Stadtrat gegen Aufzug an der Schule am Hofberg

Sparen auf Kosten der Barrierefreiheit?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Bad Aibling - 100.000 Euro hätte der Aufzug für Rollstuhlfahrer an der Schule am Hofberg gekostet. Warum sich der Stadtrat gegen die Baumaßnahme zur Barrierefreiheit entschieden hat:

Laut Definition beschreibt der Begriff Inklusion in seiner soziologischen Bedeutung die Idee, dass jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft, seines Geschlechts, seines Alters und sonstiger individueller Merkmale wie zum Beispiel einer Behinderungen, selbst-bestimmt und gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben kann. Aufgabe der Gesellschaft soll es sein, Strukturen zu schaffen, in denen sich jeder barrierefrei bewegen kann.

An der Schule am Hofberg in Bad Aibling könnte dieser Ansatz jedoch künftig nicht mehr anwendbar sein.

Einmalige Einsparung und keine laufenden Kosten

In seiner Sitzung im März beschäftigte sich der Stadtrat im Mangfalltal mit den Umbaumaßnahmen im Bereich der Schule am Hofberg. Die Stadtverwaltung präsentierte ein neues Konzept, ein Anbau mit einem Spiel- und Sportzimmer sowie eine Grundsanierung des Gebäudes sollen erfolgen. Auch ein Aufzug zur barrierefreien Erschließung des ersten und zweiten Stockwerks war in der Planung integriert. Für die Baumaßnahme sollten insgesamt rund 1,9 Mio. Euro mit oder 1,8 Mio. Euro ohne eine Lösung mit Aufzug fällig werden.

In einem Antrag forderte die CSU-Fraktion im Stadtrat, getrennt über den Bau des Aufzugs abzustimmen. Laut Stephan Schlier sei der Aufzug nicht nötig. Der Unterrichtsplan könne jederzeit so umgestellt werden, dass geh-behinderte Kinder im Erdgeschoss unterrichtet werden könnten. Eine Rampe am Ost-Eingang und die behindertengerechte Toilette befänden sich ohnehin im Erdgeschoß. An der Teilhabe werde so nicht gerüttelt, es käme zu Einsparungen bei der Sanierung und auch die laufenden Kosten könnte gespart werden, so der CSU-Stadtrat. Persönliche Erfahrungen mit behinderten Menschen aus seiner eigenen Schulzeit habe Schlier nicht, notfalls könne der Aufzug ja auch nachträglich angebaut werden.

Gegen den Gedanken der Inklusion

Kristin Sauter, 3. Bürgermeisterin und SPD-Stadträtin, reagierte verärgert auf den Antrag der CSU-Fraktion. "Sie wissen nicht was Inklusion ist", erklärte Sauter. Man müsse jeden Menschen nehmen wie er ist, dieser Grundsatz erfordere ein Umdenken in der Gesellschaft, die die Wege für Menschen mit Behinderungen bereiten müsse, so die Stadträtin. Nicht nur Kinder würden zukünftig die Schule besuchen, es wäre durchaus denkbar, dass auch gehbehinderte Lehrer oder Eltern einen Aufzug benützen müssten.

Die Diskussion über den behinderten-gerechten Ausbau spaltete das Gremium in zwei Lager. Während der Referent für soziale Angelegenheiten, Dieter Bräunlich von der ÜWG, das Weglassen des Aufzugs als "logisch" anerkannte, zeigten sich andere Stadträte verwundert. "Ich bin erschreckt, dass wir diese Diskussion gerade führen. Sowas muss selbstverständlich sein", sprach sich Heidi Benda, die Fraktionssprecherin der GOL, klar für die Anschaffung des Lifts aus.

Ein nachträglicher Anbau sei mit deutlich höherem Aufwand und damit auch deutlich höheren Kosten verbunden, erklärte die Stadtverwaltung abschließend. Mit insgesamt 13 zu 11 Stimmen sprach sich der Stadtrat dann am Donnerstag für die günstigere Variante und somit gegen einen Aufzug an der Fassade der Schule am Hofberg aus.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser