Erneute Verhandlung in Traunstein

Genauer Ablauf zum Unfall-Tod von Dennis kann nicht mehr festgestellt werden

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Die Beklebung dieses Jeeps macht die Unzufriedenheit in Dennis' Umfeld deutlich: Die Staatsanwaltschaft konnte die Unfallursache nicht ermitteln.

Traunstein/Taufkirchen/Peterskirchen - Zwei Motorradfahrer starben bei einem Frontal-Crash 2015 zwischen Taufkirchen und Peterskirchen. Am Donnerstag sollte am Landgericht Traunstein erneut ein Versuch unternommen werden, die Schuldfrage zu klären.

  • Im August 2015 kam es zwischen Taufkirchen und Peterskirchen zu einem tödlichen Motorrad-Unfall.
  • Der Fall war schon mehrfach vor Gericht, doch die Eltern vom verstorbenen Dennis (18) wollen "endlich Gewissheit bekommen, was damals passiert ist."
  • Erschütterte Zeugin sagt aus, dass das Motorrad von Dennis auf der korrekten Fahrspur fuhr.
  • Ein zweiter Zeuge, der mit Dennis unterwegs war, wiederholt seine früheren Aussagen.
  • Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich die Frage nach dem Unfallverursacher nicht eindeutig klären lasse.
  • Nach den Aussagen der beiden Zeugen und des Gutachters kann das Gericht weiterhin keinen genauen Ablauf feststellen.

Update, 17.14 Uhr: Richter: "Wir haben keine gesicherten Erkenntnisse, dass..."

"Der Vorfall ist lange her, das Verfahren zieht sich schon lange. Die Zeugen wurden immer wieder vernommen", erklärt der Richter nach der Fortsetzung des Prozesses. "Wie viel von diesen Aussagen ist dann wirklich noch ihre Erinnerung? Was wurde vielleicht, völlig unbewusst, durch spätere Erfahrungen beeinflusst?" Es sei ein ungewöhnliches Verfahren. Die Umstände schwierig zu klären. "In der Sachverständigen-Zunft wurde das aufmerksam verfolgt."

Es sei unklar, was sich genau zum Geschehen aufklären lässt. "Wir haben keine gesicherten Erkenntnisse, dass einer der Fahrer etwas falsches getan hat. Wir wissen nur: Irgendwann hat Dennis eine Abwehrreaktion gemacht. Dann prallte das andere Fahrzeug in seine rechte Seite."


"Das Gericht weist die Parteien darauf hin, dass auch nach der Beweisaufnahme, insbesondere unter Berücksichtigung der beiden Zeugen und den Ausführungen des Sachverständigen, der genaue Ablauf des Geschehens im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden könne", erklärt der vorsitzende Richter schließlich. "Wobei das Gericht ausdrücklich darauf hinweist, dass es den Angaben der beiden Zeugen Glauben schenkt."

Hinsichtlich von Schadensersatzansprüche der Familie von Dennis gegenüber der Versicherung des verstorbenen Motorradfahrers wird ein Vergleich geschlossen.

Update, 16.11 Uhr: Gutachter: "Die Spurenlage wurde nach dem Unfall verändert"

Da alle Prozessbeteiligten bereits den Inhalt seines umfangreichen Gutachtens kennen, fasst der Gutachter nur die wesentliche Aussagen zusammen. Aus technischer Sicht alleine könne er zum Fahrverhalten der Beteiligten vor dem Zusammenstoß keine Angaben machen.

Weiter könne er zwar den Kollisionsort eingrenzen, der zur Aussage der Beifahrerin passe. "Allerdings wurde die Spurenlage nach dem Unfall verändert. Denn die Rettung und Versorgung der Unfallbeteiligten hatte zunächst im Vordergrund gestanden. Punktgenaue Schlagmarken wurden nicht gesichert." Es sei daher aus technischer Sicht unklar, auf wessen Seite der Zusammenstoß stattfand. Auch lasse sich technisch nicht klären, wer auf wessen Spur geraten war.

Sicher sei nur, dass der Aufprall des anderen Motorrads auf der rechten Vorderseite von Dennis Fahrzeug erfolgte. "Plausibel ist aufgrund der niedrigen Kollisionsgeschwindigkeiten beider Motorräder und der zu erwartenden höheren Ausgangsgeschwindigkeit, dass auf Seiten von Dennis eine Reaktion in Form von Abbremsen vorlag, die dazu führte, dass sein Fahrzeug nach links getragen wurde." Technisch gesichert sei, dass sein Motorrad abgebremst wurde. Es könne aber nicht geklärt werden, wann und wie lange.

Aus technischer Sicht seien die Aussagen der Beifahrerin und des anderen Motorradfahrers aus Dennis Gruppe plausibel. Wegen unfallbedingter Gedächtnislücken der Beifahrerin sei es aber schwierig, anhand von deren Aussage den exakten Ablauf des Zusammenstoßes zu klären.

Es folgt eine kurze Unterbrechung der Sitzung.

Update, 15.33 Uhr - Richter zu den Zeugen: "Es tut uns leid, dass sie da noch einmal durch müssen" 

Zunächst sagen zwei Zeugen des Unfalls aus. Diese haben bereits in vorhergehenden Verhandlungen ausgesagt. Da die Richter ihre Aussage noch nicht selbst gehört haben, bitten sie die beiden erneut auszusagen. "Es tut uns leid, dass sie da noch einmal durch müssen", erklärt der vorsitzende Richter. "Aber wir möchten hierbei nicht nur rein nach den Protokollen gehen."

Zunächst sagt die Beifahrerin von Dennis aus. Sie wiederholt noch einmal ihre Aussage aus vorherigen Prozessen. Sie ist sichtlich noch immer erschüttert von der Erinnerung, tut sich teilweise zunehmend schwer zu sprechen. Der vorsitzende Richter reagiert verständnisvoll. Teils entschuldigt er sich für die Notwendigkeit von Nachfragen, erlaubt ihr immer wieder Pausen, um sich zu fassen.

Sie erklärt erneut, gesehen zu haben, dass das entgegenkommende Motorrad immer weiter auf die Spur von Dennis Fahrzeug kam. Auf Vorhalt ihrer Aussage im Prozess 2017 betont sie, kurz vor dem Zusammenstoß habe sie gesehen, dass das Motorrad von Dennis auf der korrekten Fahrbahnseite fuhr, weil sie den Mittelstreifen deutlich links von sich sah.

"Wie konnten sie in diesen wenigen Sekunden vor dem Zusammenstoß sehen, dass das Motorrad des anderen Fahrers immer näher zum Mittelstreifen kam und diesen schließlich überquerte?", fragt er weiter. "Ich kann nur wiederholen, dass ich das so gesehen habe", erwidert sie.

"Heute, nach vier Jahren, wollen sie sich da sicher sein", setzt der Jurist nach. "Aber unmittelbar nach dem Unfall haben sie noch ausgesagt, dass sie nicht wüssten, wer auf den anderen zugefahren ist." Die Erinnerung sei erst später gekommen, erklärt die junge Frau. Als sie später noch einmal am Unfallort war, sei sie zurückgekehrt. Auch dies habe sie aber bereits in früheren Verhandlungen ausgesagt.

Dann folgt die Aussage eines der Motorradfahrer, die mit Dennis in einer Gruppe an diesem Tag unterwegs waren. Er fuhr unmittelbar vor Dennis. Auch er wiederholt im wesentlichen seine früheren Aussagen. Weil er nur knapp an dem entgegenkommenden Motorradfahrer vorbeikam, habe er noch in den Rückspiegel geblickt. Dabei habe er den Zusammenstoß gesehen. Er sei dann sofort zum Unfallort geeilt, habe das Motorrad von Dennis und seiner Beifahrerin gehoben.

Es folgt die Aussage des richterlich beauftragten Gutachters

Erstmeldung

Es gehe ihnen vor allem um eines, betont Dennis' Familie: "Dass wir endlich Gewissheit bekommen, was damals passiert ist." Immer wieder würden sie gefragt, warum sie die Sache nicht einfach ruhen lassen könnten. "Weil wir nicht bis zu unserem Lebensende mit dieser Ungewissheit dastehen wollen!"

Unfall im August 2015

Im August 2015 war ihr 18-jähriger Sohn Dennis mit einem 57-Jährigen zwischen Taufkirchen und Peterskirchen nahe der Landkreisgrenze auf seinem Motorrad zusammengestoßen. Beide starben, die 18-jährige Sozia des Unterreiters überlebte schwer verletzt. 

Schlimmer Motorradunfall an der Landkreisgrenze

Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend.
Schwerer Motorradunfall zwischen Taufkirchen und Peterskirchen am Freitagabend. © FDL/BeMi

Dennis' Familie ist allerdings überzeugt, dass bei den Ermittlungen nicht ordentlich vorgegangen wurde. Sein Vater zeigt eine Kopie der alten Ermittlungsakte. Diese ist inzwischen schon stark abgegriffen, sichtlich zahllose Male durchgeblättert worden und übersät mit Anmerkungen und Notizen. "Da passt einfach zu viel nicht zusammen", klagt er. 

Gutachten liegt nun vor

Der Fall war daher schon mehrmals vor Gericht. Zuletzt im September 2018. Auch damals kam es zu keinem Ergebnis. Allerdings forderte der vorsitzende Richter ein richterliches Gutachten an. Nun soll die Sache erneut am Donnerstag, den 28. November ab 13.30 Uhr in Traunstein verhandelt werden. 

Das angeforderte Gutachten liegt inzwischen vor. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich die Frage nach dem Unfallverursacher nicht eindeutig klären lasse, berichtet die Familie. 

hs

Quelle: chiemgau24.de

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