Schwere Vorwürfe: "Polizei hat mich schikaniert!"

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Da klickten die Handschellen. Doch Serdal Ugurlu ist sich sicher: "Ich bin das Opfer polizeilicher Schikane!" Doch die Beamten sehen das ganz anders. (Symbolfoto)

Piding: "Ich kam mir vor wie in einem schlechten Actionfilm - und ich war das Opfer!" Serdal Ugurlu wurde auf der A8 von der Polizei kontrolliert und kam sich vor wie ein Schwerverbrecher - die Polizei weist die Vorwürfe von sich!

Eine Geschichte - zwei Versionen: Alles begann in den frühen Morgenstunden des 21. März gegen 3.30 Uhr auf der A8.

Die Schilderungen von Serdal Ugurlu:

Die Freunde Serdal Ugurlu (Beifahrer), M. O. (Fahrer) und Mathäus Salvenmoser (Mitfahrer) befanden sich auf dem Heimweg von einer Feier von Salzburg nach Kufstein. In der Nähe von Piding auf der A8 wurde das Fahrzeug der drei in Österreich wohnhaften jungen Männer von einer Streife der Polizeiinspektion Fahndung Piding zu einer routinemäßigen Verkehrskontrolle angehalten. Da weder der Fahrer noch Serdal Ugurlu einen Ausweis dabei hatten, eskalierte die Situation nach Angaben der Fahrzeuginsassen.

Serdal Ugurlu: "Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher!"

"Es ging ab wie im Actionfilm", so Serdal Ugurlu in einem offenen Brief an unsere Redaktion. "Ich hatte schon des Öfteren über Vorfälle gehört, wo sich die Betroffenen über die brutale Vorgehensweise [der Polizei; Anm. d. Verf.] beschwert hatten, was mir jedoch [...] passiert ist, hat mich dazu bewegt einen Beschwerdebrief an das oberste Polizeiamt zu verfassen." Auch dieser Brief liegt unserer Redaktion vor.

Statt des Ausweises legten M. O. und Serdal Ugurlu den beiden Beamten Führerschein sowie Fahrzeugschein vor. Da Serdal Ugurlu türkischer Staatsbürger ist, packte er obendrauf seinen Aufenthaltstitel. "Als der Beamte den Aufenthaltstitel sah, begann das Chaos", so Ugurlu weiter. Der Beamte habe sich bereits lautstark mit dem Fahrer gestritten und ihm immer wieder klargemacht, dass er in Deutschland dazu verpflichtet sei, seinen Ausweis mit sich zu führen. Als der Blick aber auf den Aufenthaltstitel fiel, soll der Beamte regelrecht ausgeflippt sein: "Was ist denn das für einer neben Ihnen!?" Auf die Frage was er denn für ein Landsmann sei, antwortete Serdal Ugurlu: "Ich bin Türke, warum?" "A Türk also, dacht ich mir schon – das wird ja immer besser mit euch", war die angebliche Reaktion des Polizisten.

Da sich der junge Türke von Minute zu Minute unwohler in seiner Haut fühlte, entschied er sich dazu, das Gespräch mit der Polizei mit seinem Handy aufzuzeichnen. Dies teilte er auch den Beamten mit. Daraufhin sollen die Beamten zur Beifahrertür gestürmt sein, sie aufgerissen haben, ihm das Handy weggenommen und ihn aus dem Auto gezogen haben. Noch bevor Serdal Ugurlu die Situation richtig realsieren konnte, habe er sich auf die Motorhaube gedrückt wiedergefunden. Anschließend legten ihm die Polizisten Handschellen an - so fest, dass nach kurzer Zeit angeblich seine Hände taub wurden.

Die Beamten hätten ihr Vorgehen mit der Begründung gerechtfertigt, dass der junge Mann stark alkoholisiert sei, Polizeiarbeit verhindern würde und kein Recht habe, dieses Gespräch mitzuschneiden. Serdal Ugurlu räumte gegenüber unserer Redaktion ein, dass er zu dem Zeitpunkt betrunken gewesen sei, aber "keinerlei Aggression" ausgestrahlt hätte. Dennoch wurde er nach seinen Angaben brutal zum Polizeiauto gezerrt und auf den Rücksitz verfrachtet. Danach wurde er zur Vernehmung und zur Aufnahme der Personalien auf das Polizeirevier gebracht. Den so geschilderten Ablauf bestätigten auch die beiden im Auto anwesenden Freunde von Serdal Ugurlu.

Stellungnahme der Polizei:

Auf Nachfrage unserer Redaktion äußerte sich der Dienststellenleiter der zuständigen Polizeiinspektion Dr. Walter Buggisch zu dem Fall: "Meine Kollegen haben sich absolut richtig verhalten! In so einem Fall gilt es zuerst an den Eigenschutz zu denken. Da der Mann deutlich alkoholisiert war, keinen Pass bei sich führte und einen sehr aggressiven Eindruck machte, mussten wir ihn mit Handschellen fixieren, um mögliche Komplikationen auf der Fahrt zur Dienststelle auszuschließen." Auch im Hinblick auf die Sicherstellung des Handys hätten die Beamten richtig gehandelt. "Jeder Mensch hat das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Niemand - auch kein Beamter - ist dazu verpflichtet, sich in Bild und/oder Ton aufzeichnen zu lassen. So regelt dies das Deutsche Grundgesetz." Die Vorwürfe von Serdal Ugurlu, er sei aufgrund seiner Herkunft absichtlich körperlich und verbal schikaniert worden, wies der Dienststellenleiter im Gespräch entschieden von sich. "Rund 90 Prozent der Personen, die wir tagtäglich kontrollieren, sind keine deutschen Staatsbürger - da spielt die Herkunft aber nun wirklich keine Rolle."

Gegen Serdal Ugurlu wurde nun ein Verfahren wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz eingeleitet, da er als türkischer Staatsbürger illegal nach Deutschland eingereist war. Desweiteren wies die zuständige Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd darauf hin, dass Serdal Ugurlu ebenfalls wegen Beleidigung von Staatsbeamten angezeigt wurde. "Herr Ugurlu hat bis jetzt weder eine offizielle Beschwerde eingelegt, noch eine Anzeige gegen die beiden Beamten gestellt.", so der Pressebeauftragte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Franz Sommerauer.

Christian Kleih

Quelle: rosenheim24.de

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