Am Beispiel von Seeon-Seebruck

So haben die Touristiker am Chiemsee mit Corona zu kämpfen

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Während die Segler im Seebrucker Yachthafen wieder aufatmen können, müssen die Beherbergungs- und Gewerbebetriebe in der Gemeinde Seeon-Seebruck weiter bangen.

Seeon-Seebruck - Durch die anhaltende Corona-Pandemie verzeichnet die Tourismusgemeinde Seeon-Seebruck einen starken Einbruch bei den Gästen: „Wir haben jetzt schon ein Minus von 35.000 Übernachtungen“, teilte die Leiterin der Tourist Info, Anna Esterlechner, in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats in der Truchtlachinger Turnhalle mit.

Trotz der mittlerweile gestatteten Lockerungen – Segeln auf dem Chiemsee ist wieder erlaubt und auch die Biergärten dürfen seit Montag wieder bedingt öffnen – stünden die 20 gastronomischen und rund 100 Beherbergungsbetriebe vor große Herausforderungen. „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten wird die neue Kernaufgabe sein. Wir werden wir alles versuchen, um unsere Vermieter zu unterstützen“, versicherte Esterlechner


Um in der jetzt schwierigen Zeit als Gemeinde ein Zeichen zu setzen, wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet, der nicht nur für den Tourismus sondern für alle Betriebe kleine Erleichterungen bringen soll. „Die Frage die wir uns stellen müssen ist, wie wollen wir- wie können wir- und wie dürfen wir unseren Bürgerinnen und Bürgern, sowie den Betrieben und Beherbergern helfen. Ich denke beim „Wollen“ sind wir alle einer Meinung dieses nicht in Frage zu stellen. Anders ist es beim „Können“ und „Dürfen“, räumte Bürgermeister Martin Bartlweber ein.

Haushaltsansätze deutlich reduziert

Die Haushaltsansätze im laufenden Haushalt seien deutlich reduziert und Großinvestitionen auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Um den Bürgern und Betrieben fürs Erste unter die Arme zu greifen wird der Kurbeitrag, der nur bei tatsächlicher Übernachtung vom Gast bezahlt werden muss, für den Monat März zeitnah festgesetzt.


Auf Antrag kann eine Stundung bis Ende Oktober dieses Jahres erfolgen. Auch für spätere Abrechnungsmonate besteht im Einzelfall eine Stundungsmöglichkeit. Die Fälligkeit des Fremdenverkehrsbeitrags für 2018 wird ebenfalls auf Ende Oktober festgesetzt. Die Vorauszahlung für 2020 wird pauschal auf 50 Prozent reduziert und ebenfalls mit Fälligkeit 31. Oktober festgesetzt.

Stundung kann beantragt werden

Auch hier kann eine Stundung beantragt werden. Eingehende Gewerbesteuer-Stundungsanträge werden weiterhin zügig bearbeitet und zinslos bis maximal Dezember 2020 gewährt. Ebenso werden finanzamtliche Vorauszahlungs-Herabsetzungsbescheide 2020 zügig bearbeitet und zur Auszahlung gebracht. Angenommen wird auch die vom Freistaat Bayern angekündigte Entlastung der Träger bei einem Verzicht auf die Erhebung der Kindergartengebühren.

Die Beitragsentlastung wird, soweit keine Notbetreuung in Anspruch genommen wurde, an die Eltern weitergegeben. Hinsichtlich der Regelungen für die Kinderkrippe wird die Entscheidung bis zum Vorliegen verbindlicher Richtlinien verschoben. Desweiteren werden den örtlichen Gewerbebetrieben im gemeindlichen Amtsblatt in den nächsten Wochen und Monaten kostenlose Anzeigenflächen (eine Seite) zur Verfügung gestellt. 

Um die örtlichen Beherbergungsbetriebe und touristischen Leistungserbringer mit Schutzmasken auszurüsten, übernimmt die Gemeinde die Kosten für die Schutzmasken, die über eine Sammelbestellung des Tourismusverbandes Chiemsee-Chiemgau besorgt werden. In den nächsten drei Jahren soll auch auf eine Bearbeitungsgebühr der Tourist-Information für Gastgeberklassifizierungen verzichtet werden.

Bürgermeister soll Gespräch mit Betrieben suchen

Der Maßnahmenkatalog wurde zwar abgesegnet, aber der CSU-Fraktion reichen die finanziellen Erleichterungen nicht aus. Sepp Daxenberger (CSU) forderte den Bürgermeister auf, mit den Betrieben das Gespräch zu suchen und beispielsweise die Hebesätze bei der Gewerbesteuer von derzeit 330 auf 310 Punkte herunterzusetzen.

„Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wäre aber zumindest ein kleines Zeichen für die Gewerbebetriebe“, betonte Franz Wörndl (CSU). Michael Regnauer (CSU) forderte: „Wir müssen uns überlegen, wie wir den Vermietern helfen können, damit der Gast kommt. Zum Beispiel mit neuen Aktionen.“

Stimmung in der Orts-CSU dreht sich

Was die Lockerungen der Staatsregierung betrifft, scheint sich die Stimmung auch bei der Orts-CSU zu drehen. Nach Ansicht von Wörndl sollte die Öffnung der Bäder in der Gemeinde unter den gültigen Infektionsschutzregeln möglich sein.

Er regte an, in einem Schreiben an Landrat Siegfried Walch dahingehend Druck auszuüben. „Wir haben so viel Angst und lassen uns alles gefallen“, wetterte Wörndl. Alfred Fiedler (FW) warnte jedoch davor: „Wir können uns nicht über Recht und Gesetz hinwegsetzen und schon gar kein Exempel als Gallisches Dorf setzen.“

ga

Quelle: chiemgau24.de

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