Der Sohn als Chef des Vaters

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
32 Jahre lang war Hans Vogt (links) Betriebsleiter der Zahnradbahn. Sohn Florian war als oberster Betriebsleiter knapp acht Jahre lang sein Chef.

Brannenburg - Seit 100 Jahren fährt von Brannenburg aus eine Zahnradbahn auf den Wendelstein. Ein "Veteran" kennt die Bahn besonders gut und hat jetzt die Statistik bemüht.

Hans Vogt, 32 Jahre lang Betriebsleiter der Bahn und dem Unternehmen auch im Ruhestand noch eng verbunden, hat zu deren Jubiläum die Statistik bemüht: Rund 180000-mal ist die Bahn bisher auf den Berg gefahren und hat etwa 3,2 Millionen Kilometer bei den Hin- und Rückfahrten zurückgelegt.

Als am 15. Mai 1912 die Wendelstein-Bahn zur Jungfernfahrt aufbrach, ahnten deren geistige Väter vermutlich nicht, welch große touristische Bedeutung Deutschlands erste Hochgebirgsbahn 100 Jahre später für die Region haben wird. "163830 Fahrgäste haben wir allein im vergangenen Jahr auf den Berg befördert", weiß Pressesprecherin Claudia Steimle. Ebenso wie Hans Vogt gehörte sie dem Festausschuss an, der das Programm der Jubiläums-Feierlichkeiten seit etwa einem Jahr vorbereitet hat.

22 Mitarbeiter sorgen heute für den Fahrdienst und die notwendige Wartung der Züge, für die mit dem Bahnbetrieb verbundenen Verwaltungsaufgaben und auch dafür, dass der Strom zur Verfügung steht, den die Züge benötigen. Er wird in einem betriebseigenen Kraftwerk erzeugt. Als Hans Vogt am 1. Januar 1978 die Betriebsleitung der Bahn übernahm, waren noch die ursprünglichen Zuggarnituren aus der Gründerzeit im Einsatz. Die Nostalgie-Züge sind zwar noch immer betriebsbereit, verkehren heute aber nur noch zu besonderen Anlässen mit einer Geschwindigkeit von neun Kilometern pro Stunde.

"Wir hatten das Gefühl, wir werden jetzt auf den Wendelstein geschossen", erinnert sich der ehemalige Betriebsleiter an das Jahr 1990, als die neuen Zuggarnituren erstmals zum Einsatz kamen. 130 Sitz- und 70 Stehplätze weisen sie auf. "Wir könnten uns nicht vorstellen, den heutigen Betrieb mit den Garnituren aus der Gründerzeit abzuwickeln", sagt Vogt, der im Juli 2010 in Ruhestand gegangen ist. Auf eine Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde bringt es die neue Generation der Triebwagen. Weil sich dadurch die Fahrzeit auf den Berg auf rund 25 Minuten verkürzt hat, weist der Fahrplan seit 1991 täglich jeweils acht Berg- und Talfahrten auf.

Wenn er auf seine lange Dienstzeit zurückblickt, erinnert sich Vogt gerne "an viele positive Erlebnisse" und so manch nette Begegnung mit Einheimischen und Urlaubern. Und er freut sich vor allem auch darüber, dass viele seiner Ideen heute fester Bestandteil des Jahresprogramms auf dem Berg sind und zu einer wirtschaftlichen Belebung der Bahn geführt haben. "Advent auf dem Wendelstein", "Kulinarischer Wendelstein", Neugestaltung der Schauhöhle oder die Astronacht stehen hier nur stellvertretend für ein vielfältiges Angebot, das Jung und Alt gleichermaßen ansprechen soll.

Großer Bahnhof bei der Jungfernfahrt am 15. Mai 1912.

Als am 11. November 2000 150 Menschen bei einem Brand in der Bergbahn ums Leben kamen, die vom österreichischen Kaprun aus auf das Kitzsteinhorn gefahren ist, war Vogt zutiefst erschüttert und musste sich auch beruflich mit den Folgen dieser Katastrophe auseinandersetzen. "Auch bei uns wurde der Brandschutz in den Zügen danach massiv verstärkt", sagt Vogt. Den Föhnsturm, der am 17. November 2002 auch in der Wendelstein-Region seine Spuren hinterlassen und entlang des Schienenstrangs serienweise Bäume entwurzelt hatte, bezeichnet der ehemalige Betriebsleiter als "eines seiner schwierigsten Erlebnisse" während seiner Dienstzeit. Drei Kilometer Fahrleitung waren heruntergerissen, teilweise bis zu vier Meter hoch türmten sich die Baumstämme auf der Bahntrasse. Da auch kein Strom mehr in der Oberleitung floss, konnte zudem kein Schienenfahrzeug mehr bewegt werden.

Noch heute hat Vogt ein dickes Lob für seine damaligen Mitarbeiter parat, die in einer "tollen Gemeinschaftsleistung" dafür gesorgt hatten, dass die Zahnradbahn die Gäste am zweiten Advent-Wochenende zum "Advent auf dem Wendelstein" auf den Berg bringen konnte.

Auch nach dem Ausscheiden von Hans Vogt aus dem Betrieb ist sein Name eng mit der Zahnradbahn verbunden: Sohn Florian ist seit 1. September 2002 oberster Betriebsleiter der Wendelsteinbahn und damit neben der Zahnradbahn auch für das E-Werk und die Seilbahn zuständig, die von Osterhofen aus auf den Berg führt. Knapp acht Jahre war der gelernte Elektroingenieur damit auch Chef seines Vaters, dessen Herzblut für die Wendelstein-Bahn ihm Vorbild ist. Die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn klappte aus der Sicht von Florian Vogt reibungslos. "Wir haben unsere Konflikte schon früher ausgetragen", sagt der Sohn ein wenig schmunzelnd und freut sich natürlich auch, dass sein Vater bei der arbeitsintensiven Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten so tatkräfig mitgeholfen hat.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser