Pakistani in Amerang mit Grillgabel verletzt

Urteil: Richter spricht den Angeklagten schuldig

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Traunstein/Amerang - Aus heiterem Himmel soll ein Somalier mit einer Grillgabel im Januar auf einen Pakistani eingestochen. Vor Gericht schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Update, 17.35 Uhr: Das Urteil und die Begründung

"Die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik wird angeordnet", verliest der vorsitzende Richter Erich Fuchs das Urteil. Durch die Gefährlichkeit des Vorgehens könne der Tötungsvorsatz geschlossen werden. Die Stiche seien sehr heftig gewesen und hätten äußert gefährliche Regionen in Kopf- und Halsbereich getroffen, die zum Tode hätten führen können.

Der Täter habe nur aufgehört, weil das Tatwerkzeug zu Boden gefallen sei und Leute dazwischen gegangen seien. Ein freiwilliger Rückzug sei nicht geschehen. Der Beschuldigte habe trotz seiner Beeinträchtigung gewusst, dass diese Stiche tödlich hätten enden können. Deshalb sei aus Sicht des Richters sowohl der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung als auch der Tatbestand des versuchten Totschlags gegeben.

Das Motiv bleibe offen. Scheinbar sei der Angeklagte der Meinung gewesen, der Geschädigte hätte ihn schlecht behandelt, was mitunter der psychischen Krankheit geschuldet sein könnte. Der Täter sei bei der Tat nicht voll schuldfähig gewesen. Er leide an einer halluzinatorischen Schizophrenie und sei in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt.

Da davon ausgegangen werden müsse, dass der Angeklagte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weitere Taten begehen könnte, stelle er eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Die erforderlichen Voraussetzungen für die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik seien erfüllt.

Der Beschuldigte trägt die Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche können Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Revision gehen.

Update, 17 Uhr: Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und des Rechtsanwalts

Laut Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner sei die Beweisaufnahme insbesondere durch die Aussagen der Zeugen und Sachverständigen "voll nachgewiesen". Nachgewiesen sei zudem, dass der Beschuldigte den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen habe.

Das Tatwerkzeug sei geeignet gewesen, um das Opfer zu töten. "Nach meiner Überzeugung war die Wahrscheinlichkeit einer Tötung sehr hoch. Es war rein dem Zufall geschuldet, dass der Geschädigte überlebt hat, zumal er hilflos am Boden lag."

Diese "sehr große tödliche Gefahr", die von den Stichen ausgegangen sei, sei definitiv "greifbar und auch für den Angeklagten trotz seiner psychischen Erkrankung erkennbar" gewesen. Tatauslöser sei aus Sicht des Staatsanwalts eine "Einbildung des Angeklagten" gewesen.

Der Beschuldigte könne jedoch für seine Tat nicht bestraft werden, da er zum Tatzeitpunkt nicht voll schuldfähig gewesen sei. Die Voraussetzungen für die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik würden demnach vorliegen.

Aufgrund seiner Erkrankung bestehe eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte weitere ähnliche Taten ausführen könnte. Somit sei der Beschuldigte für die Allgemeinheit als gefährlich einzustufen. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Unterbringung des Geschädigten in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik.

Aus Sicht der Nebenklage fehle es an strafrechtlichen Voraussetzungen, weswegen sich Josef Blenk aus Wasserburg wie die Staatsanwaltschaft für eine Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik ausspricht.

Auch Rechtsanwalt Hans Sachse aus Rosenheim ist ähnlicher Ansicht: "Ich kann mich kurz fassen: Nach Anhörung der Zeugen und Sachverständigen gibt es nichts zu beschönigen." Rechtlich problematisch sei nur die offene Frage nach Körperverletzung oder Totschlag. Hans Sachse aber ist der Meinung, dass eine Unterbringung auf jeden Fall anzuordnen sei, da die Gefahr weiterer Taten durch den Angeklagten durchweg bestehe.

Er zeigt sich jedoch zuversichtlich: "Ich habe gesehen, wie sich sein Zustand nach der medikamentösen Behandlung gebessert hat. Ich war überrascht, wie gut die Behandlung angeschlagen hat und denke, wenn er so weitermacht, ist er auf einem guten Weg."

Laut Richter Erich Fuchs habe der Beschuldigte das letzte Wort. Sein Dolmetscher aber erklärt, der Angeklagte wolle sich nicht äußern. Das Gericht zieht sich nun zur Beratung zurück und wird das Urteil noch am Dienstag fällen.

Update, 16.05 Uhr: Medizinisches und psychiatrisches Gutachten

Das medizinische Gutachten habe ergeben, dass weder der Angeklagte noch der Geschädigte zur Tatzeit Drogen oder Alkohol im Blut gehabt hatten. Das Wesentliche in dem Fall sei für Dr. Florian Fischer vom Rechtsmedizinischen Institut der Universität München das Verletzungspotential: "Wenige Zentimeter weiter und der Täter hätte dem Opfer mit der Grillgabel lebensgefährliche Verletzungen zufügen können."

Es sei "reiner Zufall" gewesen, dass bei dem Angriff nur oberflächliche Verletzungen entstanden seien, die zu keiner konkreten Lebensgefahr geführt hätten.

Laut dem psychiatrischen Gutachten von Oberarzt Dr. Rainer Gerth, Facharzt für Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum, sei der Angeklagte während seines Aufenthalts im ISK zum einen "ruhig und in sich gekehrt" gewesen, zum anderen habe er sich "genervt und aggressiv" verhalten.

Man habe gemerkt, dass er Schwierigkeiten gehabt hatte, seine Gedanken zu kontrollieren, habe niemandem vertraut und "hier raus" gewollt. Er habe vermehrt berichtet, dass er "Stimmen im Kopf" habe.

Im Verlauf der Medikation habe sich sein Zustand deutlich gebessert. "Wir haben es hier mit einer psychischen Erkrankung im Sinn einer schizophrenen Psychose zu tun", versichert Dr. Gerth.

Schizophrene Erkrankungen hätten meist ein Vorläuferstadium im Bereich von mehreren Monaten bis Jahren, erklärt Dr. Gerth in Bezug auf die Vorgeschichte und das Leben im Heimatland des Asylbewerbers. Der Angeklagte habe eine "unsichere Grundpersönlichkeit", was charakteristisch sei für Personen, die paranoide Züge entwickeln. Auch Cannabiskonsum sähen betroffene Personen als Möglichkeit an, die plötzlich auftretenden Gedanken verschwinden lassen zu können.

Aus medizinischer Sicht könne man sagen, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat anders gedacht, gehandelt und empfunden habe. "Mittlerweile würde er anders reagieren", ist Dr. Gerth überzeugt. "Man muss davon ausgehen, dass der Angeklagte krankheitsbedingt durch das innere Erleben und Fehlwahrnehmungen wesentlich reizoffener war sei und viele Dinge subjektiv ganz anderes interpretiert hat, als er das heute tun würde."

Eine Behandlungsbereitschaft bei dem Angeklagten sei vorhanden, weswegen sich Dr. Gerth für eine zeitlich unbegrenzte Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik ausspricht.

Update, 15 Uhr: Weitere Zeugenaussagen

Die Arbeitgeberin des Opfers wollte den Geschädigten um 10 Uhr am Postweg in Amerang abholen, verspätete sich aber um einige Minuten. Sie sei erst nach der Tat dazugekommen, als der Angeklagte bereits verschwunden war. "Wir standen beide unter Schock. Überall waren Blutspritzer. Er sagte nur zu mir: 'Attack'". Sie sei daraufhin mit dem verletzten Mann zum Arzt gegangen.

Der Geschädigte habe ein großes Herz und sei sehr friedfertig. Auf Arbeit gehe er Konflikten aus dem Weg und sei eher "introvertiert". Die sprachliche Verständigung sei "sportlich mit Händen und Füßen" gelungen. Der Zeugin hätte keinerlei Verhaltensauffälligkeiten wahrgenommen.

Nach dem Angriff sei er bis zum 20. Januar krankgeschrieben gewesen. Nachdem er seine Arbeit wieder aufgenommen habe, sei er "noch mehr in sich gekehrt" gewesen. Im Laufe der weiteren Monate habe sich der psychische Zustand des Geschädigten "nur leicht gebessert". Man wisse aber nicht, wie es im Inneren aussehe, so die Zeugin abschließend.

Angeklagte habe "zwei Gesichter"

Der Betreuer der Asylunterkunft in Amerang kennt sowohl den Angeklagten, als auch den Geschädigten. Nach dem Vorfall am 11. Januar sei der Geschädigte "verstört" gewesen. "Ich denke, das hat ihn zumindest anfangs sehr gestresst, dass er auf offener Straße angegriffen wurde. Er sagte auch immer wieder, er verstehe das alles nicht, er habe doch nichts gemacht", schildert der Zeuge.

Der Angeklagte selbst sei etwa drei Monate nach der Tat in ein psychiatrisches Klinikum eingeliefert worden sein, "er wollte nach eigener Aussage die Stimmen in seinem Kopf loswerden". Der Beschuldigte habe laut Ansicht des Betreuers "zwei Gesichter": Einen Tag lang war er sehr freundlich und tags drauf trat er völlig anders auf, zeigte sich in Gesprächen mit den Leitern der Unterkunft teils aggressiv.

"Er hat immer Bier getrunken und extrem viel geraucht, obwohl wir ihm das im Zimmer verboten hatten." Tagsüber habe er sich fast ausschließlich im Zimmer aufgehalten, habe keinen Kontakt zum Helferkreis gepflegt und sich "komplett abgeriegelt". Nachts habe er immer wieder die Unterkunft verlassen. Einige Kinder in der Unterkunft hätten sich vor ihm gefürchtet.

Zeugin: "Das Opfer war am Ende"

Zwei Mitarbeiterinnen einer Metzgerei, die sich in der Nähe des Tatorts befindet, haben den Vorfall am 11. Januar 2017 beobachtet. Sie seien beide gerade bei der Arbeit gewesen, als sie laut der ersten Zeugin "jämmerliche Schreie" vernommen haben. Dann hätten sie gesehen, wie ein Mann einen zweiten an einen Glaskasten bei der Wirtschaft "Wirt von Amerang" gedrückt und gestoßen habe.

Ein Lastwagenfahrer habe laut der ersten Zeugin die Situation ebenfalls bemerkt, sei ausgestiegen und habe gemeinsam mit anderen Passanten auf den Täter in wenigen Metern Entfernung eingeredet. Daraufhin habe dieser dann von seinem Opfer abgelassen und sei seelenruhig davongegangen. "Das Opfer war am Ende. Der Mann lag blutend am Boden und hat sich nicht mehr gerührt. Er hatte keine Kraft mehr, hätte sich nicht mehr wehren können, war fertig", schildern beide Zeuginnen abschließend.

Zeuge: "Pressiert hat es dem Täter nicht!"

Der bereits erwähnte Lastwagenfahrer äußert sich wie folgt zum Tattag: Er habe am Straßenrand eine Rauferei bemerkt. Als er ausgestiegen sei, habe er erkannt, dass es sich um eine "einseitige Rauferei" handelte. "Einer hat geschlagen, der andere war fertig." Er habe dem Angeklagten zugerufen, er solle aufhören. Abgelassen habe er jedoch erst, als ein zweiter Mann dazu gekommen sei. "Dann entfernte er sich langsam vom Tatort", sagt der Zeuge. "Pressiert hat es dem Täter nicht."

Ein weiterer Zeuge, ein Ameranger, erinnert sich folgendermaßen an den Tathergang im Januar: "Ich saß im Auto und habe im Rückspiegel gesehen, wie zwei Männer miteinander energisch raufen. Ich bin ausgestiegen, hingegangen und wollte schlichten." Als er näher hinzugekommen sei, habe er bemerkt, dass einer der beiden geblutet habe. Mit weiteren Passanten habe er auf den Täter eingeredet. "Als der Täter merkte, dass mehr Leute kamen, ging er seelenruhig weg."

Update, 12.40 Uhr: Der Geschädigte äußert sich

Der Geschädigte schildert den Tattag aus seiner Sicht: Er sei auf dem Weg zur Arbeit gewesen und habe an der Bushaltestelle gewartet. Er sei "sehr mit dem Handy beschäftigt" gewesen. Aus dem Augenwinkel heraus habe er den Angeklagten etwa vier Meter entfernt gesehen und sich noch gefragt, warum er bei dieser Kälte nur ein T-Shirt trage.

Plötzlich habe sich der Angeklagte abrupt genähert und wortlos zugeschlagen. Der Geschädigte sei daraufhin über die Straße weggelaufen. Der Angeklagte sei ihm gefolgt und habe "immer weiter geschlagen", das Opfer habe seine Hände schützend vor den Kopf gehalten. Der Beschuldigte stach daraufhin mit der Grillgabel in seine Hand.

Nachdem sich mehrere Leute genähert und geschrien hätten "Lass ihn los, geh weg, wir rufen die Polizei!", habe der Beschuldigte schließlich von ihm abgelassen. Er habe die Gabel fallen gelassen und sei gegangen.

Erinnerungen an die Umstände der Flucht seien wieder präsent

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner hakt noch einmal nach: Warum der Angeklagte nicht weiter zugestochen, sondern nur mehr geschlagen habe, bevor er abließ? Das Opfer erklärt, es habe die Hände des Angreifers festhalten können, damit er nicht mehr zustechen konnte. "Daraufhin hat er angefangen, mit dem Kopf in meine Richtung zu stoßen." Erst als viele Leute dazukamen und einige Autos anhielten, habe der Angeklagte von ihm abgelassen und sei weggegangen.

Der Geschädigte sei an der Hand, am Kopf und am Auge verletzt worden. Er sei direkt nach dem Angriff etwa eine Stunde lang behandelt worden. Die kommenden zwei Wochen sei er täglich zur Nachsorge erschienen. Bleibende Schäden habe er laut eigener Aussage nicht erlitten, die äußeren Verletzungen seien vollständig verheilt.

Seit dem Angriff jedoch habe er mit psychischen Problemen zu kämpfen, schlafe schlecht und leide unter Albträumen. Nach wie vor sei er deshalb in Behandlung und müsse Medikamente gegen Angst- und Panikattacken nehmen. Erinnerungen an die Umstände seiner Flucht und das frühere Leben in seinem Heimatland seien seit dem Angriff im Januar 2017 wieder präsent.

Der Prozess wird um 14 Uhr fortgeführt.

Update, 11.45 Uhr: Erste Sachverständige machen ihre Aussagen

Der erste Sachverständige, Dr. Rainer Gerth, Facharzt für Psychiatrie im Innsalzach-Klinikum Wasserburg, schildert dem Gericht das Treffen mit dem Angeklagten. Es sei ausgesprochen schwierig gewesen, sich mit dem Angeklagten aufgrund der fremden Sprache trotz Dolmetschers zu verständigen. Auch bezüglich des Alters hätten sich widersprüchliche Aussagen ergeben.

Seit 2007 habe der Angeklagte Zigaretten geraucht und seit seiner Ankunft in Deutschland im Juli 2015 Alkohol konsumiert. Der regelmäßige Alkoholkonsum – vorwiegend Bier – habe bei dem Asylbewerber ein "aggressives Verhalten" ausgelöst. Bereits in seinem Heimatland habe er Cannabis konsumiert. Andere Drogen habe er nach eigener Aussage nicht genommen. Der Angeklagte lauscht den Äußerungen des Sachverständigen regungslos und mit gesenktem Kopf.

Opfer in Vernehmung: "Er will mich umbringen!"

Der Geschädigte habe der Polizeibeamtin gegenüber in seiner Vernehmung erklärt, er habe "Todesangst" durchstanden, als die Grillgabel seine rechte Hand durchstochen habe. "Er will mich umbringen", habe er gesagt.

Die Auseinandersetzung am Tattag sei durch das verbale Einwirken mehrerer Passanten beeinflusst worden. Das Opfer habe es dadurch geschafft, sich hochzurappeln und zu wehren, habe die Arme des Beschuldigten festhalten können. Der Angeklagte jedoch habe weiter versucht, das Opfer zu schlagen und ihm eine Platzwunde am linken Auge verpassen können. Mit Nachdruck hätten die Passanten auf den Angeklagten eingewirkt, einer habe auf Englisch "Police" gerufen, um die Attacke zu stoppen.

Durch die verbalen Einwirkungen sei der Angeklagte nach Ansicht der Polizeibeamtin bei der Tatausführung wohl gestört worden und habe schließlich vom Geschädigten abgelassen, das Tatwerkzeug fallen gelassen und sei zurück zur Asylunterkunft gegangen. Mehrere Passanten seien dem Opfer dann zu Hilfe gekommen, hätten die Polizei verständigt. Kollegen der Polizeiinspektion Wasserburg hätten den Beschuldigten kurze Zeit später in der Unterkunft festgenommen.

"Es war nur Kämpfen und als einige Leute kamen, war der Kampf aus"

Der Geschädigte habe laut eigener Aussage keinen näheren Kontakt zu dem Angeklagten gehabt. Es habe nie Streit gegeben, habe er in seiner Vernehmung angegeben. Er habe sich außerdem nicht mit dem Beschuldigten unterhalten können, da sie nicht die gleiche Sprache sprächen.

Auf die Frage der Beamtin, ob der Angeklagte den Geschädigten verletzen oder gar umbringen wollte, habe der Beschuldigte in der Vernehmung erklärt: "Es war nur Kämpfen und als einige Leute kamen, war der Kampf aus." Weiterhin habe er geäußert, es sei ein Fehler gewesen, mit dem Geschädigten zu kämpfen.

Weitere Untersuchungen hätten ergeben, dass es in der Unterkunft in Amerang schon einmal im Rahmen einer Feier zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und einem Bewohner gekommen sei.

Angeklagter habe sich "widerstandslos" festnehmen lassen

Der nächste Zeuge, ein Polizeibeamter aus Wasserburg, sei als erster zusammen mit einer Kollegin am Tatort angekommen und habe den Geschädigten in der Praxis angetroffen. Aufgrund der Sprache habe man sich jedoch nur schwer mit dem Mann verständigen können. Mehrere Zeugen hätten den Polizeibeamten daher die Auseinandersetzung geschildert.

Am Tatort selbst hätten sie die Grillgabel im Schnee steckend sichergestellt und den Ermittlern übergeben. Aufgrund der Personenbeschreibung durch die Zeugen habe er mit seiner Kollegin den Beschuldigten in der nahe liegenden Asylunterkunft angetroffen. Der Angeklagte habe sich laut dem Polizeibeamten widerstandslos festnehmen lassen, sich "sehr ruhig" verhalten.

Update, Dienstag, 10.35 Uhr: Prozessbeginn

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner verliest zu Beginn des Prozesses die Anklageschrift: Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll es am 11. Januar 2017, gegen 10 Uhr, zu dem Angriff am Postweg nahe der Gaststätte "Wirt von Amerang" gekommen sein.

Der Angeklagte soll mehrfach mit einer etwa acht Zentimeter langen Grillgabel auf den Geschädigten eingestochen haben. Das Opfer erlitt zahlreiche Verletzungen und Prellungen am Körper sowie eine Platzwunde im Gesicht. Mit der Gabel habe der Angeklagte die rechte Hand des Opfers durchstochen, der Angeklagte verletze ihn ebenso am Hals.

Obwohl zu keiner Zeit konkrete Lebensgefahr bestanden habe, sei es dem Zufall geschuldet gewesen, dass der Geschädigte keine tödlichen Verletzungen erlitt. Der Geschädigte habe ambulant behandelt werden müssen, litt unter starken Schmerzen und sei drei Wochen arbeitsunfähig gewesen.

Der Beschuldigte habe nach Ansicht der Staatsanwaltschaft bei dem Angriff tödliche Verletzungen billigend in Kauf genommen. Da er zur Tatzeit an einer akuten paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie litt, wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten im Zustand der Schuldunfähigkeit den Tatbestand des versuchten Totschlags mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Der Dolmetscher des Angeklagten erklärt dem vorsitzenden Richter Erich Fuchs, der Angeklagte wolle sich weder zur Tat noch zu seinen persönlichen Verhältnissen äußern und schweige zu den Vorwürfen.

Vorbericht

Im Januar kam es zu einem folgenschweren Aufeinandertreffen zweier Asylbewerber in Amerang: Ein 21-jähriger Pakistani befand sich am Morgen des 11.Januar in der Bahnhofstraße in der Ortsmitte der Gemeinde, als er einen 20-jährigen Mann aus Somalia nur wenige Meter hinter sich bemerkte. Ohne erkennbaren Grund soll der Mann aus Ostafrika plötzlich eine lange Grillgabel gezogen und auf den Wartenden losgegangen sein.

Nach einer kurzen Flucht soll der Angreifer schließlich sein Opfer eingeholt und mehrfach in Richtung dessen Kopf mit dem gefährlichen Werkzeug eingestochen haben. Seine Hand, die der Pakistani am Boden schützend vor sein Gesicht gehalten hatte, sei dabei mit der Gabel durchstochen worden. Der Geschädigte trug zudem Verletzungen im Bereich des Nackens davon. Erst zwei hinzugekommene Passanten, die den Angriff beobachtet hatten, konnten durch lautes Rufen und Drohen mit der Polizei verhindern, dass der Angreifer weiter auf sein Opfer losging. Der Somalier habe die Waffe fallengelassen und sei geflohen.

Die daraufhin alarmierten Beamten der Polizeiinspektion Wasserburg konnten den Flüchtigen kurze Zeit später in der Asylbewerberunterkunft in Amerang festnehmen. Nach einem vorläufigen Unterbringungsbefahl durch einen Ermittlungsrichter am Rosenheimer Amtsgericht wurde der Beschuldigte schließlich in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert.

Verhandlung am Traunsteiner Landgericht am Dienstag

Da der Angreifer zum Tatzeitpunkt an einer akuten paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie gelitten habe, sei seine Steuerungsfähigkeit wohl stark beeinträchtigt gewesen, so der aktuelle Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft. Obwohl während der Tat anscheinend zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Lebensgefahr für den attackierten Pakistani bestanden haben soll, müsse man trotzdem davon ausgehen, dass der Somalier den Tod des anderen Mannes billigend in Kauf genommen habe.

Deshalb muss sich der somalische Asylbewerber am Dienstag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Ab 9 Uhr wird sich die 5. Strafkammer des Traunsteiner Landgerichts mit dem Fall beschäftigen. Ein Fortsetzungstermin ist für den kommenden Donnerstag geplant.

**chiemgau24.de berichtet dann direkt aus dem Gerichtssaal in Traunstein**

Quelle: chiemgau24.de

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