Rauchverbot Herbsfest: Traditions-Verlust?

Rosenheim - Die Festwirte kritisieren den Volksentscheid: "Man nimmt uns damit ein Stück Tradition," meint Flötzinger Bräu-Festwirt Manfred Kirner. Was sagen Sie dazu?

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Am Montag hatte sich Auerbräu-Festwirt Andreas Schmidt bereits kritisch zum Rauchverbot auf dem Herbstfest geäußert. Heute meldete sich sein Kollege vom Flötzinger Bräu-Zelt, Manfred Kirner, zu Wort. Er ist noch weniger begeistert über den Volksentscheid und zeigt sich richtig sauer, ob der dauernden Einschränkungen für Wirte im "Freistaat Bayern".

Flötzinger Bräu-Festwirt äußert sich zum Rauchverbot 

Was sagen Sie als Festwirt zum Rauchverbot in den Zelten?

"Ganz ehrlich, ich bin total dagegen. Es ist eine weitere Einschränkung im persönlichen Recht der Leute. So langsam bekommt man das Gefühl, bevormundet zu werden. Man nimmt uns damit einfach wieder ein Stück Tradition weg. Da kann man bald schon nicht mehr von dem 'Freistaat Bayern' sprechen. Aber jetzt ist es nun einmal beschlossene Sache und dann müssen wir uns fügen."

Aber es wurde ja mehrheitlich von der Bevölkerung so entschieden und nicht einfach vom Gesetzgeber veranschlagt. Kann man dann wirklich von einer Bevormundung sprechen?

"Für mich ist es nur ein Volksentscheid, wenn sich mindestens 50 Prozent der Leute an der Wahl beteiligen. Aber bei einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 30 Prozent kann man wirklich nicht von einer Entscheidung des Volkes sprechen. Das ist ja dann nur eine kleine Minderheit, die da abgestimmt hat."

Wie werden Sie die Vorgaben in Ihrem Zelt umsetzen?

"Wir werden Schilder im Zelt aufhängen. Außerdem werden die Ordnungsmänner die Raucher im Festzelt darauf hinweisen, die Zigarette auszumachen."

Wird es Hausverbote für Wiederholungstäter geben?

"Wenn beispielsweise ein Gast sich zu oft über seinen rauchenden Banknachbarn im Zelt beschwert, und meint 'ich lass mir des nimmer länger gefallen' dann müssen die Ordnungsmänner eben einschreiten. Der Raucher hat dann die Wahl: Entweder er macht die Zigarette aus oder er verlässt das Zelt."

Kommen auf Sie als Festwirt - durch das Rauchverbot - jetzt Mehrkosten zu?

"Finanziell bedeutet das Rauchverbot eine große Belastung für uns. Wir müssen zusätzliche Ordnungsmänner einstellen - dieses Jahr wird es alleine im Flötzinger-Zelt sechs Ordnungskräfte geben. Dazu kommt, dass wir das Zelt ja erst mit zwei Cabrio-Dächern ausgestattet haben, die man bei stickiger Luft öffnen kann um frische Luft reinzulassen. Und die sind jetzt auch für die Katz."

Rechnen Sie damit, dass es mehr Konflikte durch das neue Gesetz geben wird?

"Viele Besucher werden das Gesetz wohl nach der zweiten Maß auch einfach vergessen haben. Oder sie sagen sich 'des is mir doch egal, ich zünd mir jetzt einfach meine Zigarette an'. Ein weiteres Problem entsteht, wenn mehrere Gäste ihren Platz verlassen, um zum Rauchen ins Freie zu gehen. Wenn dann andere Besucher kommen und sich einfach auf deren Platz setzen, ist der Streit ja vorprogrammiert."

Das Rauchverbot ist ja nicht der erste Einschnitt ins Entscheidungsrecht der Festzelt-Betreiber. Vor nicht allzu langer Zeit, gab es ja bereits ein Biergartengesetz.

"Ja, damit ging es los. Das wurde von München nach Berlin gegeben und dort verabschiedet und wir müssen uns jetzt dran halten. Wenn wir solche Sachen in Bayern nicht mehr selber entscheiden dürfen, dann sind wir echt arm dran."

Interview Patrick Steinke

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa, kirner

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