Chaos im Bahnverkehr

Orkantief trifft Bayern mit voller Wucht - mehrere Verletzte

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Bei Pegnitz in Oberfranken fuhr ein mit 140 Passagieren besetzter DB-Regionalexpress auf im Gleis liegende Baumstämme.

München - Umgestürzte Bäume, umgekippte Lastwagen und abgedeckte Dächer - das Orkantief „Niklas“ hat in Bayern sehr gewütet und den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. Feuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz. Es gab auch Verletzte.

Das Orkantief „Niklas“ ist am Dienstag mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 190 Stundenkilometern über Bayern gefegt und hat Bäume umgerissen, Lastwagen umgekippt und Dächer abgedeckt. Mehrere Menschen wurden verletzt. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) wurde am Nachmittag komplett eingestellt. Bei den Regionalbahnen waren einzelne Strecken gesperrt. Der Münchner Hauptbahnhof wurde am Nachmittag wegen Orkanschäden geräumt. Dort hatten sich Dachfenster durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen.

Umgestürzte Bäume beeinträchtigten nicht nur den Zugverkehr, sondern führten auch zu zahlreichen Stromausfällen. Nach Angaben der Bayernwerk AG waren Oberbayern und die Oberpfalz besonders betroffen. Im Allgäu wurden zwei Menschen verletzt - einer von herabfliegenden Baumteilen, der zweite, als ein Baum auf sein Auto krachte. Auch im übrigen Bayern gab es Verletzte durch herumfliegende Äste.

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Bei Pegnitz in Oberfranken fuhr ein mit 140 Passagieren besetzter DB-Regionalexpress auf im Gleis liegende Baumstämme. Der Lokführer und ein weiterer Bahnmitarbeiter wurden leicht verletzt. Beide konnten sich kurz vor dem Aufprall in den hinteren Teil des Triebwagens in Sicherheit bringen. Die Fahrgäste blieben unverletzt. Am Zug entstand nach Polizeiangaben Schaden in sechsstelliger Höhe.

Zwischen München und Freising konnte gegen Mittag ein Alex-Zug nicht weiterfahren, weil ein brennender Baum eine Oberleitung beschädigt hatte. Wie eine Sprecherin sagte, mussten die Passagiere zunächst im Zug ausharren, ehe sie zurückgefahren wurden. Im Münchner S-Bahn-Verkehr wurden nach Angaben der Bahn am Dienstagnachmittag nur noch zwei Linien befahren; auf der Stammstrecke konnte noch ein Zehn-Minuten-Takt aufrecht gehalten werden.

In Grainau bei Garmisch-Partenkirchen riss der Sturm einen Baum in die Loisach, wo gerade eine Gruppe von fünf Kajakfahrern trotz des heftigen Unwetters unterwegs war. Zwei Männer im Alter von 19 und 49 Jahren wurde von dem Baumstamm verletzt, einer davon schwer.

In München stürzte ein Bauarbeiter wegen einer Orkanböe vom Gerüst und verletzte sich leicht. An einer Münchner Kreuzung mit einer besonders windanfälligen Schneise wurde mehrere Menschen vom Sturm einfach zu Boden gerissen.

Die Tierparks in München, Nürnberg und Augsburg schlossen kurzfristig. Die Schlösserverwaltung riet wegen der Gefahr abbrechender Äste von einem Besuch der bayerischen Gärten und Parks dringend ab. In Nürnberg und München blieben Marktstände geschlossen. Die Münchner Stadtverwaltung rief aller Bürger zu größter Vorsicht im Freien auf - die Isarauen wurden wegen der Gefahr umfallender Bäume gesperrt, alle 29 städtischen Friedhöfe geschlossen.

900 Feuerwehr-Einsätze in München

Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz. Allein in München rückte die Feuerwehr bis zum Nachmittag mehr als 900 Mal aus. Weitere 900 Hilferufe seien bis in die Abendstunden noch abzuarbeiten, sagte ein Polizeisprecher. Entsprechende Meldungen gab es auch aus den anderen Landesteilen.

Besonders schlimm wütete der Orkan zunächst in Schwaben und Oberbayern. „Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um“, beschrieb ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die Einsatzflut. Im oberbayerischen Poing (Landkreis Ebersberg) bestand die Gefahr, dass das 2000 Quadratmeter große Dach einer Halle in einem Technologiepark abgedeckt wird. Die Feuerwehr hatte große Mühe, es zu sichern. In Ingolstadt wurde das Dach eines Hotels nahezu komplett abgedeckt, die vorbeiführende Straße wurde gesperrt.

Allein im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt lautet die erste Bilanz bis Dienstagmittag: 342 umgestürzte Bäume auf Straßen, Häuser, Stromleitungen und in Gärten, 15 Verkehrsunfälle, bei denen Autos in umgestürzte Bäume krachten oder Bäume auf Autos fielen, 22 umgewehte Lastwagenanhänger, Kleinlaster oder Pkw-Anhänger.

Umgestürzte Bäume behindern den Staßenverkehr 

Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Kempten gab es 370 Einsätze innerhalb von vier Stunden. In Kaufbeuren wurde das Dach eines Supermarktes teilweise weggerissen. In Erlangen löste sich ein Steinkreuz von einer Kirche und zerstörte das Dach des Gotteshauses.

Auf Autobahnen, Bundesstraßen und vielen kleineren Strecken sorgten umgestürzte Bäume für Behinderungen. Fahrzeugteile und Verkehrsschilder wurden über die Fahrbahnen gepustet. Auf der Autobahn Nürnberg-München (A9) wehte eine Sturmböe einen Lastzug regelrecht um. Auf der A93 beim oberpfälzischen Pentling drehte der starke Wind einen 7,5-Tonner gar um 180 Grad. Beide Fahrer wurden leicht verletzt. Im Münchner Norden wurde auf der A9 ein Verkehrsleitsystem demoliert.

Auf der 2962 Meter hohen Zugspitze wurden nach Angaben eines Wetterbeobachters am Mittag Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 192 Kilometern pro Stunde erreicht. In den Alpen wurden zahlreiche Skigebiete dicht gemacht. Zudem herrschte erhebliche Lawinengefahr. Am Münchner Flughafen fielen nur wenige Flüge aus - der Grund: die Maschinen hatten an anderen Airports nicht starten können.

dpa

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