Prozessbeginn im Todesfall Marco G. am Montag

Gutachter: Es war nicht nur eine "Watschn"

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Traunstein/Rosenheim - Im Prozess zum Fall Marco G. hat am Nachmittag ein medizinischer Gutachter ausgesagt. Marco müsse demnach einen harten Schlag erhalten haben.

Update 17 Uhr: Mehr als nur eine Ohrfeige

Nach der Mittagspause wurden weitere drei Zeugen zum Fall gehört. Die ersten Beiden kamen aus dem näheren Umfeld des Angeklagten und kennen den im Kosovo geborenen Mann bereits seit 19 bzw. 8 Jahren. Beide waren am Tatabend gemeinsam mit ihm auf dem Herbstfest und danach in der Discothek unterwegs.

In ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei in Rosenheim, wollten sie nichts von den Vorgängen vor der Lokalität mitbekommen haben. Beide gaben an, weder einen Schlag noch eine vorausgehende Beleidigung durch Gesten gesehen zu haben. Geraume Zeit nach der ersten polizeilichen Vernehmung hatten sie sich nochmals gemeldet, um neue Angaben zum Fall zu machen. Darin und schließlich auch vor Gericht gaben die Zeugen an, die Beleidigung durch den Mittelfinger und die anschließende „Watschn“ genau beobachtet zu haben. Die Frage des vorsitzenden Richters, ob man sich nach der Tat und vor der Verhandlung über den Vorfall untereinander unterhalten habe, verneinten beide Zeugen.

Der dritte Zeuge gab an, sowohl den Angeklagten als auch Marco G. schon längere Zeit gekannt zu haben. Er berichtete als Einziger davon, dass es bereits im Inneren der Diskothek zu Streitigkeiten und einem Handgemenge zwischen den beiden gekommen sein soll.

Nach einer weiteren kurzen Unterbrechung wurde zunächst ein Teilvergleich zwischen dem Rechtsanwalt des Angeklagten und der Nebenklage, dem Vertreter der Eltern von Marco G. geschlossen. Darin verpflichtete sich der Angeklagte eine Wiedergutmachung in Höhe von 5000 Euro zu leisten, weitere mögliche Forderungen in Form von Schmerzensgeld blieben davon jedoch unberührt.

Im Folgenden berichtete der medizinische Gutachter im Verfahren über die Erkenntnisse aus der Obduktion. Nach der Tat konnte bei Marco ein nicht unerheblicher Alkohol-Wert im Urin und im Blut festgestellt werden. Der Gutachter kam zu dem Schluß, dass zum Tatzeitpunkt eine Alkoholisierung von ungefähr 1,6 Promille vorgeherrscht haben müsste. Welche Auswirkungen dieser Wert auf das Verhalten von Marco gehabt haben könnte, konnte der Mediziner nicht nachvollziehen. Aufgrund einer Alkohol-Gewöhnung hätte sich eine hohe Toleranz einstellen können, die dazu geführt haben könnte, dass gröbere Ausfallserscheinungen ausblieben. Für ein Mißbrauch illegaler Drogen fand der Gutachter keine Anzeichen.

Sicher war sich der Rechtsmediziner in Hinblick auf die Gewalteinwirkung. Eine Ohrfeige könne er nicht mit den entstandenen Verletzungen im Gesicht in Einklang bringen, beim Angriff muss es sich mindestens um einen mit hoher Intensität geführten Handkanten- oder Faustschlag gehandelt haben. Die Schäden im Bereich des Schädels deuteten auf ein „klassisches Sturztrauma“ hin, so der Gutachter, die Tatsache dass Marco reflexlos zu Boden ging, könnten darauf hinweisen, dass er bereits durch den Schlag ohnmächtig wurde. Durch den Aufprall auf dem groben Kopfsteinpflaster am Tatort, waren dermaßen schwere Verletzungen entstanden, dass auch eine sofortige ärztliche Versorgung nichts mehr am Tod von Marco G. geändert hätte, so der Mediziner.

Die Verhandlung wird am 7. April fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden, darunter ein Mann, der den Tathergang aus der unmittelbaren Umgebung beobachtet haben soll, sich aber erst im Nachhinein nach Medienaufrufen gemeldet hat.

Update 13.40 Uhr: Video und vier Zeugenaussagen

Nach der kurzen Verhandlungspause wurde das Überwachungsvideo der Diskothek von allen Anwesenden in Augenschein genommen. Auf der Aufnahme ist klar erkennbar, wie Marco zu Boden geht. Wie es zur Tat kam, ob der Angeklagte mit der Faust oder der flachen Hand zugeschlagen hat und ob kurz vor dem Schlag ein Dialog zwischen Marco und dem Angeklagten stattgefunden hat, konnte auf dem Video nicht eindeutig festgestellt werden.

Nach dem Sichten des Videomaterials wurden insgesamt vier Zeugen vernommen. Zwei der Zeugen waren mit Marco am Abend unterwegs gewesen und befanden sich zum Tatzeitpunkt in unmittelbarer Nähe. Der erste Zeuge gab an, Marco schon längere Zeit gekannt zu haben. Am Abend soll er angetrunken, dabei aber nicht auf Streit aus gewesen sein und sich stets "lustig" und respektvoll anderen gegenüber verhalten haben. Er könne sich weiter nicht erinnern, dass sich Marco jemals aggressiv und provozierend Dritten gegenüber verhalten hätte. Der Tat sei ebenso keinerlei Provokation vorausgegangen, der Schlag mit der Faust soll vollkommen unvermittelt erfolgt sein. Die zweite Zeugin bestätigte diese Aussagen, konnte aber keine genaueren Angaben zur Tat machen. Sie habe das Ereignis lediglich im Augenwinkel mitbekommen und erst als Marco bereits am Boden gelegen habe, festgestellt, "dass etwas nicht in Ordnung" sei. Sie habe danach den Angreifer verfolgt, konnte ihn jedoch nicht einholen und kehrte dann zur Diskothek zurück.

Die beiden anderen Zeugen hatten den Abend mit dem Angeklagten zuerst auf dem Herbstfest und danach in der Diskothek verbracht. Die weibliche Zeugin konnte aufgrund ihrer erheblichen Alkoholisierung keine genauen Angaben zur Sache machen. Sie sei sich nur sicher, dass der Angeklagte keinen Alkohol zu sich genommen hatte und in der Regel ein sehr friedlicher und freundlicher Mann sei. Der männliche Zeuge konnte den Hergang genauer schildern. Nach dem kurzen Aufenthalt auf dem Herbstfest sei man mit drei weiteren Freunden, insgesamt also zu fünft, in die Diskothek gegangen. Als man gegen 3 Uhr früh draußen eine Zigarette geraucht habe, sei der Angeklagte mit ausgestrecktem Mittelfinger kurz vor dessen Gesicht von Marco beleidigt worden. Zu diesem Zeitpunkt habe der Mann aus dem Kosovo am Boden gesessen, Marco soll dicht bei ihm gestanden haben. Daraufhin soll der Angeklagte aufgestanden sein und Marco mit den Worten "Wem zeigst du Wichser?" eine Ohrfeige verpasst haben. Marco stürzte zu Boden und die Gruppe verließ den Ort des Geschehens, da man, so der Zeuge, mit der Polizei nichts zu tun haben wollte.

Nach der Mittagspause wird der Prozess mit der Anhörung eines Türsteher und eines Polizisten fortgesetzt. Außerdem folgt noch ein weiterer Gutachter.  

10.57 Uhr: Zwei verschiedene Versionen der Tat

Im Prozess zum Fall Marco G. wurde nun das Psychologische Gutachten vorgetragen, das eine absolut unauffällige Diagnose beim Angeklagten erbrachte. Auch die Ergebnisse der Haar- und Urintests bestätigten die Aussage des Angeklagten, zum Tatzeitpunkt weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss gestanden zu haben.

Im Anschluss wurde der Polizeibeamte angehört, der nach der Tat die Zeugen vernommen hatte. Er sagte aus, dass ihm dabei zwei Versionen des Tatablaufs geschildert wurden: Die Begleiter des Angeklagten erzählten, dass dem Schlag eine Provokation durch Marco G. vorangegangen sei; er habe dem 25-jährigen Angeklagten über eine längere Dauer den Mittelfinger gezeigt, was der Angeklagte zunächst auch noch ignoriert habe. Der 25-Jährige sagte selbst dazu, dass er diese Geste "als respektlos und beleidigend empfunden" habe. Schließlich deckten sich die Aussagen des Angeklagten und seiner Begleiter gegenüber dem Polizeibeamten darin, dass der 25-Jährige Marco G. mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe.

Die Freunde von Marco G. aber brachten eine andere Version der Ereignisse vor: Der Angeklagte habe mit der Faust zugeschlagen, eine Provokation ging dieser Tat aber nicht voraus.

Nach einer kurzen Pause wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird das Überwachungsvideo der Discothek gesichtet werden.

9.35 Uhr: Angeklagter wendet sich an die Eltern

Zu Prozessbeginn richtete der Angeklagte ein paar Worte an die anwesenden Eltern von Marco. Er habe ihrem Sohn "unendlichen Schmerz zugefügt" und werde "die Verantwortung für das Handeln übernehmen", auch "gegenüber Gott". Er sei sich bewusst, dass diese Worte keine Entschuldigung für seine Taten seien, "ich wollte das nicht". Weiter sprach der aus dem Kosovo stammende Mann den Eltern sein Beileid aus und ließ danach durch eine Erklärung über seinen Rechtsanwalt den Tathergang erläutern.

Der Angeklagte gab darin an, zum Tatzeitpunkt nicht alkoholisiert gewesen zu sein. Unmittelbar vor der Tat soll ihm Marco den Mittelfinger gezeigt haben. Von dieser Geste fühlte sich der Angeklagte persönlich angegriffen.

Die Verhandlung wurde nach einer kurzen Pause fortgesetzt.

21-Jährigen vor Disco erschlagen

Vorbericht

Vielen ist der Tod von Marco G. (21) aus Bad Aibling noch schmerzlich in Erinnerung. Der gelernte Molkerei-Fachmann war in den frühen Morgenstunden des 8. September 2013 vor einer Diskothek in Rosenheim angegriffen worden. Heute findet der Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht in Traunstein statt.

Lesen Sie dazu:

Der Angeklagte, ein 25-Jähriger aus dem Kosovo, soll Marco G. grundlos mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Durch den Schlag soll Marco so unglücklich zu Boden gestürzt sein, dass er mit dem Hinterkopf aufschlug und sich dadurch unter anderem einen Schädelbruch und Einblutungen im Unterkiefer zugezogen hatte. Trotz der medizinischen Behandlung im Krankenhaus Rosenheim verstarb der 21-Jährige kurze Zeit später an den Folgen der schweren Verletzungen.

Der Tatverdächtige, der in Rosenheim wohnt, wird heute wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Für den Prozess vor der 5. Strafkammer des Traunsteiner Landgerichts sind zwei Verhandlungstage angesetzt. Es werden mehrere Zeugen und Sachverständige gehört.

Rosenheim24 ist für Sie vor Ort und berichtet aktuell von den Ereignissen im Gerichtssaal.

Quelle: chiemgau24.de

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