"Milchwirtschaft vor dem Scheideweg"

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Milchwirtschaft in Bayern von Streiks bedroht
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Rosenheim - Warnstreiks, Tarifverhandlungen und Schlichtung. Die NGG macht sich bereit für den Arbeitskampf bei den milchverarbeitenden Betrieben in der Region. **Neu: Video**

Nach den Warnstreiks Anfang des Monats in Bad Aibling und 16 weiteren Standorten in ganz Bayern sind die Verhandlungen im Tarifstreit der NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) gescheitert. Die Gewerkschaft forderte für die ca. 14.000 Beschäftigten 6% mehr Lohn, eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden und eine klare Regelung zur Altersteilzeit in den Betrieben. 

Die erste Verhandlungsrunde am 23. September wurde vertagt und auch in der zweiten Runde am 10. Oktober waren die Arbeitgeber nicht bereit, Zugeständnisse in Bezug auf die Auszubildenden und die Altersteilzeit zu machen. Lediglich 2,8% Endgelderhöhung wurden durch die Arbeitgeber angeboten.

"So etwas ist eine Frechheit! Die Gewerkschaft derart abzuspeisen," und " die Kollegen stehen parat, um die Forderungen umzusetzen" war aus den Reihen der Gewerkschafter der oberbayerischen Molkereien und Käsereien der Region am Montag zu hören. Auch Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG im Bereich Rosenheim findet klare Worte: "Wir warten mit Spannung auf die Schlichtung am Donnerstag. Da ist alles möglich. Aber wenn es nicht anders geht gehen wir in den Erzwingungsstreik, und dann ist wirtschaftlicher Schaden Programm!"

Am 31. Oktober soll unter der Vermittlung des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts in München, Dieter Möller, eine Lösung für alle Beteiligten gefunden werden. Jede Seite erhält dabei vier stimmberechtigte Beisitzer, sodass insgesamt neun Stimmen zur Abstimmung beitragen. Entweder die Parteien einigen sich einstimmig und ein neuer Tarifvertrag wird beschlossen, oder das Ergebnis ergibt mindesten 7:2 Stimmen. Dann folgt eine einwöchige Erklärungsfrist, in der sich die Parteien entscheiden können, den Schlichterspruch anzunehmen. Nimmt eine Partei nicht an, gilt die Schlichtung als gescheitert und die Friedenspflicht endet. Auf diesen Fall sei man in Oberbayern gut vorbereitet, so Georg Schneider. Dann werde man seine Ziele mit Arbeitskampfmaßnahmen durchsetzten müssen.

Die Tatsache, dass die Arbeitgeber nicht zu Verhandlungen bereit waren obwohl die Milchwirtschaft in Bayern knapp 10 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr zu verzeichnen hat, trifft auf das Unverständnis der Gewerkschafter. So habe sich in den letzten Jahren die Technik verbessert was zu einer Steigerung der Produktivität führte. Gleichzeitig seien die Personalzahlen ruckläufig. Besonders problematisch sei auch die Altersstruktur, was direkt zu einer der Forderungen führe. "Es kann doch nicht gesund sein, dass Leute bis zu ihrer Rente mit 67 Schicht arbeiten, da muss eine saubere Regelung für die Altersteilzeit her, damit man nicht auslaugt," so Haci-Murat Serbeci, Gewerkschafter der Firma Meggle aus Wasserburg. ""Und genau deshalb ist es auch wichtig den Jungen eine Perspektive in unserem Gewerbe zu bieten, damit die Alten entlastet werden und der Job wieder attraktiv wird. Bei der IG Metall geht's doch auch."

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Bei den Forderungen der NGG stehen laut Aussage von Georg Schneider die Bereiche "Lohn" und "Azubis" absolut gleichberechtigt an erster Stelle. Die momentane Ausbildungsquote liege dabei zwischen 0% und ca. 7%, je nach Betrieb und bei um die 5% im Durchschnitt, die Gewerkschaft hingegen fordere 8%.

Quelle: rosenheim24.de

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