Freitag der "Dreizehnte"

Freitag, der 13. - Wer "aberglaubt" denn da?

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Hufeisen und weitere Glücksbringer erfahren eine Trendwende.
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Landkreis – Haben Adam und Eva wirklich an einem Freitag in den Apfel gebissen? Viele aus der Region kämpfen mit Vorurteilen rund um Freitag, den 13. Wir sind dem Aberglauben auf den Grund gegangen.

Nicht nur an Sylvester sind Glücksbringer der Renner. Das ganze Jahr über hoffen Viele, durch den passenden Glücksbringer mehr Erfolg zu haben, oder auf die Erfüllung eines Herzenswunsch. Verschiedene Möglichkeiten gibt es: Vom Glücksschwein über das Hufeisen. Die Regale sind in vielen Geschäften ganzjährig mit Glücksbringern beschäftigt.

Dabei haben sich die Werte des Aberglaubens grundlegend verändert, findet Brigitte Hurte. Sie hat einen Laden im Altlandkreis Wasserburg und sieht eine Wende im Kult um Aberglauben und Glücksverehrung: „Waren es früher nur die ganz speziellen Glücksbringer, die es sein mussten, so wird mittlerweile nach ganz persönlichen Glücksbringern gesucht“, so die Ladenbesitzerin.

Der Klassiker „Glücksschwein“ ginge zwar nach wie vor bestens, doch auch individuelle Boten des Glücks werden gerne gehandelt. Dabei unterscheide man oft nicht mehr über Talisman und Glücksbringer, so Hurte, weil mehr der persönliche Stil als Anspruch für den Glückszauber gelte. „Schornsteinfeger und Kleeblatt müssen sich warm anziehen, weil ihnen besondere Glückssteine den Rang ablaufen“ grinst die Expertin. „Was schon noch gut ankommt, sind die Glücksklees aus der Dose“, so Hurte weiter. Die Erwartung, bis aus dem Töpfchen etwas wachse, sei ungebrochen.

Doch die Anhänger, Ketten mit persönlichen Symbolen der Stärke und verschiedene Motive erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als Glücksbringer.

Mittlerweile werde auch gezielt nach farbtreuen Artikeln gesucht, heißt es von verschiedenen Geschäften. Hier sieht Heilpraktikerin Petra großes Potential: „Jeder von uns hat eine spezielle Farbe, die ihm zusagt“. Dabei sei es besonders wichtig, dass man keinem Gruppenzwang nachgehe, sondern seine persönliche Zuneigung zu einem bestimmten Farbton zulasse, erklärt Petra weiter. Nicht umsonst werde Farbtherapie immer mehr zu einem wichtigen Baustein der Heilmethodik.

Ganz anders sehen es Texter von Werbeagenturen aus der Region: „Glücksmomente entstehen im Kopf und passende Sprüche und Botschaften, die glücksbringend wirken, sind En Vogue“. Nicht nur im Bereich der Werbung seien Claims (also Werbeslogans) gut und gerne einzusetzen, auch im privaten Bereich komme es zu immer größerem Ansturm auf „Glück-Wünsche“ in Form von Worten.

Sterben die alt eingesessenen Glücksbringer aus?

Die Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Haben die klassischen Glücksbringer ausgedient? Bei weitem nicht, erklärt der Pastoralassistent Matthias.

Er unterrichtet neben der allgemeinen Arbeit in einer Pfarrgemeinde an einer Grundschule und spürt, wie generationsübergreifend Werte und auch Glücksbringer sowie Schadensmagnete weiter gegeben, fast schon „vererbt“ werden. „Ich erkenne ganz klar, dass Kinder sehr auf die Vorgaben der Eltern, oft auch noch der Großeltern achten“.

Nur die Struktur habe sich verändert. Seien es vor 20 Jahren noch Glücksschweine in Form von Marzipan oder Kärtchen gewesen, hätten die Kinder nun Plüsch-Schweinchen dabei, die viel Glück bei Schulaufgaben oder schwierigen Herausforderungen bringen sollen. „Das ist so wie mit den Hosentaschenengeln, die man früher anhand von Heiligenbildchen mit sich herumtrug und die nun mit moderner Frisur und breitem Grinsen wie eine Karikatur wirkend in der Hosentasche ihr Dasein fristen“, berichtet Matthias.

Damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten, die „Alten“ Guten und Bösen Situationen und Symbole, gewährt uns Tobias Melner, der an der Hochschule im spanischen Sevilla die Kontroverse der Esoterik untersucht hat. „Die Tradition vermischt sich zunehmend mit esoterischen Ritualen. Bräuche, Bauernregeln, bestimmte Zahlen kommen immer noch gerne zum Einsatz. Doch seit es in den 1990er-Jahren mit der Beliebtheit der Horoskope zugenommen hat, kommen die Individualisten und Esoteriker deutlich in Fahrt.“

Er traut sich was, das Individuelle mit der Esoterik in einem Satz zu bringen, doch seine Arbeit mit monatelangen Beobachtungen mag er richtig gedeutet haben.

Tobias Melner erläutert die einzelnen Glücksbringer und diejenigen Modelle, die dem Aberglauben zufolge, Unheil bringen könnten.

Wer unter einer aufgestellten Leiter durchgehe, fordere das Schicksal heraus. Der Ursprung dieses Aberglaubens komme daher, dass mit dem Durchschreiten die heilige Form des Dreiecks verletzt werde.

Das Hufeisen ist ein traditioneller Glücksbringer, der dank gleichbleibender Pferdefans nie in Vergessenheit geraten wird.

Das Hufeisengilt als Abwehrmittel von Unheil. Als dauerhaftes Glückssymbol sollte es aber mit der Öffnung nach oben aufgehängt werden, denn sonst fällt dem Aberglauben zufolge das Glück heraus.

Asche vom Schornsteinfeger im Gesicht soll Glück bringen. Der Aberglaube stammt aus dem Mittelalter, als Häuser häufig Feuer fingen. Der Kaminkehrer schützte das heimische Glück.

Sterne galten vor langer Zeit als göttliche Lichtfunken in dunklen Nächten. Sternschnuppen wurden Dochten gleichgeschrieben, die die Engel beim Putzen der Himmelskerzen fallen gelassen hätten. Bei ihrer Erscheinung hoffte man auf göttlichen Beistand, wenn es um unerfüllte Wünsche ginge. 

Sogar zu Cent-Zeiten kann ein Glückspfennig nicht schaden. Glücksgeld ist einem alten Brauch zufolge die erste Münze, die einem jungen Erdenbürger vom Taufpaten geschenkt und sorgfältig aufgehoben wurde. Daraus hat sich der Glückspfennig entwickelt. Doch nur blank poliert zieht er weiteres Geld an. Seit den 1970er-Jahren geht der Brauch um, man solle seine Brautschuhe mit Pfennigen bezahlen. Manch junge Meid spart heute noch drauf hin.

Lässt man eine Gabel fallen, bekommt man ungebetenen Besuch.

Doch es gibt auch die „nicht eindeutig“ dem Glück oder Unglück zugeschriebenen Symbolen.

Die persönliche Auslegung machts

Der Glücksbringer Salz wird als Wunsch für Wohlstand zusammen mit Brot verschenkt. Wirft man sich eine Prise Salz über die Schulter, könne man damit einen Fluch abwehren. Salz borgen hingegen brächte Pech, das Verschütten könnte Streit mit sich bringen. „Dieser Aberglauben stammt aus der Zeit, als die weißen Salzkörner noch extrem kostbar waren. Der Verlust von Salz war also ein Unglück“, erklärt Tobias Melner.

Scherben bringen Glück. Wird etwas mit Lärm zerdeppert, können böse Geister vertrieben werden. Auch eine Schiffstaufe brauche die zerschlagene Sektflasche und keine Hochzeit funktioniere ohne vernünftigen Polterabend. 

Zerbricht jedoch ein Spiegel in Scherben, würden laut Aberglauben sieben Jahre Unglück drohen. Das Spiegelbild stehe für die Seele desjenigen, der hineinschaue. Die Seele brauche sieben Jahre, um wieder zu heilen.

„Pech bringen soll die schwarze Katze“ führt Tobias weiter aus. „Kreuzt eine schwarze Katze von links den Weg, droht Ungemach. Links gilt als schlecht und schwach. Wird man von einem linken Vogel gelinkt, sollte man diese Person links liegen lassen. Doch auch die glückliche Seite gibt es bei schwarzen Katzen“, grinst er und berichtet: „Eine schwarze Katze von rechts verheißt Glück, denn rechts ist die „gute“ Seite heißt es seit Jahrhunderten verbreitet. Es gehe schließlich mit „rechten“ Dingen zu, man habe das Herz am „rechten“ Fleck, obwohl das Organ links zu finden sei und sei lieber auf dem „rechten“ Weg.

Jeder, wie er will

Erkenntnisse, die reine Auslegungssache sind, wie sich nach den vielen Meinungs-Sammlungen schnell merken lässt. Der Aberglaube erfährt wenig Zensur, jedoch eine Art Konjunktur. In unserem Fall aber eine Inventur, denn viele Traditionelle Glücks- und Pechbringer haben wir aufgespürt. Ohne Zweifel gilt nach all den Experten-Meinungen aber ein Satz als der „Wahre“: Man ist selbst seines Glückes Schmied!

Zu guter Letzt sei noch gesagt:

Im Jahr 2014 gibt es lediglich EINEN Freitag, den 13.

Im Jahr 2015 sollte man viele Glücksbringer im Haus haben, dann kommt Freitag, der 13. gleich DREIMAL auf uns zu. Im Februar, im März und im November 2015.

Quelle: rosenheim24.de

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