Revisionsprozess vor dem Landgericht in Traunstein

Urteil: Bewährungsstrafe im Iliria-Prozess

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Nebenkläger mit seinem Rechtsanwalt.
  • schließen

Rosenheim/Traunstein - Das Urteil gegen den Angeklagten M. im Berufungsprozess ist gefallen: Ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung. Den früheren FC Iliria-Spieler erwartet aber noch mehr.

UPDATE 13.20 Uhr: Das Urteil

Richterin Christina Braune verkündete soeben ihr Urteil und blieb damit eng am Plädoyer der Verteidigung: Der Angeklagte M. wird wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Er muss darüber hinaus 100 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Diakonie in Rosenheim ableisten.

In der Urteilsbegründung hielt die Richterin dem Angeklagten die Einwilligung zum Täter-Opfer-Ausgleich zu Gute. Auch das Geständnis, die Verantwortungsübernahme und die bereits übergebenen 5.000 Euro wertete Braune für den Angeklagten: "Das Geld stammte sicher nicht aus seiner Portokasse", so die Richterin.

Die Richterin gab dem Angeklagten M. aber mit auf den Weg, dass sich das Strafmaß ohne Geständnis und Vergleich schnell bei zwei Jahren ohne Bewährung hätte bewegen können. Schließlich erlitt der Geschädigte einen irreparablen Gehörschaden und ist in seiner alltäglichen Lebensführung nun massiv beeinträchtigt.

Das Gericht bedauert, dass man an gewissen Orten wie im Nachtleben oder bei manchen Fußballspielen mit Übergriffen rechnen müsse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

UPDATE 12.30 Uhr: Die Plädoyers

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde die Hauptverhandlung der siebten Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Christina Braune gegen den Angeklagten M. fortgesetzt. Nach einem Rechtsgespräch aller Prozessbeteiligten während der Pause gehe die Kammer nun davon aus, dass sich eine Strafe bei Verurteilung des Angeklagten im Bereich zwischen 17 und 20 Monaten jeweils mit einem Aussetzen zur Bewährung bewegen könnte. Diese Prognose könne sich aber im Lauf der weiteren Hauptverhandlung noch ändern, so Richterin Braune. Besonders die Tatsache, dass sich der Angeklagte dazu bereit erklärt hätte, Ausgleichszahlungen zu leisten, habe die Kammer zu diesem Schluss kommen lassen. Eine Vorstrafe könne der Angeklagte zudem nicht vorweisen.

Die Plädoyers

In ihrem Plädoyer forderte Staatsanwältin Grotz für den Angeklagten M. eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und 8 Monaten. Zu Gunsten des Angeklagten müsse sein Geständnis, sowie die Einwilligung zur Zahlung der 15.000 Euro und die bereits übergebenen 5.000 Euro gezählt werden. Zu Lasten sei die Schwere der Verletzungen und die davongetragenen Beeinträchtigungen zu sehen, so die Staatsanwältin. Daher könne man sich nicht im Bereich der schweren Körperverletzung bewegen. Als zusätzliche Auflage sah die Staatsanwaltschaft 100 Arbeitsstunden und eine Bewährungszeit von drei Jahren vor.

Rechtsanwalt Niedermeier, der Vertreter des Nebenklägers, legte die Entscheidung über das Strafmaß in das Ermessen des Gerichts. In seinen Ausführungen orientierte sich der Anwalt eng an die Aussagen der Staatsanwaltschaft, gab jedoch zu bedenken, dass der Heilungsprozess seines Mandanten erst jetzt, nach dem Ende dieses Verfahrens in Gang kommen könne. Man hoffe, die psychogene Sehstörung nun endlich verarbeiten zu können, bleibende Schäden würden im Bereich der Hörfähigkeit jedoch bleiben. Man habe die Entschuldigung zur Kenntnis genommen und auch die Anzahlung beziehungsweise der eingegangene Vergleich müssten zu Gunsten des Angeklagten gesehen werden.

Der Verteidiger des Angeklagten M. wies das Gericht ebenfalls auf die geleisteten Zahlungen in Höhe von 5000 Euro hin. Er erklärte ebenfalls, dass sein Mandant nach der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Rosenheim erkannte habe, die Konsequenzen seines Handelns zu akzeptieren. Das geleistete Geständnis sei zudem von erheblichem Wert, hätte es dem Gericht doch großen Aufwand erspart. Aufgrund seiner langjährigen Beschäftigung und seinen stabilen familiären Verhältnissen, könne man beim Angeklagten eine gute Sozialprognose erkennen. Rechtsanwalt Dr. Frank forderte deshalb, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 6 Monaten zur Bewährung zu verhängen. In seinen letzten Worten schloss sich der Angeklagte den Ausführungen seines Verteidigers an. Die Kammer zog sich daraufhin zur Urteilsberatung zurück.

