Auch in schwierigen Zeiten zusammenstehen

+
Tom Witjes (rechts), Diplom-Judotrainer, war über Jahrzehnte ein erfolgreicher Judoka.

Prien - Wegen eines schweren Unglücks ist der Lenggrieser Judo-Kämpfer Tom Witjes seit dem 20. November querschnittsgelähmt. Freunde und Vereinskollegen haben sich jetzt zusammengetan, um ihn finanziell zu unterstützen.

Das Drama ereignete sich bei einem Judoturnier am 20. November in Prien: Tom Witjes, erfahrener Judoka des TV Lenggries, kämpfte im Finale des "Wieninger-Cup" in der Gewichtsklasse bis 81 Kilo gegen einen österreichischen Kontrahenten.

Witjes, der erst wenige Wochen zuvor bei den internationalen österreichischen Meisterschaften erfolgreich war, wollte einen Innenschenkelwurf (Uchimata) ziehen. Mit fatalen Folgen: Beim Block des Wurfes durch seinen Gegner fielen beide Kämpfer auf die Matte, Witjes brach sich dabei den dritten Halswirbel und wird für immer querschnittsgelähmt bleiben.

Rückwirkend sind sich die behandelnden Ärzte sicher, dass der Holländer ohne das couragierte Eingreifen eines anwesenden Rettungssanitäters noch auf der Matte verstorben wäre. Es folgte ein umgehender Transport in die Klinik nach Vogtareuth und später die Verlegung in die Unfallklinik nach Murnau.

Nicht nur für Tom Witjes bringt die Situation dramatische Folgen mit sich, auch für seine Ehefrau Andrea und seine Tochter Franzi hat das Sportunglück dramatische Folgen. Beide müssen seither auf den Ehemann und Vater zu Hause verzichten. Ob und wann er je wieder heim darf, ist ungewiss, obwohl derzeit versucht wird, dass er ohne künstliche Beatmung auskommt.

Für die Judoka aus der Region, aber auch darüber hinaus, ist die Situation auch zwei Monate nach dem Unfall Witjes schwer zu verstehen: "Ich beschäftige mich seit rund 30 Jahren mit Judo, in denen es keine mir bekannte vergleichbare Situation beziehungsweise Verletzung gegeben hat", sagt der oberbayerische Bezirksvorsitzende Denis Weisser aus Bad Aibling. "Ich kann die konkrete Situation, die zu der Verletzung geführt hat, immer noch nicht nachvollziehen. So eine Situation kommt im Judo tausendfach vor", meint Weisser verständnislos. Auch sein Bezirksstellvertreter Ludwig Tradler aus Palling kann sich in seiner langen Zeit als aktiver Kämpfer, Kampfrichter und Funktionär an keine vergleichbare Verletzung erinnern. Gemäß statistischer Erhebungen rangiere Judo in der Verletztenliste ganz weit hinten im einstelligen Prozentbereich. Witjes habe über die nötige Fitness und jahrzehntelange Routine und Wettkampfpraxis im Judo verfügt.

Hochkarätige Unterstützer

Seit einigen Wochen laufen nun - von den Judoabteilungen der beiden Vereine TV Lenggries und TuS Holzkirchen angestoßen - Spendenaufrufe und Hilfsaktionen für die Familie Witjes an. Der Judobezirk Oberbayern richtet im Februar einen Benefiz-Lehrgang in Lenggries aus, dessen Erlös der Familie zugute kommen soll. Dass das Thema "Hilfe für Tom Witjes" inzwischen in ganz Deutschland angekommen ist, zeigt die Referentenbesetzung für den Lehrgang: der Präsident des Deutschen Judobundes, Peter Frese aus Wuppertal, stellte sich dafür höchstpersönlich zur Verfügung. Bereits im Dezember hatte der Präsident des Bayerischen Judo-Verbandes, Raimund Kronawitter, um Unterstützung für Witjes' Familie gebeten.

Auch international bekannte Judokämpfer zeigen sich über den Unfall schockiert: "Wir haben gemeinsame Werte und freuen uns zusammen bei Erfolgen. Gerade deshalb finde ich es wichtig, auch in schweren Zeiten zusammenzustehen", meinte Olympiasieger Ole Bischof. Auch der zweifache Olympiateilnehmer und Judo-Weltmeister des Jahres 2003, Florian Wanner vom TSV Großhadern, unterstützt den Aufruf.

wz/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser