Gemeinde hilft Einzelhandel

Sonderregel im Streit um Souvenirs am Königssee

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Die Region rund um den Königssee ist ein Toursitenmagnet.

Schönau a. Königssee - Im Dauerstreit um den Verkauf von Souvenirs in dem oberbayerischen Ferienort Schönau a. Königssee hilft der Gemeinderat den Ladeninhabern mit vier zusätzlichen Geschäftstagen.

Zur Neujahrsparty am 1. Januar, beim Seefest Ende Juli, bei der Batholomä-Kirchweih Ende August und zum Almabtrieb im Herbst dürfen die Läden im Ort offen sein. Vor allem: Sie können dann alles verkaufen, wie Rathaussprecher Hannes Rasp am Donnerstag zu einem Gemeinderatsbeschluss sagte. Auch in anderen bayerischen Feriengemeinden klagen die Einzelhändler darüber, dass sie an Sonntagen nicht ihr gesamtes Angebot vermarkten dürfen.

Die Sonderregelung für Schönau verschafft dem stark touristisch geprägten Einzelhandel im Ort zunächst etwas Luft. Denn die Ladeninhaber dürfen zwar an 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr ihre Geschäfte aufsperren, dann aber nur Badeartikel, alkoholfreie Getränke, religiöse Gegenstände und ortsbezogene Souvenirs verkaufen. „Das ist eine längst überholte Regelung“, meinte Rasp. Denn mit diesem gesetzlich vorgeschriebenen Sortiment werde bei weitem nicht mehr so viel Umsatz erzielt wie früher. Im Internet könne man zudem rund um die Uhr alles einkaufen.

Gutes Geld verdient werde im touristischen Einzelhandel eher mit Sportartikeln und Landhausmode, so der Rathaussprecher. Doch Jogginganzüge und Dirndl dürfen die Geschäftsleute am Sonntag nicht verkaufen. Weil sich etliche aber nicht daran hielten, gab es Kritik aus anderen Gemeinden der Region. Das Landratsamt in Bad Reichenhall musste die schwarzen Schafe in der ufernahen Flaniermeile am Königssee auf die geltende Regelung hinweisen.

Mit einer Petition an den Landtag will der Einzelhandel aus Schönau die Beschränkung auf Badeanzüge und Mitbringsel zu Fall bringen. „Weil das aber dauern kann, haben wir die vier zusätzlichen verkaufsoffenen Tage anlässlich von Veranstaltungen beschlossen“, erläuterte Rasp. An diesen Tagen dürfen die Geschäftsleute laut Ladenschlussgesetz ihr gesamtes Warensortiment verkaufen.

Der Streit war im Sommer eskaliert, als ein Einzelhändler einen Sarg vor sein Geschäft stellte, um auf diese makabre Art gegen das Verbot des Landratsamtes zu demonstrieren. In den Läden lagen zudem Unterschriftenlisten aus, in die sich Urlauber eintragen konnten. Innerhalb kurzer Zeit kamen nach Auskunft der Einzelhändler 1400 Unterschriften zusammen.

Auch der Landesverband Bayerischer Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer unterstützt die Geschäftsleute. Die Liberalisierung der Öffnungszeiten stärke die gesamte Region, teilte der Verband mit. Arbeitsplätze würden erhalten und geschaffen, Steuereinnahmen blieben bestehen und würden erhöht. „Auch das private Immobilieneigentum wird durch eine florierende Wirtschaftslage und eine stabile Nachfrage nach Immobilieneigentum und Mietwohnungen gestärkt“, hieß es in einer Stellungnahme.

dpa

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