Artikelserie: "regional, nachhaltig, saisonal"

Bei "Rinser Natureis" gibt's sogar Räucheraal- und Weißbier-Geschmack   

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Bei Rinser Natureis bekommt man nur frische regionale Zutaten und besondere Geschmacksrichtungen wie Weißbier-Eis.

Söchtenau - Die Familie Gschwendtner hat es sich zur Aufgabe gemacht aus ihrer hofeigenen Milch ein Eis herzustellen, das nur aus echten Früchten und vorwiegend saisonalen und regionalen Rohstoffen besteht. Bei den Sorten toben sie sich dabei gerne aus. 

++ In unserer vierteiligen Artikelserie "regional, nachhaltig, saisonal" stellen wir Betriebe und Initiativen aus der Region vor, die für ökologische Landwirtschaft stehen. 

Teil 1: Simseer Weidefleisch

Teil 2: Bio-Kiste aus Waging am See 

Heute Teil 3: Rinser Natureis ++

Wenn man Worte wie "Räucheraal" oder "Weißbier" nicht auf der Karte eines Gasthofs sondern in der Eistruhe liest, werden die meisten erst einmal stutzig. Aber das sind ein paar der besonderen Skurrilitäten, die Claudia Gschwendtner und ihre Familie auf ihrem Hof in Söchtenau produzieren. 

Ihr Rinser Natureis umfasst derzeit über 150 Sorten, wie Claudia Gschwendtner rosenheim24.de gegenüber berichtet. Neben den Klassikern wie Schokolade und Stracciatella gibt es je nach Saison Neuheiten wie Rhabarber, Rose, Holunder oder Lebkuchen.

Seit jeher sind die Gschwendtners Landwirte und Milchbauern. Aber wie kam der Sprung in das Eisbuisness, vor allem bei der scheinbar unbezwingbaren Konkurrenz von Eisdielen und der Industrie?

Eis gehört einfach an den See

"Mein Mann war schon immer der Meinung, dass wir aus unserer Rohmilch etwas machen sollten", erzählt Claudia Gschwendtner. Die Idee für das Eis brachte letztendlich der 200 Meter entfernte Rinser See, dessen Kiosk bereits von Claudias Schwiegereltern gepachtet wurde. 

Die Gschwendtners recherchierten und entdeckten für sich eine Marktlücke an Qualitätseis aus echter Milch und überwiegend regionalen Rohzutaten.

Für das nötige Know-how besuchte die ausgebildete Physiotherapeutin Claudia Fachkurse. Dann wurde vor zehn Jahren auf dem Hof ein eigener Produktionsraum nach EU-Standard eingerichtet. Professionelle Maschinen produzieren bis zu 10 Liter Eis auf einmal. 

Was ist drin im Eis?

Rund 60 Kühe liefern die Milch für Claudia Gschwendtners Eis. 

Die Gschwendtners stellen drei Arten von Eis her: Cremeeis, bestehend aus Milch und Sahne, Joghurteis, dessen Basis reiner Joghurt bildet und Sorbet, das keinerlei Milch und mindestens 50 Prozent reine Frucht enthält. Es ist somit für Veganer und Menschen mit Laktoseintoleranz geeignet.

Alle Milchprodukte kommen aus dem eigentlichen Haupterwerb, dem Milchviehbetrieb. Schon bei der Fütterung der Tiere wird auf Natürlichkeit geachtet, auch wenn es kein zertifizierter Biohof ist. Verfüttert wird selbst angebautes Getreide und Mais. Die Jungtiere verbringen mehrere Monate in ihrer "Sommerresidenz" wie Claudia einen kleinen benachbarten Berg bezeichnet.

"Uns ist ganz wichtig, dass wir nur die Rohstoffe so verwenden, wie sie sind". Statt Aromastoffen und Magermilchpulver, kommen die am Morgen frisch gemolkene Rohmilch und die reine Frucht in die Eismaschine. Für die Cremigkeit und Bindung wird auf Johannisbrotkernmehl und einen Emulgator aus pasteurisiertem Eigelb gesetzt.

"Möglichst kurze Wege, darauf achten wir sehr", so Claudia. Da die Früchte für beliebte Sorten wie Mango und Ananas aber nicht bei uns wachsen, setzt der Familienbetrieb hierbei auf Fairtrade oder Bioware.

Traditionelle Herstellung

Claudia Gschwendtner bei der Produktion ihres Sorbet.

Bei den Gschwendtners wird jede Sorte individuell hergestellt und nicht aus einer Grundmasse gespeist. Dadurch können sie das Verhältnis zwischen Sahne, Milch und Zuckergehalt perfekt anpassen.

Bevor das Eis eingefroren wird, wird es noch einmal kurz erhitzt um die Keime in der Rohmilch und den frischen Früchten abzutöten. Nach dem Einfrieren ist das Eis genauso lange haltbar, wie bei konventionellen Herstellern.

Spargel, Knoblauch und Räucheraal:

Viele Gastronome bestellen oft ganz exclusive Geschmacksrichtungen und entwickeln diese mit Claudia zusammen. So hat auch das Wissensmagazin "Galileo" schon bei ihr um ganz besondere Sorten gebeten. Hierbei entstand auch der bisher skurrilste Geschmack: "Räucheraal-Sahne". 

Wer Lust auf diese besonderen Sorten hat, findet sie nicht im Kiosk am See, sondern kann sie auf Bestellung in 500 Milliliter-Packungen bei der Familie erwerben. 

Wo gibt’s das Eis?

Der Kiosk am Rinser See ist nur im Sommer bei schönem Wetter ab 12 Uhr geöffnet. Das ganze Jahr über kann man das Eis in heimischen Supermärkten und Gastronomien finden. 

"Wir sind und wollen ein regionales Produkt bleiben", dennoch sind die Gschwendtners offen für den Verkauf auch auf weiter entfernten Märkten als München, ihrer bisher entferntesten Lieferadresse. 

Aber was kostet jetzt der regionale Spaß aus den teureren Rohzutaten? Überraschenderweise genauso viel, wie an normalen Eisständen. Am Kiosk bekommt man eine Kugel Eis für 1,30 Euro. In der Großpackung im Supermarkt merkt man aber doch den Unterschied: Eine 500-Milliliter-Packung Vanilleeis beläuft sich auf 5,49 Euro. Zum Vergleich: der Preis bei den anderen Anbietern in der Tiefkühltruhe liegt je nach Qualität zwischen 3,29 Euro und 5,99 Euro.

Tamara Zühlsdorff

Quelle: rosenheim24.de

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