UPDATE 11 Uhr: Auf Täter-Opfer-Ausgleich geeinigt

Pflichtverteidiger Dr. Frank.

Bereits zu Beginn der Verhandlung gegen den Spieler des FC Iliria Rosenheim vor dem Landgericht in Traunstein machte der Angeklagte über eine Einlassung seines Pflichtverteidigers Dr. Frank umfassende Angaben zum Hergang der Tat. Diese Aussage hatte der angeklagte Kosovare bereits im Vorfeld der Verhandlung angekündigt. Deshalb werden nun im weiteren Verlauf der Verhandlung keine Zeugen, außer dem geschädigten Schiedsrichter selbst, vernommen. Der Angeklagte Spieler des FC Iliria Rosenheim gab zu, im Nachgang des Spiels im Jahr 2012 den Schiedsrichter mit zwei Faustschlägen im Gesicht getroffen zu haben. Aufgrund der stark aufgeheizten Situation könne der 37-jährige Angeklagte nicht mehr eindeutig nachvollziehen, wie es zu dem Handgemenge und seinen Schlägen gekommen sei. Er bedauere den Ausgang des Spiels und die Folgen seines Handelns sehr und entschuldige sich persönlich beim Geschädigten. Weiter will der Spieler die volle Verantwortung für seine Tat übernehmen, er sei bereit im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs bereits im Gerichtssaal eine Anzahlung von 5000 Euro in Bar zu leisten.

Der Tathergang im Detail

Nach einer kurzen Schilderung des Tathergangs aus der Aktenlage begann die Beweisaufnahme mit der Aussage des geschädigten Schiedsrichters. Der 48-jährige Geschädigte berichtete über den Spielverlauf des FC Iliria gegen den ESV Rosenheim. Von Beginn an bemerkte er die harte Spielweise beider Mannschaften. So soll es bereits in der ersten Halbzeit zu mehreren gelben Karten gekommen sein, der Pausenstand betrug damals 1:1. In der zweiten Halbzeit gab der Schiedsrichter einen Elfmeter zugunsten des FC Iliria, das Spiel wurde dadurch aber zunehmend hektischer und aggressiver. In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte der ESV durch einen Freistoß den Ausgleich. Wie bereits vor der Aktion angekündigt, beendete er daraufhin das Spiel. Umgehend habe sich dann eine Menschentraube aus Spielern und Zuschauern um ihn herum gebildet. Nach der Warnung eines Unbeteiligten "Vorsicht Schiri, da kommt einer", habe er den Angeklagten auf sich zustürmen gesehen, der ihn unvermittelt mit zwei Faustschlägen attackierte. Der zweite Schlag soll dabei so heftig ausgefallen sein, dass der Schiedsrichter kurzzeitig benommen gewesen sei. Deshalb könne er auch zum weiteren Verlauf des Gerangels keine genaueren Angaben mehr machen.

Körperliche und psychische Folgen der Schlägerei

Seit dem Vorfall in der drittuntersten Fußball-Klasse befinde sich der Geschädigte fast durchgängig in ärztlicher Behandlung. Erschwerend für ihn kamen dann noch Beleidigungen und Bedrohungen seitens Unbekannter hinzu. Die Situation habe dann in einem Drohbrief gegipfelt, in dem er massiv mit körperlicher Gewalt bedroht wurde. Der Angeklagte gab daraufhin an, nichts mit den Drohungen oder dem Brief zu tun zu haben. Er wolle sich nochmals für den Angriff entschuldigen und reichte noch im Gerichtssaal dem Geschädigten die Hand. Eine Entschuldigung, die heute zwei Jahre zu spät komme, erst recht nachdem, was der Angeklagte alles zerstört habe, so der Schiedsrichter am Ende der Zeugenvernehmung. Neben den körperlichen Schäden kämpfe der Geschädigte aktuell noch immer mit den finanziellen Auswirkungen. Die meisten Behandlungen würden von der Krankenkasse nicht übernommen. Aus den ärztlichen Attesten und Gutachten des Geschädigten geht hervor, dass der Schiedsrichter Zahnfrakturen und einen gerissenen Augenmuskel erlitt, der nur in einer komplizierten und teuren Operation wiederhergestellt werden könne. Dazu komme eine starke Schädigung des Innenohrs, die selbst durch den Einsatz eines Hörgeräts nicht zu einer Hörfähigkeit von 100 Prozent führen könne. Die verminderte Sehfähigkeit gehe nach wie vor auf eine psychische Ursache zurück, rein körperlich könnten hier keine Ursachen mehr ausgemacht werden, so die Gutachten. Aufgrund der lebensbedrohlichen Situation am Ende des Fußballspiels gehen die psychologischen Gutachten von einer posttraumatischen Belastungsstörung aus. Starke Angstzustände, Schlafstörungen und daraus resultierende körperliche Symptome konnten in der stationären Behandlung nur teilweise unter der Verwendung von Medikamenten gemildert werden. Auch nach der letzten Therapie sei die psychogene Sehstörung immer noch vorhanden.

