Sudelfeld: Streit auch am Runden Tisch

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Vertreter der unterschiedlichen Positionen diskutierten in Rosenheim über den Sudelfeld-Ausbau
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Rosenheim/Brannenburg - Über den Sudelfeld-Ausbau wird heftig gestritten. MdL Klaus Stöttner lud Vertreter der unterschiedlichen Lager ein, um die Differenzen beizulegen - ein schwieriges Unterfangen.

Während die Vertreter der Tourismusbranche den Ausbau als dringend erforderlich einstufen, sieht der Deutsche Alpenverein (DAV) das ganz anders und hat gegen den Ausbau Klage eingereicht. Um sie miteinander zu versöhnen, lud Landtagsabgeordneter (MdL) Klaus Stöttner Vertreter der unterschiedlichen Positionen an einen Runden Tisch ein.

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Klaus Stöttner betonte die Wichtigkeit des Sudelfeld-Ausbaus für die Touristische Zukunft der Region. Der Tourismus sei derzeit das Standbein jeder fünften Familie. Der technische Stand am Sudelfeld entspreche weder den derzeit geltenden Sicherheitsstandards, noch sei er auf der höhe der Zeit: „Unsere Seilbahnen sind zirka 25 Jahre älter, als die unserer Nachbarn!“ Um Wettbewerbsfähig zu bleiben, sei der Ausbau dringend notwendig. „Das hat auch für den Sommertourismus einen Vorteil, weil die Leute immer älter werden und nicht mehr so gut zu Fuß sind. Einen Schlepper kann ich im Sommer nicht nutzen, einen Sessellift schon“, erklärte Stöttner. 

Gerd Ritthammer,  ehrenamtlicher Wegewart am Sudelfeld,betonte, eine Modernisierung der Skianlagen sei ohne Beschneiung nicht sinnvoll. „Die Baustelle sieht natürlich entsetzlich aus. Aber ich war selbst Bauingenieur und habe noch nie eine schöne Baustelle gesehen. Ich bin überzeugt: Wenn der See erst fertig ist, dann wird er sich nahtlos in die Landschaft einfügen“, sagte er. Als positiv bewertete Ritthammer, dass die Staumauer an einer natürlichen Engstelle entstehen soll, sodass sie „nicht so groß“ werden müsse. „Vielleicht wird der See sogar eine zusätzliche Attraktion für den Sommer“, stellte er in Aussicht.

„Das Skigebiet ist ein wesentlicher Infrastrukturpunkt unserer Region“, betonte Harald Gmeiner, Tourismusmanager von Bayrischzell. Alleine in Bayrischzell seien 100 Betriebe davon abhängig. „Spätestens in zehn Jahren ist das Skigebiet ohne Modernisierung nicht mehr zu erhalten“, erklärte er. Angedacht sei bei der Modernisierung ein ganzjähriges Tourismuskonzept, das sich nicht auf die Wintermonate konzentriere. „Man darf nicht vergessen, welche Wertschöpfung aus dem Tourismus erfolgt. Jeder Euro für die Bergbahn generiert 4,20 Euro in der Region“, so Gmeiner. Nicht nur für den Tourismus sei das Sudelfeld entscheidend, sondern auch für die Menschen in der Region. Viele Kinder würden dort noch immer das Skifahren erlernen.

„Eine Investition in die Bahnen lohnt sich nur bei Schneesicherheit“, sagte Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. Derzeit würden an guten Tagen 7000 bis 10.000 Leute die Skilifte nutzen. Die veranschlagte Investitionssumme für den Bau der beiden Sechser-Sessellifte und die Beschneiungsanlagen veranschlagte er mit zirka 22 Millionen Euro. Der See wird ihm zufolge zu zwei Dritteln aus Schmelzwasser gefüllt, der Rest müsse hochgepumpt werden. „Der Bergsee wird eine Bereicherung werden und kein Fremdkörper“, so Stadler.

Diese Argumente konnten Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter für Hütten, Naturschutz und Raumordnung der DAV-Bundesgeschäftsstelle, jedoch nicht überzeugen. „Die Beschneiungsstudie zeigt ganz klar, dass spätestens in 15 bis 20 Jahren eine Beschneiung nicht mehr wirtschaftlich vertretbar sei. Die Kosten würden dann zu hoch. „Wir sind für einen Ganzjahrestourismus, der sich nicht auf die 100 Tage zum Betrieb des Skigebiets konzentriert. Wir sind gegen einen Massentourismus am Sudelfeld“, betonte er. Mair zeigte sich überzeugt, dass im Falle fehlenden Schnees die Menschen Alternativen zum Skifahren am Berg suchen würden: „Dann gehen sie halt wandern oder mountainbiken.“ Beschneiung sei keinesfalls der richtige Weg. Dem widersprach Stöttner entschieden: „Wenn es bei uns keinen Schnee gibt, dann fahren die Leute halt nach Österreich. Wer Skifahren gehen will, geht auch Skifahren.“

Dieter Vögele, Schaztmeister der DAV-Sektion Rosenheim, verwies einerseits auf die lange Tradition des Sudelfelds als Skigebiet. Schon vor über 100 Jahren seien dort Skitouren gegangen worden. Mittlerweile sei die Natur jedoch ein Freizeitgebiet geworden, das hätten auch die Unternehmen erkannt. Er selbst sieht den Massentourismus eher kritisch und wünscht sich mehr Ruhe am Berg. "Es gibt eine Vielzahl von Bergsportarten. Und beispielsweise Bergwandern oder Bergsteigen kosten gar nichts, außer der eigenen Muskelkraft", sagte er im Hinblick auf die Investitionskosten.

In einer schwierigen Situation befindet sich derzeit Franz Knarr, erster Vorsitzende der DAV-Sektion Rosenheim. 9000 Mitglieder hat die Sektion. Neben den Interessen seiner Mitglieder muss er aber auch die des DAV-Dachverbandes berücksichtigen. Er mahnte, den gesunden Menschenverstand einzusetzen und sich nicht in eine Situation zu manövrieren, in der man nach der Klage nicht mehr miteinander reden könne. „Wir stehen zwar hinter dem DAV-Grundsatzprogramm, aber Regional gibt es nun mal andere Interessen, die wir nicht unbeachtet lassen können.

Auch innerhalb des Alpenvereins herrscht übrigens Uneinigkeit: Laut Mair sei etwa die Hälfte der Mitglieder für, die andere gegen den Ausbau. „Je weiter die Leute weg sind, desto eher sind sie dagegen“, sagte er. Regionale Interessen in den Vordergrund zu stellen sei jedoch der Falsche Weg: „Wir müssen den Alpenraum als Ganzes betrachten. Sein Erhalt ist wichtig", betonte Mair.

Das befeuerte natürlich Tourismusmanager Gmeiner: „Der Naturraum ist für uns auch ein bedeutender Wirtschaftsraum, dass muss man schon berücksichtigen.“ Stadler ergänzte: „Diese 20-Jahres-Studien sind eher Kaffeesatzleserei. Da weiß doch keiner genau, was passiert.“

Einzig bei einem Punkt näherten sich die zwei Parteien an: beim Sommer-Tourismus-Konzept. Noch steht nicht genau fest, wie der Sommertourismus aufgestellt werden soll. Es gibt Gmeiner zufolge jedoch Pläne, die Almwirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Mair kündigte an, dass der DAV zu einer Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung bereit sei. Was den Ausbau angehe, so würde erst das Gerichtsurteil eine Entscheidung bringen.

Abschließend versuchte Ritthammer die unterschiedlichen Meinungen zumindest etwas miteinander zu versöhnen: „Wir sollten die Modernisierung als Chance begreifen. So können wir die Skifahrer auf der Nordseite halten, nämlich am Sudelfeld. Und der Restliche Berg wird als Ruhezone für die Natur und das Wild erhalten.“

Fotos und Videos aus dem Archiv:

Bauarbeiten am Sudelfeld

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Quelle: rosenheim24.de

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