Waldkraiburg

Tansania wird ein Jahr Heimat sein

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Wird von Elsbeth Grytzyk (links) auf ein Jahr in Tansania vorbereitet: Roswitha Schiling. Die 22-jährige Waldkraiburgerin wird in Kongwa im Rahmen ihres Theologiestudiums ein Praxisjahr absolvieren. Foto kla

Erst Denken, dann Reden. Sonst lernt man nie richtig Kisuaheli. Roswitha Schiling ist gerade dabei, die afrikanische Sprache zu lernen.

Die Waldkraiburgerin wird Ende Mai für ein knappes Jahr nach Tansania gehen und im Rahmen ihres Theologiestudiums in Kongwa ein Praxisjahr absolvieren.

Wie das Leben so spielt, passieren solche Dinge immer dann, wenn man sie nicht braucht. Am 25. Mai wird Roswitha Schiling nach Tansania fliegen und für ein knappes Jahr Abschied nehmen von der Heimat - und ihrem neuen Freund. Seit zwei Monaten ist sie mit ihm zusammen und schon muss sie ihn für viele Monate zurücklassen. Die 22-jährige Theologiestudentin erzählt ganz locker von der Situation. Ihr Freund studiert auch Theologie, beide wüssten, worauf sie sich einlassen. "Er freut sich für mich und will mich zur Halbzeit im Dezember besuchen kommen."

Elf Monate wird die Waldkraiburgerin, die in Neuendettelsau in Mittelfranken studiert, in der Partnergemeinde der evangelischen Kirchengemeinde, Kongwa, eine Art Gemeindepraktikum absolvieren: Pfarrer Daniel Sailowa bei Hausbesuchen begleiten, Konfirmanden- und Religionsunterricht machen und sich in Jugend- und Frauengruppen engagieren.

Das Praxisjahr ist eine Voraussetzung für das spätere Examen. "An ausgewählten Sonntagen darf ich predigen, steht in der Stellenbeschreibung", so die junge Frau. Predigtlehre aber hatte sie an der Uni noch gar nicht. Das mache ihr nichts, dort gehe es anders zu, es herrsche eine andere Frömmigkeit. "Bammel hätte ich nur, wenn die ganze Predigt auf Kisuaheli stattfinden muss", erzählt sie halb lachend, halb angespannt.

Immerhin hat sie den Pflicht-Sprachkurs in vier Etappen schon absolviert. Kisuaheli sei eine ganz andere Sprachwelt als die, die man aus dem Romanischen gewohnt ist, mit vielen Einflüssen aus dem Arabischen und Bantu. "Bei Kisuaheli muss man erst denken und dann reden. Viel wird über Vorsilben vor dem Verb ausgedrückt." Die Übung fehle ihr, aber sie verlasse sich ganz auf die Kinder von Kongwa, denn Kinder seiensie geduldigsten Sprachlehrer.

In Kongwa wird sie im Gästehaus der Gemeinde wohnen - ganz bescheiden. Damit es nicht gar so spartanisch zugeht, hat Elsbeth Grytzyk, die Partnerschaftsbeauftragte, für ein paar Möbel mehr gesorgt. Grytzyk ist es auch, die Rowitha alles Wissenswerte über Tansania und die Gegebenheiten in Kongwa beibringt. "Es ist nicht so ganz ein Sprung ins kalte Wasser. Ich wurde vom Institut Praxisjahr und von Elsbeth gut vorbereitet. Sie ist meine private gute Fee", so Schiling. Das Institut unterstützt die Studentin auch mit etwas Taschengeld und übernimmt die halben Kosten für den Flug. Ihre Versicherung übernehme glücklicherweise die teuren Impfungen. In Tansania würden die zwar nur einen Bruchteil kosten, aber in Deutschland überwiege der Hygienevorteil.

Auch auf Fettnäpfchen ist Roswitha Schiling gut vorbereitet. Rauchen und Alkohol trinken von Frauen sei in Tansania gesellschaftlich verpönt. "Auch kurze Röcke tragen und zu viel Haut zeigen, das geht da nicht", fügt Elsbeth Grytzyk hinzu. Man dürfe auch nie vergessen zu beten, zum Beispiel wenn man etwas zu trinken bekomme oder bevor man mit dem Auto wegfahre. Die beiden Frauen werden in E-Mail-Kontakt stehen und sich austauschen. Ob Roswitha für ihre Hobbys Lesen und Handarbeiten Zeit haben wird, stellt sich noch heraus. "Stricken könntest du den Frauen beibringen", ermuntert sie Grytzyk, "das können sie nämlich noch nicht."

Am 1. Mai wird Roswitha schon eine Delegation aus Kongwa kennenlernen, die nach Waldkraiburg kommt. Sie begleitet Pfarrer Sailowa mit Anhang auf einer Rundreise durch das Dekanat. kla

Quelle: rosenheim24.de

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