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Versuchter Messer-Mord in Trostberg

Urteil gefallen: Alle fünf Angeklagten sind schuldig 

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Für die fünf Angeklagten fällt am heutigen Freitag, 2. August, das Urteil am Landgericht Traunstein. 
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Trostberg/Traunstein - Im September 2016 kam es zu einem brutalen Messerüberfall in einer Trostberger Wohnung. Fünf junge Männer mussten sich deswegen am Freitag wegen versuchten Mordes und besonders schwerem Raub vor Gericht verantworten. Nun ist das Urteil gegen die Angeklagten am Landgericht Traunstein gefallen: 

UPDATE, 11.45 Uhr: Das Urteil ist gefallen 

Das Urteil:

Der vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann erklärt, alle fünf Angeklagten seien jeweils schuldig. Er spricht folgendes Urteil im Namen des Volkes:

  • Thomas J.: 11 Jahre, 6 Monate
  • Adrian K.: 6 Jahre
  • Marvin P.: 8 Jahre, 6 Monate
  • David B.: 4 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe
  • Martin Z.: 3 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe

Die Angeklagten hören dem Urteil teils mit gesenktem Kopf und versteinerter Mimik zu.

Die Urteilsbegründung:

Alle fünf Angeklagten hätten keinen leichten Werdegang in ihrer jeweiligen Entwicklung bis hin zur Tat gehabt. Dr. Weidmann stellt dennoch fest, dass die Jugendkammer als Schwurgericht aufgrund der Anzahl von drei Erwachsenen, die im Laufe des Prozesse „größere Probleme“ bereitet hätten, vielmehr als Erwachsenen-Gericht agiert hätte.

Hinsichtlich Tatplanung und Vorgesprächen stützt sich das Gericht auf die Angaben der Angeklagten Marvin P. und David B. sowie der 18-jährigen Zeugin und Ex-Verlobten von David B., die für das Gericht „Kronzeugin“ war. Sie habe eine Schlüsselrolle im Prozess gehabt, da sie durchgehend mit allen Beteiligten der Tat, sowohl Tätern als auch Opfern, Kontakt gepflegt habe. Die Zeugin habe laut Dr. Klaus Weidmann „nicht gespielt und glaubwürdig“ ausgesagt. Man habe gemerkt, dass es ihr nicht leicht gefallen sei, vor Gericht auszusagen und man habe eine emotionale Bindung zwischen ihr und den Beteiligten spüren können.

Mitunter aufgrund der Aussage jener Zeugin geht das Gericht nun davon aus, dass der Hauptangeklagte Thomas J. bei früheren Treffen an der Alz dabei gewesen sei und sich zu dem Überfall auch bereit erklärt habe. Damit steht für Dr. Klaus Weidmann eindeutig fest: „Thomas J. ist unser zweiter Mann, da beißt die Maus keinen Faden ab!“ Die Ahnungslosigkeit, die Thomas J. den Richtern vorgeführt habe, sei für Dr. Weidmann „weit weg von nachvollziehbarer Realität“. Nicht nur das Zeit-Weg-Verhältnis sondern auch die Tatsache, dass er zurück in das „Gangsterauto“ gestiegen sei, könne das Gericht nicht verstehen, wenn Thomas J. doch angeblich unbeteiligt gewesen sei.

Da die drei Angeklagten Martin Z., David B. und Marvin P. schon einmal in der Trostberger Wohnung waren und den 17-jährigen Dealer gekannt hätten, sei es laut Dr. Weidmann hinsichtlich auf Statur, Mimik und Stimme „natürlich sinnvoll überlegt“ gewesen, Adrian K. und Thomas J. als Fremde in die Wohnung zu schicken.

Den Vorschlag der Anwälte von Thomas J., den 27-jährigen Marvin P. als Alternativtäter anzuklagen lehnte das Gericht ab. „Dass Marvin P. in ersten Vernehmungen nicht genannt wurde, liegt wohl daran, dass die übrigen Angeklagten seine Tatbeteiligung als sehr gering eingeschätzt haben. Zudem wussten sie, dass Marvin P. bereits mehrfach im Gefängnis saß und zum Zeitpunkt der Tat außerdem auf Bewährung war“, begründet der vorsitzende Richter.

Obwohl die Angeklagten – bis auf Martin Z. als Fahrer – vor der Tat verschiedene Drogen wie Kokain, Amphetamin und Marihuana zusammen mit Alkohol konsumiert hätten, habe auch laut eigenen Aussagen der Angeklagten „keiner der fünf Männer relevante Ausfallerscheinungen“ gehabt. Die Tatausführung sei „gezielt“ gewesen, das Verhalten der mutmaßlichen Täter „überlegt“. Für Dr. Klaus Weidmann ist eine „erheblich verminderte Schuldfähigkeit“ bei allen Angeklagten nicht plausibel.

Die Ausführung der Tat sei „mit brachialer Gewalt“ erfolgt.Gezielte Messerstiche und Faustschläge durch Thomas J. als mutmaßlicher Haupttäter hätten sowohl schwere körperliche als auch psychische Beeinträchtigungen bei dem 22-Jährigen Hauptopfer hinterlassen.

Die Begründung der Strafmaße:

Es war kein Spaß, weder die Tat, noch der Prozess und die Besprechung zum Urteil erst recht nicht“, fasst Dr. Weidmann den Prozess um den Messer-Überfall zusammen. Die Strafrahmen seien „sehr hoch und auch schockierend, sowohl für die Täter als auch für das Gericht selbst“. Das Gericht sei an die Gesetze gebunden und der Strafrahmen sei bei besonders schwerem Raub „schlicht und ergreifend sehr hoch und gravierend“. Es handle sich nicht um ein Bagatelldelikt. Ein Wohnungseinbruch falle unter das „Eindringen in einen besonders geschützten Bereich“, die Täter hätten die Opfer „teils schwer verletzt und besonders den 22-Jährigen in sehr kritischem Zustand“ zurückgelassen.

Beim Straftatbestand des versuchten Mordes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub sei eine Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren vorgeschrieben. Adrian K. habe die Tat eingeräumt und auch bereut. Eine gewisse Enthemmung durch den Drogen- und Alkoholkonsum sowie die Gruppendynamik habe das Gericht berücksichtigt. Er habe mit seinen Aussagen bei der Polizei maßgeblich zu einer frühen Aufdeckung der Tat beigetragen, was zu einer Strafrahmenverschiebung geführt habe. Die Entschuldigung sowie den Täter-Opfer-Ausgleich sei „sehr spät gekommen“ und habe das Urteil nicht beeinflussen können.

Bei David B. wird eine Jugendstrafe verhängt. Richter Dr. Weidmann sieht bei David B. einen „erheblichen Erziehungsbedarf“. Der Angeklagte sei der Initiator der Tat gewesen, habe die Fäden in der Hand gehalten und eine große Nähe zur Tat gehabt. Die Schwere der Schuld sei bei David B. zu bejahen, auch wenn er nicht selbst Gewalt angewendet habe. Er habe zudem seinen Freund Martin Z. mit hineingezogen.

Bei Martin Z. stünde ebenfalls der Erziehungsgedanke vordergründig, er sei reumütig, arbeitswillig und bereit sein Leben zum Positiven zu wenden. Das Gericht habe Martin Z. durch die Gruppendynamik angetrieben gesehen. Die Herausgabe des Messers auf Aufforderung von Marvin P. sei hinsichtlich der Tat ein gefährliches Instrument gewesen. 2 Jahre mit Bewährung hielt das Gericht für „zu wenig“ und hätte die „Spannweite zu weit auseinandergetrieben“. Man müsse auch die Strafmaße der anderen Angeklagten berücksichtigen.

Bei der Urteilssprechung für Marvin P. habe sich das Gericht „schwer getan“. Der Quantensprung sei der Vorschlag Marvin P.‘s zur Herausgabe des Messers gewesen, was zur Verschärfung der Sache beigetragen habe. Damit habe er zudem Martin Z. stärker hineingezogen. Marvin P. sei nicht mehr „nur Schmiere gestanden“, sondern habe sich maßgeblich an der Tat beteiligt. Das „sehr gut formulierte und ausführliche“ Entschuldigungsschreiben an den 22-jährigen Geschädigten habe das Gericht zwar beeindruckt, die Aufforderung an Martin Z., das Messer mitzugeben habe Marvin P. jedoch nicht eingeräumt. Zu einem Täter-Opfer-Ausgleich gehöre für Dr. Weidmann auch ein Geständnis. Demnach gebe es für Marvin P. keine Strafmilderung. Ausschlaggebend für 8 Jahre und 6 Monate Haft sei die kriminelle Vorgeschichte von Marvin P..

Bei Thomas J. geht das Gericht nicht von einem minder schweren Fall aus. Die Umstände, die die Tat begleitet hätten, wie die schweren Verletzungen des Opfers durch Thomas J., seien für das Gericht ausschlaggebend 11 Jahre und 6 Monate Haft zu verhängen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche können Staatsanwaltschaft und Verteidigung Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Vorbericht:

Ein brutaler Messerüberfall ereignete sich am Abend des 27. September 2016 in Trostberg. Fünf Männer im Alter von 21 bis 29 Jahren sollen in einer Wohnung in Trostberg mehrere Gleichaltrige überfallen haben. Das Ziel: Marihuana und Bargeld

Der Vorwurf der Traunsteiner Staatsanwaltschaft lautet auf versuchten Mord in zwei Fällen und besonders schweren Raub in fünf Fällen. Der 29-jährige Thomas J.* und der 25-jährige Adrian K.* müssen sich wegen versuchten Mordes in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub verantworten. Die Komplizen, der 22-jährige David B.*, der 21-jährige Martin Z.* und der 27-jährige Marvin P.*, stehen wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit besonders schwerem Raub vor Gericht.

* Die Namen der Angeklagten wurden von der Redaktion geändert.

Der Prozess der Jugendkammer als Schwurgericht geht nun in diesem Fall am 4. August mit dem sechsten Tag zu Ende. Richter Dr. Klaus Weidmann wird ab 9 Uhr ein Urteil gegen die fünf Angeklagten aussprechen. Der Staatsanwalt, Björn Pfeifer, beantragte bereits folgende Strafmaße: 

  • Thomas J.: lebenslänglich, ohne den Tatbestand des versuchten Mordes: 13 Jahre 
  • Adrian K.: 11 Jahre, ohne den Tatbestand des versuchten Mordes: 9 Jahre 
  • Marvin P. 9 Jahre in Anbetracht seiner Vorstrafen 
  • David B.: 5 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe 
  • Martin Z.: 3 Jahre, 6 Monate Jugendstrafe

Zu Beginn des Prozesses um den brutalen Messerüberfall widmete sich Dr. Klaus Weidmann am ersten Tag ausschließlich den vier Angeklagten. Im Laufe der Anhörung fiel die Schuldfrage immer wieder auf einen anderen, der als Haupttäter angeklagte Thomas J. leugnetet die Tat ganz und behauptet vehement, nicht in der Wohnung gewesen zu sein.

Am zweiten Tag ging es mit dem Zeugenprogramm weiter: Neben den vier Überfallsopfern sagten auch Zeugen und Bekannte der Angeklagten vor Gericht aus. Sachverständige von der Kriminalpolizei schilderten mehrfach widersprüchliche Aussagen der mutmaßlichen Täter im Laufe der vielen Vernehmungen.

Sachverständige aus dem medizinischen Bereich gaben ihren Eindruck bezüglich möglicher Beeinträchtigungen bei der Tatausführung durch den massiven Drogenkonsum der fünf Angeklagten wider. Den Gutachten zufolge seien aber alle fünf Angeklagte zum Zeitpunkt des Überfalls wohl voll schuldfähig gewesen. Der fünfte Prozesstag behandelte die Plädoyers von Staatsanwalt, Nebenklage und den Rechtsanwälten der fünf Angeklagten.  

Das Urteil wird am Freitag um 9 Uhr erwartet. Wir berichten von vor Ort. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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