So soll ärztliche Versorgung gesichert werden

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Die Gesundheitskonferenz fand am Montag im Landratsamt statt.

Landkreis - Um die wohnortnahe ärztliche Versorgung in der Region Südostbayern zu sichern, wurden am Montag bei der Gesundheitskonferenz einige Vorschläge erarbeitet.

Die Region Südostoberbayern - mit den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, Rosenheim und Traunstein - wurde im September 2013 vom Bayerischen Gesundheitsministerium zur "Modellregion Gesundheitskonferenz Südostoberbayern" ausgewählt. In der bisher zweiten Sitzung diese Woche im Traunsteiner Landratsamt wurden die in den letzten Monaten erarbeiteten Vorschläge zum räumlichen Zuschnitt der Versorgungsbereiche aufgezeigt, die eine zukunftsweisende Grundlage für die ärztliche Versorgung in der Region darstellen könnten.

Ziel der Gesundheitskonferenz ist es in erster Linie, die wohnortnahe ärztliche Versorgung in der Region zu sichern und - wo erforderlich - zu verbessern. Der Vorsitzende des Regionalen Planungsverbandes Südostoberbayern und der Regionalen Gesundheitskonferenz Hermann Steinmaßl stellte in der Konferenz fest: "Es kann nicht so bleiben wie es derzeit ist. Die Zahl der Hausärzte, die wir früher hatten, wird es in Zukunft nicht mehr geben."

In der konstituierenden Sitzung der Gesundheitskonferenz im Dezember 2013 wurden Themenfelder erarbeitet, mit denen man sich inzwischen intensiv auseinander setze. Man wolle sich mit dem Zuschnitt der Versorgungsbereiche befassen, mit dem Bereitschaftsdienst - der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung - mit begleitenden Maßnahmen auf kommunaler Ebene, sowie mit der zahnärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung.

In jedem der fünf Landkreise der Region 18 wurden Arbeitsgruppen gebildet, die für ihren Bereich diese Themen behandelten. Außerdem wurde eine Fragebogenaktion gestartet, um den aktuellen Stand und die Bedürfnisse für die Zukunft zu eruieren. Von 152 befragten Gemeinden in der Region beteiligten sich 137 an der Fragebogenaktion. Ein wichtiges Ergebnis daraus war, dass die ärztliche, wie auch die zahnärztliche Versorgung, ebenso wie die Anzahl der Apotheken in den Gemeinden, als gut bewertet wird. Lediglich die Versorgung mit Psychotherapeuten wurde als mangelhaft bezeichnet. Allerdings gaben auch einige Kommunen an, dass bei ihnen Ärzte in absehbarer Zeit ihre Praxen schließen würden, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben.

Deutlich wurde bei der Befragung auch ein Unterschied zwischen Stadt und Land. Während in den Städten ausreichend Praxen vorhanden seien, sehe es auf dem Land wesentlich schlechter aus. Dort sei es auch schwieriger, junge Ärzte für die Nachfolge in einer Hausarztpraxis zu gewinnen. Die Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz erarbeitete daraufhin Vorschläge für kleinere Versorgungsbereiche, um eine weitere Konzentration auf die Städte zu verhindern und die Versorgung in ländlich geprägten Gegenden zu sichern.

Wie Hans Zott von der Geschäftsstelle ausführte, gehe man beim Neuzuschnitt von folgenden Kriterien aus:

  • Ein Bereich der ärztlichen Versorgung sollte nicht mehr als 15.000 bis 30.000 Einwohner haben
  • Die Ausdehnung sollte kompakt und in etwa kreisförmig sein und circa 20 bis 30 Kilometer betragen
  • Eine gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV sollte berücksichtigt werden
  • Die neuen Bereiche sollten die Landkreisgrenzen ebenso wie die Topografie der entsprechenden Gegend beachten

"Weg von standortorientierter Versorgung und hin zu erreichbarkeitsorientierter Versorgung", nannte Hans Zott die Überlegungen. Es sei nicht unbedingt notwendig, dass der Doktor direkt am Ort ist, sondern dass er gut erreichbar ist. In der Frage der Notdienste kamen die Arbeitsgruppen zu dem Ergebnis, dass die Bereitschaftsdienstbereiche zu groß seien. Es wurde angedacht, einen Fahrdienst für die Ärzte im Bereitschaftsdienst über die Gemeinden einzurichten.

Besonders für Ärztinnen sei der Dienst in der Nacht mit weiten Fahrten in ländliche Gebiete oft unzumutbar, wenn sie alleine unterwegs sein müssen. Eine weitere Erkenntnis betrifft die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Behandlung: "Die bisherige Ausrichtung ambulant vor stationär ist überholt. Eine Zusammenarbeit von ambulant und stationär ist das Gebot der Stunde."

Die Regionale Gesundheitskonferenz, der Vertreter der Kommunen, der Staatlichen Gesundheitsämter, der ärztlichen Kreisverbände, der Kliniken, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der Landesapothekerkammer und der Krankenkassen angehören, trug die vorgetragenen Vorschläge alle mit und beschloss, diese nun an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Im September will man sich wieder treffen und das weitere Vorgehen zu besprechen. In der Stellungnahme der Gesundheitskonferenz heißt es: "Wir wissen, dass unsere Ausarbeitungen nur empfehlenden Charakter haben können. Aber wir vertrauen darauf, dass wir durch die Förderung des Freistaates Bayern als Modellregion mit unseren Ergebnissen besseres Gehör finden werden und sich unsre Forderungen im Rahmen der Lobbyarbeit besser durchsetzen."

Mix

Quelle: chiemgau24.de

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