"Herzkammer des bayerischen Lebensgefühls"

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"Politische Entscheidungen müssen eine Grundhaltung ausdrücken", mahnte Horst Seehofer, dem die Zuhörer im überfüllten Saal des Gasthauses Schmid gebannt lauschten. Bild oben rechts: Seehofer begrüßte Alois Glück.

Tuntenhausen - So hat Horst Seehofer den katholischen Männerverein Tuntenhausen bezeichnet. Bei der Herbstwallfahrt am Sonntag verteidigte er christliche Werte.

Bei der Herbstwallfahrt gestern rief der Ministerpräsident dazu auf, sich in einer verändernden Welt auf christliche Werte zu besinnen.

Berittene Polizei, Mandatsträger aus Kommunen, Land- und Bundestag - in Tuntenhausen fand gestern die Wallfahrt des katholischen Männervereins statt. Mit Ministerpräsident Horst Seehofer hatte sich ein prominenter Redner angekündigt.

Seehofer reihte sich damit in die Linie seiner Amtsvorgänger ein. Auch Franz-Josef Strauß, Max Streibl und Edmund Stoiber haben den kleinen Ort mit seiner dominanten Basilika einst besucht. "Es ist gute alte Tradition beim Männerverein, dass der bayerische Ministerpräsident auch nach Tuntenhausen kommt", so Dr. Marcel Huber, Vorsitzender des Vereins und bayerischer Umweltminister. Huber lobte die Predigt von H.H. Augustinus Bauer aus München beim vorangegangenen Gottesdienst, der darauf hingewiesen hatte, nicht auf andere zu zeigen, sondern selbst Vorbild zu sein.

Dann übernahm der Ministerpräsident das Rednerpult: "Der Männerverein ist ein Ort konservativer Werte und ein Wächter des Wertefundaments", sagte Seehofer. In diesem Sinne sei Politik kein Aneinanderreihen von Einzelentscheidungen, sondern von Entscheidungen, die eine Grundhaltung ausdrücken müssten. Dass Bayern so prächtig dastehe, habe alleine damit zu tun, wie man hier Politik mache.

1989 sei der Sozialismus: "krachend gescheitert". "Am Ende waren alle gleich arm", so Seehofer unter dem Beifall der Zuhörer. Doch auch der Spekulationskapitalismus sei am Ende. "Die christlichen Lebenswerte erleben eine Renaissance", sagte Seehofer und erinnerte an den "Violinschlüssel der CSU": Subsidiarität und Solidarität.

Anderen Bundesländern wolle man durchaus helfen, sagte er zum Thema Länderfinanzausgleich, denn Bayern sei anfangs auch geholfen worden. "Aber diejenigen, denen wir helfen, müssen auch selbst Anstrengungen unternehmen, voranzukommen", meinte Seehofer und kanzelte vor allem Berlin scharf ab, das trotz der vielen Gelder "nicht einmal einen Flughafen bauen könne".

"Bayern will selbst entscheiden"

Die Grundsätze der Subsidiarität treffen nach seinen Worten genauso auf Europa zu. "Je stärker Europas Bürokratie wird, desto schwächer wird Bayern", so der CSU-Vorsitzende, der damit die Seele der Tuntenhausener traf: "Wir wollen ein Europa der Regionen, wo Bayern noch selbst entscheiden kann, was in Bayern passiert."

Seehofer warf den südeuropäischen Länder vor, über Jahre hinweg über ihre Verhältnisse gelebt zu haben: "Wer Hilfe erhofft, muss alles dafür tun, um aus der Verschuldung auch wieder herauszukommen", so sein Credo. Und hier konnte der Bayer sein Land als Musterknaben herausstellen: Man zahle nicht nur Schulden zurück: "Bayern wird das erste Land in Europa sein, das keine Schulden mehr hat", so ein beifallsumbrandeter Ministerpräsident, der das Schuldenmachen verurteilte: "Wir haben kein Recht, heute über unsere Verhältnisse zu leben und damit die Zukunft der Jugend zu zerstören."

Abschließend appellierte er an den katholischen Männerverein: "Bewahrt nicht die Asche der Tradition auf, sondern das Feuer eurer Ideen." Heftiger Beifall war der Dank - die Zuhörer erhoben sich von den Stühlen - bevor es mit Blaulicht wieder gen München ging.

ws/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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