Täter-Opfer-Ausgleich als Schmerzensgeld

Im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleichs übergab der angeklagte Spieler des FC Iliria im Anschluss an die Verlesung der ärztlichen Gutachten, wie bereits zum Anfang der Verhandlung angekündigt, einen Geldbetrag in Höhe von 5000 Euro als Anzahlung. Weiter stimmten sowohl der Verteidiger als auch der Vertreter des Geschädigten einem Vergleich zu den zivilrechtlichen Folgen zu. Der Angeklagte verpflichtete sich, insgesamt 15.000 Euro als Schmerzensgeld an den Schiedsrichter zu zahlen. Er sei auch bereit, die Anwaltskosten des Geschädigten im Zivilrechtsstreit und sämtliche Folgekosten, die durch die Schläge aufgetreten sind und auch möglicherweise noch auftreten werden, zu ersetzen. Der parallel laufende Zivilstreit sei somit erledigt.

Vorbericht:

Über ein halbes Jahr nach dem Ersturteil gibt es am Mittwoch eine Neuauflage des Prozesses um die Ausschreitungen beim Skandalspiel des FC Iliria Rosenheim gegen den ESV Rosenheim. Hier waren im Herbst 2012 ein Schiedsrichter und der Trainer des ESV von Spielern des FC Iliria zum Teil massiv verletzt worden.

Alles zum Skandal-Spiel:

Der 37-jährige Hauptangeklagte war im ersten Prozess am Amtsgericht in Rosenheim zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden – ein Urteil gegen das sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Berufung einlegten. Die Staatsanwaltschaft hatte in der Verhandlung vor dem Amtsgericht zwei Jahre Gefängnis gefordert, da der Schiedsrichter noch heute an den Folgen seiner schweren Verletzungen leidet. Die beiden Schläger sind vom Bayerischen Fußball-Verband lebenslang gesperrt worden.

Ein Fußballspiel mit gravierenden Folgen

Im Oktober 2012 kam es nach dem Abpfiff im Spiel des FC Iliria gegen den ESV Rosenheim auf dem Sportplatz an der Innflutmulde zu einem Handgemenge, aus dem der Schiedsrichter der Partie schwere Verletzungen davongetragen hatte. Der Spieler M. wird erneut angeklagt, den Schiedsrichter mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen zu haben. Auch heute noch, zwei Jahre nach dem Vorfall, leidet der Unparteiische an den Spätfolgen der Schlägerei. Eine sogenannte "psychogene Sehstörung" beeinträchtigt das Sehvermögen des Mannes noch immer.

Auch der Trainer des ESV Rosenheim soll im Gerangel in der Menschentraube verletzt worden sein. Als er dem Schiedsrichter zur Hilfe eilen wollte, wurde er von einer dritten Person mit dem Fußballschuh im Bauchbereich verletzt.  Er zog sich eine Rippen- und Leberprellung zu. Bereits zu Beginn der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Rosenheim gestand der Angeklagte den Sachverhalt. In einem geschlossenen Vergleich verpflichtete er sich damals insgesamt 2000 Euro in monatlichen Raten als Schmerzensgeld zu zahlen. In einem abgetrennten Verfahren wurde dieser Angeklagte dann anschließend zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt.Verhandlungsbeginn ist um 8.30 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein.

Aus dem Archiv: Video mit Richter Löber

rosenheim24.de ist am Mittwoch im Gerichtssaal und berichtet in Ausschnitten von der Verhandlung gegen den Spieler des FC Iliria.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser