Prozess am Landgericht Traunstein

Ehefrau mit Messer bedroht? Das Urteil

Ein 37-jähriger Mann aus Nigeria muss sich wegen räuberischen Erpressung vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
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Ein 37-jähriger Mann aus Nigeria muss sich wegen räuberischen Erpressung vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Traunstein/Burgkirchen – Am 29. August 2019 soll ein 37-jähriger Nigerianer seine getrennt lebende Ehefrau mit einem Küchenmesser bedroht und von ihr Geld gestohlen haben. Der mutmaßliche Täter muss sich am Montag, 21. September, vor Gericht verantworten.

Update, 14.28 Uhr - Richter: „Vom Vorwurf blieb nicht viel übrig“


Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil: Der Angeklagte wird wegen versuchter Nötigung schuldig gesprochen, zu 50 Tagessätzen in Höhe von 10 Euro. Zudem muss der 37-jährige Nigerianer die Kosten für das Verfahren tragen.

„Der ursprüngliche Vorwurf konnte nicht bestätigt werden. Die Anklage beruhte auf Aussagen der Ehefrau, die diese auch dem Ermittlungsrichter bestätigt hatte“, so die Begründung von Fuchs. Davon sei in der Verhandlung wenig übrig geblieben, da die Geschädigte als Ehefrau keine Aussage gemacht habe und das Video nicht sehr aussagekräftig sei.


Zwar sei ein lauter Streit im Video zu erkennen. Ebenso würde man sehen, dass der Angeklagte ein Messer in der Hand habe, doch daraus lasse sich nicht schließen, dass er dieses auch verwendet habe, um Geld einzufordern. Es beweise lediglich, dass der Angeklagte gegen seine Frau Morddrohungen ausgesprochen und Geld gefordert habe. „Das ist strafbar als versuchte Nötigung, unabhängig vom Anspruch“, so Fuchs.

Da der Angeklagte keine Vorstrafen habe und rund sechs Monate in Untersuchungshaft war, sei dies strafmildernd. Eine weitere Entschädigung aufgrund der Haft wurde jedoch untersagt. Man sei in der Höhe der Strafe entgegenkommen und es habe keine groben Unverhältnismäßigkeiten gegeben.

Update, 13.39 Uhr -  Plädoyers werden gehalten

Aus dem Rechtsgespräch ergab, dass aus der derzeitigen Beweissituation lediglich eine versuchte Nötigung bewertet werden könnte. Das Video würde nur eine Bedrohung zeigen, allerdings keine weiteren Taten.

Damit wird auch die Beweisaufnahme geschlossen und es folgen die Plädoyers.

„Der Schuldvorwurf kann nicht bestätigt werden, auch weil die Geschädigte als Ehefrau von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrach gemacht hat“, so der Staatsanwalt. Auch die Zeugen hätten lediglich von einer Bedrohung berichtet und von keiner Tat. Selbst das Video würde nur eine Bedrohung beweisen.

Es gebe keinen Tatnachweis, es wäre nur Geld gefordert und die Ehefrau bedroht worden. Daher spreche alles für eine versuchte Nötigung. Dem Angeklagten müsse man zugutehalten, dass er keine Vorstrafen habe und ein gewisser Anspruch auf das Geld gegeben war.

Jedoch habe er ihr den Tod angedroht. Daher halte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen in Höhe von 10 Euro für angemessen. Die Höhe resultiere aus dem geringen Taschengeld, das der Angeklagte erhält. Dennoch werde ihm die Wohnung und das Essen bezahlt.

Auch die Verteidigung kann sich den Ausführungen des Staatsanwaltes nur anschließen. „Der Angeklagte stammt aus einem Kulturkreis, in der auf diese Art und Weise gestritten wird, besonders wenn es um das Geld geht“, so die Verteidigerin. Aus zwei Gründen würde sie sich jedoch über eine Strafe von 50 Tagessätzen aussprechen. Zum einen saß der Angeklagte in Untersuchungshaft, zum anderen würde ab einer Strafe von mehr als 50 Tagessätzen das Ausländerrecht vorsehen, ein Ausbildungsverbot auszusprechen. Die Höhe sei aber in Ordnung.

Das letzte Wort hat der Angeklagte: „Ich möchte mich für das Entgegenkommen bedanken und verspreche, dass wir in Zukunft harmonisch zusammenleben werden.“

Update, 12.45 Uhr - Zeugen berichten von Streitigkeiten

Die Ehefrau des Angeklagten und gleichzeitig Geschädigte in der Sache nimmt von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und will keine Aussage vor Gericht machen.

Eine Amtsmitarbeiterin, die mit der Geschädigten am Tattag gesprochen hat, berichtet nun von ihren Erinnerungen. „Sie kam sehr aufgewühlt zu uns und hat mir erzählt, dass ihr Ehemann das Fenster in ihrer Wohnung eingeschlagen hat“, so die Zeugin. Die Geschädigte habe ihr ein Video gezeigt, auf der der Ehemann mit einem Messer zu sehen war und einen Teil des Streites zu sehen ist. Sie habe der Zeugin erzählt, dass sie Angst hätte und sie ihrem Mann inzwischen alles zutrauen würde. Verletzungen bei der Geschädigten wären ihr an diesem Tag aber nicht aufgefallen.

Eine weitere Zeugin vom Helferkreis aus Burgkirchen berichtete von „vielen Streitigkeiten“ zwischen dem Ehepaar. Dabei sei es sehr oft um Geld gegangen. Die Ehefrau habe ihr erzählt, der Angeklagte habe öfters Geld von ihr geholt. Zudem hätte auch sie das Video gesehen. „Sie hat mir gesagt, er wolle sie umbringen. Auch auf dem Video wäre diese Drohung zu hören“, so die zweite Zeugin.

Nach den Zeugenbefragungen folgt ein Rechtsgespräch auf Veranlassung der Verteidigung.  

Update, 11.30 Uhr: Angeklagter weist Schuld von sich: „Nur ein heftiger Streit“

Nun äußert sich der Angeklagte zur Sache:

Die Anklage sei nicht richtig. Er habe seine Ehefrau nicht bedroht oder versucht auszurauben. Der 37-Jährige würde seine Familie nie angreifen. Am besagten Tag hätte er bei ihr übernachtet und sei nicht durch das Fenster eingestiegen. Allgemein würde er mit ihr manchmal über Geld streiten.

„Sie schickt das Geld nach Afrika oder kauft sich davon Kleidung. Ich bin aber der Vater und für die Familie verantwortlich“, so der Angeklagte, der seit 2014 mit seiner Frau in Deutschland lebt. Alle vier gemeinsamen Kinder sind in Deutschland geboren.

Da sie in getrennten Wohnungen leben, würden beide auch separat Geld und Gutscheine zum Einkaufen erhalten. Die Frau des Angeklagten hätte an diesem Morgen einen Gutschein haben wollen. Manchmal würde sie ihm dafür Geld als Gegenleistung geben. An diesem Tag wäre ein Streit daraus resultiert, da sie ihm dafür kein Geld geben wollte.

„Wir haben heftig gestritten, doch ich habe sie nicht bedroht und nicht am Hals gepackt. Es wurde laut, aber ich mag es nicht, vor unseren Kindern zu streiten. Ich wollte die 50 Euro für den Gutschein“, beteuert der Nigerianer seine Unschuld, der weder lesen noch schreiben kann, da er keine Schule besucht hat.

Er habe das Messer während des Streites in der Hand gehalten, da er Frühstück für seine Kinder machen wollte. Nach dem Streit habe er die Wohnung verlassen und ist zurück in seine Einrichtung gegangen. Dort wäre er später von der Polizei festgenommen worden. Mögliche illegale Geschäfte und dazugehörigen Zahlzwang verneinte der Angeklagte, der in Nigeria bei seinen Eltern als Landwirt gearbeitet hat.

Laut dem Gericht würde es viele Anzeigen der Ehefrau gegen den Angeklagten geben, die allerdings später nicht mehr weiterverfolgt wurden, da die Geschädigte sich später nicht mehr zu den Vorfällen äußern wollte.

„Es gab wie gesagt oft Streit wegen Geld und sie dachte, ich treffe mich mit einer anderen Frau“, erklärt der Angeklagte, der in Deutschland geduldet ist. Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Februar 2020 wohnt er in Ingolstadt und hätte auch wieder Kontakt zu seiner Frau und seinen Kindern.

Als nächstes wird die Geschädigte als Zeugin in den Gerichtssaal gerufen.  

Update, 9.49 Uhr - Prozessbeginn am Landgericht Traunstein

Der Prozess um räuberische Erpressung hat nun vor dem Landgericht in Traunstein begonnen. Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift:

Am 29. August 2019, gegen 8.40 Uhr, soll sich der Angeschuldigte zur Wohnung seiner getrennt lebenden Ehefrau, in Burgkirchen an der Alz, begeben. Dort habe er das gekippte Fenster zum Badezimmer von außen geöffnet und sich unbefugt Zutritt verschafft haben. Bereits am Vorabend wäre der Angeklagte in die Wohnung eingebrochen. Da er jedoch kein Geld von der Geschädigten erhalten habe, sei er am nächsten Morgen erneut in die Wohnung.

Dort habe er die Geschädigte, welches gerade ihr kleines Kind auf dem Arm hatte, am Hals gepackt, sie gegen die Wand gestoßen und damit gedroht, sie umzubringen. Die Geschädigte habe hierdurch ein Hämatom am Hals erlitten. Insgesamt habe er sich sehr aggressiv verhalten. Anschließend habe der inzwischen 37-Jährige Geld von der Geschädigten gefordert und 120 Euro erhalten. Dies wäre dem Angeklagten allerdings zu wenig gewesen und er habe weitere 50 Euro gefordert.

Daher habe der Nigerianer seine Ehefrau mit einem Küchenmesser bedroht. Insgesamt drei Mal habe er ihr das Messer gegen den Bauch gedrückt, sie dabei jedoch nicht verletzt. Der Angeklagte habe ihr gedroht, sie zu erstechen, sollte er nicht weiteres Geld erhalten. Dieses würde er am Abend abholen.

Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung ist der 37-jährige Nigerianer angeklagt. Ist er geständig? Wird er sich überhaupt zur Tat äußern?

Vorbericht: Prozess wegen räuberischen Erpressung am Landgericht Traunstein

Am 29. August 2019 soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Traunstein ein inzwischen 37-jähriger Nigerianer am Morgen in die Wohnung seiner getrennt lebenden Ehefrau in Burgkirchen eingebrochen haben. Im Anschluss soll der Angeklagte diese bedroht und von dieser Geld gefordert haben.

Ehefrau in Burgkirchen mit Messer bedroht? Prozess wegen räuberischer Erpressung am Landgericht Traunstein

Aus Angst habe die Frau ihm etwas Geld gegeben. Doch der Nigerianer soll die Frau mit einem Küchenmesser erneut bedroht und weiteres Geld bis zum Abend gefordert haben. Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage gegen den 37-Jährigen wegen besonders schwerer räuberischen Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung.

Das Gericht setzte für den Prozess einen Verhandlungstag an. Dieser ist am Montag, 21. September, 9 Uhr.

chiemgau24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

jz

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