Skandal bei den Gebirgsjägern?

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Der Stein des Anstoßes: Kinder schießen mit Waffennachbauten auf ein Miniaturdorf.

Bad Reichenhall - Vergangene Woche ist der Tag der offenen Tür von der Gebirgsjägerbriagde 23 noch als sehr erfolgreich bezeichnet worden, jetzt gibt es eine interne Untersuchung.

Das Rabatz-Bündnis kritisiert auf seiner Internetseite das Kinderprogramm, das an diesem Tag in der Bad Reichenhaller Kaserne angeboten wurden: "Die Bundeswehr hatte als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“."

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Nicht nur, dass die Bundeswehr kleinen Kindern Spaß an Waffen und militärischer Gewalt vermittle, Mitrovica habe auch einen geschichtlichen Hintergrund, kritisierte die Sprecherin des RABATZ-Bündnis, Anna Jade. "Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert. Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt. Als Teil der Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen, bspw. auf Kefalonia und auf Kreta beteiligt", so das Bündnis. Und Jade bekräftigt: "Die Bundeswehr hat die Miniaturstadt „Mitrovica“ genannt. Sie verherrlicht damit im Kinderprogramm Pogrome. Dies ist eine widerwärtige Verhöhnung der Opfer."

Rabatz fordert unter anderem, die sofortige Schließung der nach dem Wehrmachts-General Rudolf Konrad benannten General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall, die sofortige Beendigung von militaristischen Werbeaktionen der Bundeswehr, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen, sowie den sofortigen Rücktritt der für den Tag der offenen Tür verantwortlichen Personen der Bundeswehr.

Der Tag der offenen Tür in Bildern:

Tag der offenen Tür bei den Gebirgsjägern

Ob es so weit kommen werde, wollte der Pressesprecher der Gebirgsjägerbrigade 23, Hauptmann Sven Schulze nicht sagen. "Es sind schwere Anschuldigungen, die uns vorliegen", erklärte er gegenüber BGLand24. "Wir nehmen diese Vorwürfe Ernst und haben eine umfassende Untersuchung eingeleitet." Diese stehe allerdings am Anfang, weswegen er sich zu möglichen Konsequenzen nicht äußern könne, so Schulze. "Sollte es aber Regelverstöße gegeben haben, wird es auch Konsequenzen geben." Das Ergebnis der Untersuchung erwarte er noch diese Woche.

Abschließend beteuerte der Hauptmann noch einmal: "Wir wollten mit dem Tag der offenen Tür die Möglichkeit wahrnehmen, unsere Ausrüstung, unsere Waffen und unsere Fähigkeiten transparent zu zeigen. Da gehört auch der Auslandseinsatz dazu. Wir haben das alles mit bester Absicht präsentiert."

Christine Zigon

Quelle: rosenheim24.de

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