Nach vielen Todesfällen in Aschauer Seniorenheim

Bewohner: "Der Heimleiter hat aus unserer Sicht alles richtig gemacht!"

Todesfälle in Aschauer Pflegeheim Priental - Mitarbeiter stehen hinter der Heimleitung
+
Mehrere Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims Priental in Aschau im Chiemgau haben sich mit dem Coronavirus infiziert. 15 der Heimbewohner verstarben daran.

Aschau im Chiemgau - Die Berichte über 19 Todesfälle durch das Coronavirus im Aschauer Pflegeheim Priental sorgten für Erschütterung. Nachdem sich einige Mitarbeiter bereits hinter ihren Chef gestellt hatten, meldet sich nun auch die Bewohnervertretung zu Wort.

Die vielen Toten in einem Aschauer Seniorenheim und die Vorwürfe von Mitarbeitern gegen Heimleitung und Behörden schlagen hohe Wellen. Es gab anonyme Kritik von Mitarbeitern. Wurde zu spät reagiert? Nun äußern sich die Bewohner des Pflegeheims.


Bewohnervertretung steht hinter der Heimleitung

Im Gespräch mit rosenheim24.de erklärt Helmut-Jon Feistl, erster Vorsitzender der Bewohner-Vertretung des Seniorenheim Priental: "Wir Bewohner stehen auch voll hinter unserer Heimleitung." Sie schließen sich damit der Meinung einiger Mitarbeiter an, die vergangene Woche ihre Solidarität zur Heimleitung öffentlich machen. Feistl spricht auch im Namen der anderen Mitglieder der Bewohnervertretung Eva Aerzbeck (Stellvertretende Vorsitzende), Gerda Vorderwester, Isolde Maurus und Thomas Geidl: "Der Heimleiter hat aus unserer Sicht alles richtig gemacht."

15 Todesfälle in Aschauer Pflegeheim Priental

Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger
Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger
Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger
Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger
Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger
Schlimme Nachrichten gibt es nun aus Aschau im Chiemgau (Landkreis Rosenheim). In einem Pflegeheim sind seit Ende März 15 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. © FDL/Lamminger

"Wir Bewohner sind ja derzeit allesamt in Zimmerquarantäne", erklärt Feistl, der das Glück hat, einen Computer zu besitzen. "Da bin ich aber vielleicht einer von zwei Prozent der Bewohner hier." Den Computer hat er auch, weil er Chefredakteur der heimeigenen Zeitung, dem "Seniorenheim Priental-Kurier", ist.

"Informationsfluss sehr schlecht"

Feistl erzählt aber auch, dass der Informationsfluss im Heim bedingt durch die Zimmerquarantäne sehr schlecht sei. Die rüstigen Bewohner, die noch keine Pflege brauchen, kommen derzeit nicht mit Pflegepersonal in Kontakt. Auch habe man sich sonst oft mit anderen Bewohnern zum Austausch getroffen. Das fällt derzeit ebenfalls weg. "Die Versorgung klappt aber super. Auch von der Küche." Kommunikationsweg Nummer eins ist bei den Bewohnern daher das Telefon. 

Mitarbeiter stehen hinter ihrem Chef

In einem anonymen Brief hatten Mitarbeiter des Aschauer Seniorenheims Priental Anfang der Woche massive Vorwürfe gegen die Heimleitung beim Umgang mit dem Coronavirus erhoben. Das OVB berichtete darüber. Das Landratsamt hatte zwar eine hohe Zahl an Todesfällen bestätigt, sah jedoch keine Notwendigkeit, die Einrichtung zu schließen.

Bereits vergangene Woche haben sich dann weitere Mitarbeiter des Seniorenheims bei rosenheim24.de gemeldet und die Vorwürfe massiv zurückgewiesen . Sebastian Pellkofer, der als Koch in dem Heim arbeitet, erzählt im Gespräch mit rosenheim24.de, dass Heimleiter Wolfgang Rohrmüller alles Menschenmögliche gemacht habe, was in seiner Macht lag, dass sofort alles in die rechten Bahnen laufe. "Herr Rohrmüller hat in unseren Augen immer die richtigen Entscheidungen getroffen."

Heim im Notbetrieb - Versorgung gewährleistet

Nützliche Links zu Corona:

Die Heimleitung hat bereits am Montag bestätigt, dass seit Ende März 19 Bewohner an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben seien. Außerdem mussten fünf schwer erkrankte Bewohner in ein Krankenhaus verlegt werden. Auch zahlreiche Pflegekräfte haben sich darüber hinaus mit dem Coronavirus infiziert. Das Heim könne derzeit nur in einer Art "Not-Betrieb" am Laufen gehalten werden kann. Insgesamt bietet es Platz für bis zu 70 pflegebedürftige Personen. Derzeit werden dort noch etwa 40 Bewohner betreut.

Aktuell sei die Versorgung der Bewohner weiter gewährleistet, auch wenn das Personal am Limit arbeite, heißt es von Seiten des Rosenheimer Landratsamtes gegenüber rosenheim24.de.  Die Heimaufsicht des Landratsamts sowie die Führungsgruppe Katastrophenschutz hätten die Lage im Blick und stünden dem Heim zur Seite. "Mitarbeiter des Landratsamtes haben sich auch schon vor Ort ein Bild der Lage gemacht." Im Fall weiterer Personalausfälle gäbe es auch Möglichkeiten, zusätzliches Personal zu organisieren. Dies sei in drei Fällen bei Pflegeheimen im Landkreis bereits erfolgreich geschehen.

Pflege in Zeiten von Corona: "Für alte Leute schwer zu ertragen"

Pfleger in Schutzkleidung, verstärkte Hygiene-Maßnahmen, Kontaktverbot für Familienmitglieder - das Alles stellt für unsere ältesten Mitbürger eine ungewöhnliche Situation dar. Wie in allen Pflegeeinrichtungen besteht auch beispielsweise im Altenheim Vitalis in Feldkirchen-Westerham die Kontaktbeschränkung für unbestimmte Zeit. Für den Heimleiter und das Personal eine Herausforderung.

"Gerade für die alten Leute ist diese aktuell außergewöhnliche Situation durch Corona schwer zu ertragen", weiß Heimleiter Martin Hiller. "Das Besuchs- und Kontaktverbot stellt für viele Heimbewohner ein großes Problem dar. Die täglichen und wöchentlichen Besuche der Angehörigen, der Austausch und die Neuigkeiten von der Familie - all das ist nicht mehr in dem Umfang gegeben als es noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie der Fall war."

jb

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare