Petition der Traunsteiner Anwohner wegen Hochwassergefahr

Daxerau jetzt ein Fall für den Landtag: "Wir wollen nicht absaufen"

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Nachbarin Evi Kern vor den Ruinen des ehemaligen Tennis-Centers in der Daxerau, das gerade abgerissen wird. Sie befürchtet, dass die Wohnanlage, die im Gegenzug entstehen soll, die Überschwemmungsproblematik verschärft. 
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Traunstein - Die Daxerau war immer klassisches Überschwemmungsgebiet - jetzt sollen dort 120 Wohnungen gebaut werden. Die Anwohner fürchten die Gefahren und wenden sich an den Landtag.

1999, 2002, 2006, 2013: Evi Kern kann die Jahreszahlen schon im Schlaf aufzählen, in denen das Wasser schon im Haus war - oder im besten Fall nur an der Türschwelle. Sie ist eine von rund 50 Bewohnern der Daxerau in Traunstein und fürchtet, dass sich die Wasserproblematik durch die geplante Wohnungen noch weiter verschärft. "Ich habe nichts gegen die Bebauung, aber wir wollen hier nicht absaufen", so Kern.

Anwohner hoffen durch Petition auf neue Gutachten

Die Häuser in der Daxerau liegen genau zwischen Traun, Röthelbach und Hochberg. Ja, der Hochwasserschutz an den beiden Gewässern wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut, so Evi Kern, doch trotzdem waren 2013 zumindest die Straßen wieder überflutet. Dazu sammelt sich auf dem geplanten Baugrund viel Oberflächenwasser vom Hochberg - noch, denn das alte Tennis-Center von Martha Vogl wird momentan abgerissen und soll 13 Häusern mit 120 Wohnungen Platz machen.

Im Westen die Traun, die B306 und die alten Wohnhäuser in der Daxerau, im Norden die Tennisplätze. Hier sollen die Wohnblöcke entstehen. Östlich daneben der Röthelbachweiher und der Hang des Hochbergs. Langfristig wäre es möglich, dass die ganze Wiese bis zur Südspange bebaut wird - doch das ist noch Zukunftsmusik.

"Es ist doch weltfremd, in ein Überschwemmungsgebiet zu bauen. Alle die hier wohnen kennen die Gefahr", so Kern. Der Protest der Nachbarn bei der Stadt Traunstein half nichts. Im Stadtrat findet das Bauvorhaben immer eine recht stabile Mehrheit. Seit Ende 2018 probiert es Kern daher mit einer Petition im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags. Ihr Ziel: eine Überprüfung der Genehmigung und neue hydrotechnische Gutachten zum Überschwemmungsgebiet, zum Oberflächenabfluss und zur Entwässerung. 

Behörden sehen Daxerau inzwischen gut abgesichert

"Die Gutachten sind schlüssig und nachvollziehbar. Im Ergebnis hat die Realisierung der Planung keine nachteiligen Auswirkungen auf Dritte und die angrenzenden Flächen", heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Zweifel kommen bei Anwohnern wie Evi Kern aber allein schon dadurch auf, dass die Daxerau laut Gutachten sandige Böden hätte, wo Wasser schnell versickern könnte - doch wenn man selbst gräbt, stieße man ganz schnell auf Lehm, aber nicht auf Sand.

Von einem sogenannten Extremhochwasser wären viele Flächen der Stadt Traunstein betroffen, nicht nur die Daxerau.

Aus Sicht der Behörden ist die Sache eindeutig: Dadurch, dass Traun und Röthelbach ausgebaut und besser gewappnet sind, könne auch ein hundertjähriges Hochwasser der Daxerau nichts mehr anhaben. Erst vor gut einem Jahr stufte das Wasserwirtschaftsamt die Daxerau herab, nur noch ein sogenannte Extremhochwasser könne gefährlich werden - und dann würde wohl die ganze untere Stadt in Traunstein nass. 

Versiegelung an der Traun: "Wo soll das Wasser denn noch hin?"

Gewerbe beim Siegsdorfer Fußballplatz und an der Südspange, Wohnblocks im alten Triftstadion des 1. FC Traunstein und das neue Stadion des SBC in Empfing: Entlang der Traun wurden in den vergangenen Jahren schon so einige Retentionsflächen versiegelt: "Wenn auch die Daxerau bebaut wird, wo soll das Wasser dann hin?", fragt Evi Kern. Genau dieser Punkt bereitet auch den Bürgermeistern von Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt Sorgen. Sie fürchten, dass das Wasser der Traun dann umso schneller und gewaltiger bei ihnen heranrauscht. 

Foto aus alten Tagen, wo das Tenniscenter von Martha Vogl noch in Betrieb war. 

Der Flächennutzungsplan ist schon geändert, auch einen Entwurf des Bebauungsplan mit den 13 Häusern gibt es, nun muss der Bebauungsplan nur noch aufgestellt werden, dann können Bauanträge eingereicht werden. Doch auch der Klageweg wäre dann offen, der von den Anwohnern genutzt werden könnte. Geplant ist unter anderem, dass die neuen Wohnhäuser auf einem zwei Meter hohem Damm errichtet werden - allein das sehen die Anwohner als Beweis, dass hier was nicht stimmen kann. Langfristig könnte auch die komplette Wiese der Daxerau bis zur Südspange bebaut werden, beschlossen ist aber noch nichts.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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