Der Tag nach der Tat am St.-Georgs-Platz

Tödliche Kneipen-Schießerei: Traunreut in Schockstarre

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Die Kneipe, in der die tödliche Schießerei stattfand. 
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Traunreut - Nach der tödlichen Schießerei in einer kleinen Kneipe am St. Georgsplatz ist es ruhig geworden rund um den Tatort. Die Wohngegend, in der die Tat geschah, ist nicht gerade die beste. Anwohner und Passanten sind verunsichert und haben Angst. Traunreut befindet sich am Tag nach der Tat noch immer in Schockstarre. 

Es ist ruhig in den Straßen rund um den St. Georgsplatz, gespenstisch ruhig. Vereinzelt trifft man auf Passanten, einige Autos fahren in Schrittgeschwindigkeit an der Kneipe vorbei, sobald man sich ihnen aber nähert, fahren sie aber rasch weiter. Etwa zehn bis 15 Beamte der Polizei sichern mittags Spuren und durchkämmen die Umgebung rund um den Tatort. 

Am Tatort selbst gibt es keine Absperrbänder mehr, nur mehr ein Verschlusssiegel der Polizei erinnert an die schreckliche Bluttat von vergangener Nacht: In der Nacht auf Sonntag, 17. September, eröffnetet ein 62-jähriger Mann mit einer Waffe das Feuer in der kleinen Kneipe. Zwei Männer sterben, zwei Frauen verletzt der Täter bei der Schießerei schwer.

In dieser Kneipe schoss der Täter um sich. 

"Mich wundert das alles nicht", ruft uns ein Mann zu, der gerade kopfschüttelnd am Tatort vorbeimarschiert. "Schauen Sie sich doch die Boaz'n mal an - wer geht da schon freiwillig rein?" 

Tatsächlich macht die Kneipe von außen einen nicht sehr einladenden Eindruck und wirkt ein bisschen heruntergekommen. Eine leere Bierflasche steht auf einem alten Tisch, das "Open"-Schild hinter der Fensterscheibe blinkt unruhig, ein verlassenes Fahrrad parkt vor der Eingangstür. Von Kerzen oder Blumen für die Opfer zwölf Stunden nach der Tat keine Spur. "Ich würde dort keinen Fuß reinsetzen", sagt der Mann entschlossen und deutet abfällig auf die Kneipe, bevor er weitergeht.

Anwohnerin: "Mein Hinterhof schaut aus wie in Beirut nach einem Bombenanschlag" 

Die Wohngegend, in der sich die Kneipe befindet sei laut einem weiteren Passanten "gemischt - so wie ganz Traunreut". Sowohl Deutsche, als auch deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund leben in den teilweise heruntergekommenen und sanierungsbedürftigen Wohnblocks am St.-Georgs-Platz. 

"Schön ist was anderes", sagt Anwohnerin Renate trocken und zieht an ihrer Zigarette. "Auch wenn mein Hinterhof aussieht wie in Beirut nach einem Bombenanschlag, ich lebe trotzdem gerne hier und mir ist auch noch nie etwas passiert." Es gebe schon öfter Schlägereien unter betrunkenen Jugendlichen, "die sind alle zwischen 14 und 17 Jahre, saufen sich die Hucke voll und randalieren dann, deshalb die kaputten Fensterscheiben", versucht Renate entschuldigend zu erklären. Auch einen Drogentoten habe es schon in ihrem Wohnhaus gegeben, "und vor drei Jahren geschah hier ein Mord an einem Rentner." 

50-jährige Wirtin könnte Täter identifizieren

Was sie zur Bluttat in der kleinen Kneipe sagt? "Als ich die Polizeisirenen und den Hubschrauber in der Nacht gehört habe, habe ich erstmal alles in meiner Wohnung verriegelt, ich wusste instinktiv, es ist etwas größeres passiert. Mein erster Gedanke war, dass ich hoffentlich niemanden kenne, der in die Tat involviert ist." Tatsächlich aber ist ihr der 31-jährige Pallinger ein Begriff, sie kennt ihn vom Sehen. "Das ist richtig schlimm, seine Frau erwartet gerade ein Kind, das Ganze ist so unfassbar. So nah und doch so weit weg." 

Eine Frau aus Traunwalchen kennt die 50-jährige Wirtin und einen der beiden toten Männer, die wohl Stammgäste in der Kneipe gewesen seien, ebenfalls. Mit stockender Stimme sagt sie, wie beunruhigend der Vorfall für sie ist. "Ich würde meine Kinder hier nicht alleine rauslassen und habe einfach Angst." In der Kneipe, in der die Schießerei geschah, sei sie noch nie gewesen. "Ich hatte aber auch ein paar Jahre lang selber eine Kneipe, wenn ich mir vorstelle, mich würde plötzlich so ein Verrückter mit eine Waffe heimsuchen, wird mir ganz anders", erklärt die Frau, die im Einkaufszentrum "Traun Passage" arbeitet. "Ich bin so froh, dass ich in Traunwalchen wohne, da ist es ruhig." 

Polizisten durchkämmen die Wohngegend. 

Nachbarin: "Ein normaler unauffälliger Mann, freundlich und hilfsbereit..."

Die Wirtin der Kneipe habe eine Schulterverletzung davongetragen, ihre 28-jährige Freundin sei ebenfalls unter den Verletzten. Die Wirtin müsste laut Anwohnerin Renate den mutmaßlichen 62-jährigen Täter identifizieren können. Nach Aussagen der Anwohner solle es sich dabei wohl um einen Mann handeln, der keine 500 Meter vom Tatort entfernt am St.-Georgs-Platz  wohnt. Auch Beamte der Polizei patrouillieren um die Wohnblocks und sichern noch immer verwertbare Spuren. 

Die Nachbarin kann die Vermutung von Renate uns gegenüber bestätigen. die Polizei habe das Haus in der Nacht gestürmt und den Mann festgenommen. "Er ist ein normaler unauffälliger Mann, immer freundlich und hilfsbereit - ich kann gar nicht glauben, dass er sowas getan haben soll", schildert die ältere Frau fassungslos. Er habe nach der scheinbar vor kurzem erfolgten Trennung von seiner Frau die Wohnung im Erdgeschoss alleine bewohnt. Von Waffenbesitz wisse die Nachbarin nichts. 

Traunreut  am Tag nach der schrecklichen Bluttat in der Kneipe. Es bleibt ruhig um den Tatort, sehr ruhig.

Der St. Georgsplatz am Tag nach der Bluttat

mb

Quelle: chiemgau24.de

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