Technosan-Prozess: Assistentin weist Schuld von sich

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Krailling - Im Technosan-Prozess haben am Dienstag weitere Angeklagte ausgesagt. Die Assistentin von Firmenchef Czetsch weist alle Schuld von sich.

Seit vergangener Woche steht Alexander Czetsch, Inhaber und Geschäftsführer der insolventen Kraillinger Firma Technosan vor Gericht. Nach einer Erklärung, die der ehemalige Sprecher der Firmen im Kraillinger Gewerbegebiet zunächst verlesen hatte, wurden nun seine Mitangeklagten zu den Tatvorwürfen - illegale Abfallentsorgung und Betrug - befragt.

Als Letzte der vier Angeklagten äußerte sich am Dienstag Daniela T. (38), Assistentin der Geschäftsleitung, zu den Vorgängen bei Technosan. Und wies dabei jede Mitverantwortung für den Umweltskandal von sich. Sie sei als Sachbearbeiterin in Krailling für administrative Abläufe zuständig gewesen. Doch sie habe weder Vertragsverhandlungen geführt noch die Annahme von Waren quittiert oder Auslagerungen in Auftrag gegeben. Sie habe nichts vom Zeitpunkt und den Mengen des angelieferten Giftmülls gewusst. Auch sogenannte „Schönbeprobungen“ habe sie nie in Auftrag gegeben. Richtig sei, dass sie „um Nachbearbeitung gebeten“ habe, wenn die Laborwerte von Müllproben zu schlecht für eine Auslagerung gewesen seien. Dass die Mitarbeiter in Neuötting durch geschicktes Zusammensetzen der Proben für eine zweite Laboranalyse für bessere Werte gesorgt hätten, anstatt das Material zu bearbeiten, wie es der Mitangeklagte Stefan S. geschildert hatte, habe sie nicht gewusst.

Probleme bei Technosan blieben ihr allerdings nicht verborgen. So habe Wolfgang B. (51), Betriebsleiter der Technosan-Anlage in Neuötting, am Telefon gejammert, dass alles viel zu viel sei, dass es nicht mehr gehe. Als sie die Klagen an Czetsch weitertrug, habe der von „vollkommenem Unsinn“ gesprochen. B. solle lieber seine Arbeit vernünftig machen.

Beide Männer ließ Daniela T. in keinem guten Licht erscheinen. Ihr Chef sei „außerordentlich dominant“ gewesen und habe „außerordentlich ungehalten“ sein können. Sie habe ihm seine Beschwichtigungen aber immer geglaubt. „Letztlich war ja auch er der Fachmann.“ Er habe gesagt, dass er keine Mitarbeiter für eine Anlage beschäftige, die nicht laufe. Das sei ihr plausibel erschienen, da er sich „bei Gehältern und Kosten sehr in Zurückhaltung übte“.

Wolfgang B. schien dagegen wohl weniger glaubhaft. Bei Telefonaten habe er auch in der Arbeit „erheblich alkoholisiert“ gewirkt. Sein Wortschatz sei „auch für Baustellen-Niveau jenseits des guten Geschmacks“ gewesen, auch „gegenüber meiner Person“. Das schlechte Arbeitsklima macht Daniela T. mitverantwortlich für ihre Depressionen und ihren Zusammenbruch im Sommer 2011.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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