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Tüfteln für die Energiewende

Solar-Pionier Wilhelm Kirchensteiner aus Markt Indersdorf erhält Bayerischen Klimaschutzpreis

Wilhelm Kirchensteiner mit einer seiner zahlreichen Erfindungen rund um das Thema Energie.
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Wilhelm Kirchensteiner mit einer seiner zahlreichen Erfindungen rund um das Thema Energie.

Markt Indersdorf – Er hat ein E-Bike entwickelt, als alle nur ans Auto dachten, einen Solarkoffer für Afrika gebaut – und gibt sein Wissen über die Energiewende kostenlos weiter. Wilhelm Kirchensteiner aus Markt Indersdorf im Kreis Dachau ist ein Pionier der Solarenergie.

Für sein jahrzehntelanges Engagement wurde der 72- Jährige gestern in Regensburg mit dem ersten Klimaschutzpreis des Bayerischen Umweltministeriums ausgezeichnet. „Ich hab mich gewundert, dass tatsächlich ich den Preis bekomme“, ist Kirchensteiner überrascht. Wenn er erzählt, was er alles in seinem Leben erreicht hat, verwundert die Wahl aber nicht. Schon in den 1970er-Jahren begann der Indersdorfer, sich mit dem Thema Klimaschutz zu befassen. In seiner Arbeit als Berufsschullehrer lud er die Elektro- und Akkuwerkzeuge im Werkunterricht mit Solarmodulen. Auch ein E-Bike mit Akku im Anhänger entwarf er – lange, bevor es dafür einen Markt gegeben hat.

„Damals wollte jeder Auto fahren. Heute wäre ich damit reich geworden“, sagt Kirchensteiner. Viele seiner Erfindungen hat er patentieren lassen, der wirtschaftliche Erfolg blieb aber aus. Doch das stört den pensionierten Lehrer nicht: Um Reichtum sei es ihm nie gegangen. Auch seine Energieberatungen gibt er kostenlos und ehrenamtlich. Über 100 waren es im vergangenen Monat, überwiegend an Menschen aus dem Landkreis. „Es ist viel los momentan“, bestätigt Kirchensteiner. Die Menschen kostenlos zu beraten, ist ihm aber sehr wichtig.

„Es war ein 40 Jahre langer Weg“

Auch in der Lehrerfortbildung ist der Pensionist aktiv. Außerdem hält er deutschlandweit Vorträge, durfte sogar auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn sprechen. Kirchensteiner schrieb Lehrbücher, entwickelte Laboranlagen und baute Prototypen. Seine Lehrmittel sind mittlerweile weltweit im Einsatz. Er war viel in Südamerika und Afrika, um dort Jugendliche an die Solarenergie heranzuführen und auszubilden. Dort kam auch sein Solarkoffer zum Einsatz, der wesentlicher Bestandteil des Projekts ist, für das Kirchensteiner nun ausgezeichnet wurde. Ein mit Solarzelle, Batterie und Wechselrichter ausgestatteter Koffer, der ausreichend Energie bereitstellen kann, um eine Hütte zu beleuchten und ein Handy zu laden.

Jugendlichen aus Dritte-Welt-Ländern wollte er beibringen, so einen Koffer zu bauen und sich damit ein Einkommen zu schaffen. Vor der Pandemie habe das auch gut funktioniert, sagt Kirchensteiner. Wegen der Reisebeschränkungen durch Corona konnten die Lehrer dann jedoch nicht mehr so einfach aus Afrika für die Ausbildung nach Deutschland einreisen. Und während Kirchensteiner andere berät, wie sie ihr Haus energieeffizienter gestalten können, setzt er das zu Hause längst um: „Ich habe viel selbst gebaut vor 40 Jahren“, erklärt er. Zwei Wärmepumpen und eine Solaranlage auf dem Dach – vor 20 Jahren die erste im Ort – sind das Ergebnis. „Es war ein 40 Jahre langer Weg, in dem ich das umsetzen konnte“, sagt er über seine vielen Projekte zur Energiewende. Ein langer Weg, für den er nun ausgezeichnet wird.