"Die Narben machen ihr zu schaffen"

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Matthias A. mit seinem Anwalt.

Traunstein/Töging - Am dritten Verhandlungstag im Prozess um den Töginger Sextäter war die Mutter des Opfers als Zeugin geladen. "Das ist erstaunlich, was Sie schildern", meinte der Richter zu ihren Aussagen.

Vor der Mutter von Carmen K., die vom Angeklagten in ein Maisfeld gezogen, mit 27 Messerstichen übersäht und anschließend mit Grillanzünder übergossen wurde, sagten drei Polizeibeamte aus Mühldorf aus. Johannes S. von der Kripo Mühldorf hatte Matthias A. nach der Tat vernommen. Er sei wahnsinnig aufgeregt und nervös gewesen und habe sofort eingeräumt "Ich war´s. Ich bin der, den Sie suchen."

Eigentlich hätte die Chatbekanntschaft des Angeklagten, Petra B. aus Essen, am Mittwoch aussagen sollen, sie erschien aber nicht. "Frau B. hat die Tat von Matthias A. stark mitgenommen, sie ist selbst in psychiatrischer Behandlung", erklärte Johannes S., der die Frau nach der Straftat in Essen verhört hatte. Eine Beziehung hätte Petra B. mit Matthias A. nicht gehabt. Lediglich er habe sich mehr vorgestellt und Druck auf sie ausgeübt.

Fakt ist aber, dass der Bewährungshelfer des Tögingers, der ebenfalls aussagte, durch Matthias A. von seiner Schweigepflicht entbunden werden sollte, um Petra B. über die Vorstrafen ihrer Chatbekanntschaft zu informieren, denn ein Besuch in Essen war geplant. Wie der Bewährungshelfer berichtete, habe im Vorfeld nichts im Verhalten von Matthias A. auf die Straftat hingewiesen. "Ich habe überhaupt kein erhöhtes Risiko festgestellt. Er hat selber erzählt, dass er nicht gefährlich ist." Matthias A. habe ihm in einer Sitzung berichtet, dass er sich bei strömendem Regen bei einer Autobahnbrücke untergestellt habe. Ein junges Mädchen sei dazugekommen und habe ihren nassen Pulli ausgezogen, was ihm nichts ausgemacht hätte. "Er hat gesagt `Wenn die Richter in Göttingen mich sehen könnten, würden sie sagen, was ist denn mit Herrn A. passiert?´", so der Bewährungshelfer.

Verhandlung Sextäter Tag 3

Was die Mutter von Carmen K. anschließend im Gerichtssaal berichtete, sorgte für Erstaunen. Carmen gehe es jetzt gut. Nach einem Fachgespräch mit einem Arzt sei festgestellt worden, dass die 17-Jährige keine Therapie brauche. Mittlerweile fahre sie sogar wieder mit ihrem Fahrrad. Auch die Schilderungen der Polizeibeamten zeigten: Carmen hat während der Tat sehr rational reagiert, hat mit Matthias A. geredet. "Du wirst mich doch jetzt wohl nicht anzünden", soll sie gesagt haben, als er sie mit dem Grillanzünder überschüttet hatte. Und sie rief nach der Tat ihre Mutter mit dem Handy an. "Da war einer, der hat mich überfallen, wollte mich vergewaltigen und hat mich mit dem Messer gestochen. Kannst du mich abholen?" Als ihre Mutter mit dem Opa am Tatort eintraf, ging ihr Carmen schon entgegen. "Sie war schwach, hat aber noch geredet." Die Narben am Hals, Nacken, der Wange und dem Rücken würden dem Mädchen derzeit besonders zu schaffen machen. "Meiner Meinung nach verdrängt sie die ganze Sache. Sie spricht nicht darüber, auch nicht mit Freundinnen", so die Mutter.

Nach der Tögingerin berichtete ein ehemaliger Gefängnis-Freund von Matthias A. über seine Vorlieben für Horrorfilme, Fesselspiele und die Mittelalterzeit. "Wegen den Folterungen, die es damals gab. Er hätte gerne in dieser Zeit gelebt", so der ehemalige Kollege.

Am Ende der Verhandlung erkannte der Angeklagte den Adhäsionsantrag an. 20.000 Euro Schmerzensgeld kann Carmen K. mit diesem speziellen Antrag von Matthias A. einfordern. Am 14. April soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Das Gericht möchte noch die Aussagen der Notärztin und des ersten behandelnden Arztes der Geschädigten einholen.

Anette Mrugala

Quelle: rosenheim24.de

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