von Hand gelesen oder der Traubenmost extra behandelt werden. Wenn Rebpflanzen zu wenig Wasser bekämen, stellten sie zugleich ihr Wachstum ein. Betroffen von diesen Problemen seien besonders die Sorten Bacchus und Riesling.

dpa

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