Almbauern: Klares Nein zum Wolf!

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Scheuer Jäger auf Abwegen: Augenzeugen wollen den Wolf an der A8 bei Gottschalling und zuletzt am Ortsrand von Pang gesehen haben. Grafik kart.

Rosenheim/Landkreis - Der Wolf ist zurück - und wagt sich immer weiter in bewohntes Gebiet vor. Zuletzt soll er sogar in Rosenheim-Pang an einer Bushaltestelle herumgelaufen sein.

Wolfsexperten, Tierschützer, Bürgermeister und Jäger haben mit Ablehnung, Skepsis oder Begeisterung reagiert. Aber was sagen eigentlich die Almbauern als Hauptbetroffene dazu? Für sie steht fest: Ein Nebeneinander von Almwirtschaft und Wolf ist in der Region nicht möglich.

Almbauern? Gibt es die noch? Sind sie nicht überflüssig geworden in Zeiten des knallharten globalen Wettbewerbs auch in der Landwirtschaft? Fragen, die sich so mancher Stadtmensch stellen mag.

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Die Antwort: Almbauern sind aus der heimischen Bergwelt nicht wegzudenken. "6000 Fußballfelder Kulturlandschaft" titelte unsere Zeitung vor vier Jahren, als der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) mit dem 60. Almbauerntag ein kleines Jubiläum feierte. Bei der Almwirtschaft geht es um viel mehr als Milchquoten. Es geht um viele tausend Hektar Kulturlandschaft in der oberbayerischen Bergwelt von der Zugspitze bis zum Watzmann, die ohne die Bauern verwildern würden.

Die reizvolle Mischung aus Wiesen, Wäldern, Almen und Felsregionen, wie sie in der Region von Einheimischen und Urlaubern geschätzt wird, ist vor allem den rund 200 Almbauern zu verdanken, die es im Süden Rosenheims und im Chiemgau gibt. Aber nicht nur Touristen ziehen die saftigen Wiesen rund um die 140 bewirtschafteten Almen im Kreis Rosenheim an (genau sind es 4030 Hektar Lichtweidefläche, was der Größe von 6000 Fußballplätzen entspricht). Sie sind auch Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen.

Josef Kern aus Oberaudorf, der eine Alm am Schweinsteig betreibt, ist eines von 1600 Mitgliedern im AVO. Er sagt: "Wenn Wölfe - bei einem Tier wird es ja nicht bleiben - hier wieder heimisch werden, dann hören die Bergbauern auf, die Hochalmen wachsen und eine große Artenvielfalt geht unwiderbringbar verloren."

Damit bringt der Bezirksalmbauer auf den Punkt, was der AVO auf einer siebenseitigen Stellungnahme zum Thema "Wolf wieder in Oberbayern" zusammengefasst hat. Das Schreiben liegt demnächst in allen Rathaus-Briefkästen von Gemeinden und Städten in Alpennähe. Der Inhalt: ein klares Nein zum Wolf, scharfe Kritik am "Wolfsmanagementplan" des Staatsministeriums und die dringende Bitte um politische Unterstützung. Die betroffenen Kommunen sollten die Forderung des AVO, den im Mangfallgebirge ansässigen Wolf sofort zu entfernen und den bayerischen Alpenraum als wolfsfreies Gebiet auszuweisen, schriftlich mittragen. Maßnahmen seien von der Lausitz oder aus Schweden nicht auf die bayerischen Alpen übertragbar, wirksamer Schutz von Schaf- und Rinderherden durch Zäune, Hirtenhunde, nächtliches Einkoppeln oder dem Bau von Ställen unmöglich, zu teuer und unvereinbar mit dem Ziel der Vernetzung der Lebensräume. Ein Wolf, der sich nach Belieben bedienen könne, würde die Almwirtschaft insgesamt gefährden, betont AVO-Vorsitzender Georg Mair.

"Allein am Schweinsteig haben Biologen vor kurzem 40 Wildrosenarten gezählt", ergänzt Josef Kern. Er versteht auch nicht, warum man geschützte Tierarten wie das Rauhfußhuhn mit viel Mühe und teuren Programmen vor dem Aussterben bewahrt hat, um den Bodenbrüter nun tatenlos seinem Schicksal zu überlassen. Kern: "Das ist widersprüchlich und Steuerverschwendung." Die Mehrheit der Bergbauern - 110 AVO-Mitglieder sind es im Almbezirk Ruhpolding, 100 in Aschau, je 80 in Oberaudorf und auf dem Samerberg, in Grassau 70, Schleching 60, Bad Aibling 50, Brannenburg (40) und Reit im Winkl 30 - glaubt auch, dass der Wolf seine Scheu rasch ablegen wird, wenn er niemanden fürchten muss. Die ersten "Wolfssichter" scheinen ihnen recht zu geben. Nachdem ein Jäger und eine Autofahrerin das Tier an der A8 und bei Gottschalling gesehen haben wollen, erklären drei Augenzeugen unabhängig voneinander, der Wolf sei letzten Mittwoch am östlichen Ortsrand Pangs an einer Bushaltestelle herumgelaufen.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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